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Bildrechte: BR/Julia Schlegel

Ben, der blinde Surfer an der Münchner Eisbachwelle.

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Der blinde Surfer auf der Eisbachwelle

Ben, 15 Jahre, surft auf der Eisbachwelle in München – mittlerweile haben Millionen sein Video auf Sozialen Netzwerken gesehen. Das Besondere daran: Ben ist blind, steht aber trotzdem souverän auf dem Brett und weiß die rasanten Wellen zu nehmen.

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Von
  • Julia Schlegel

Ben Neumann aus Garmisch-Partenkirchen bekam mit sechs Jahren die Diagnose: Er wird sein Augenlicht verlieren. Inzwischen sind Wellen wie alles andere um ihn herum nur noch ein "großes Nichts". Was ihn aber nicht dran gehindert hat, vor drei Jahren auf ein Surfbrett zu steigen. Weil Ben schon immer eine Wasserratte war, hatten ihm seine Eltern einen Ausflug in die Surf-Arena geschenkt. Es war der Beginn einer großen Leidenschaft.

Die Welle "sehen" - ohne Augenlicht

Ben hat Tage, Wochen, Monate das Surfen an der künstlichen Welle trainiert. Vor ein paar Monaten kam der große Sprung: raus an den Fluss. Dort fragen sich jetzt selbst die erfahrenen Surfer, wie Ben das hinbekommt, noch dazu auf der Eisbachwelle, die alles andere ist als eine Anfängerwelle. Ben "sieht" das Wasser auf seine Weise. Indem er spürt, wie sich das Wasser an bestimmten Stellen unter seinem Brett verhält. "Man spürt natürlich schon das Wasser und die Strömung und - nachdem die Eisbachwelle ja auch tatsächlich sehr unruhig ist - Bereiche in der Welle, die mehr Druck und solche, die weniger Druck haben."

Das Blindenzeichen, ein Handicap - kaum zu bemerken

An diesen "Bereichen", die zum Beispiel durch die flussaufwärts liegenden Brückenpfeiler entstehen, orientiert sich Ben in der zwölf Meter breiten und bei hohem Wasserstand durchaus rasanten Eisbachwelle. Zunächst haben die anderen Surfer Bens Handicap nicht bemerkt. Vielen ist erst jetzt durch den Medienrummel klar geworden, dass die drei schwarzen Punkte auf seinem gelbem Helm nicht nur irgendein Logo sind, sondern das Blindenzeichen.

Die Eisbachwelle: immer eine neue Herausforderung

Das Surfen auf der Eisbachwelle ist für Ben jedes Mal wieder eine Herausforderung, ein Herantasten, nachdem die Strömung jeden Tag anders ist: "Sobald ich auf der Welle bin, weicht die Aufgeregtheit immer der Konzentration und dann natürlich auch der Freude nach dem ersten Turn." Irgendwann spuckt die Welle jeden Surfer aus. Ben fliegt ins Wasser, muss in der Strömung ans Ufer schwimmen, von dort wieder rauf zum Einstieg kommen für die nächste Runde. Wie er das hinbekommt? Zum einen kennt Ben den Abschnitt der Surfer am Eisbach in- und auswendig, weiß genau, an welchen Stellen es Hindernisse und Orientierungspunkte gibt. So schwimmt er nach dem Surfen an den Rand, tastet sich dann an der Ufermauer vorwärts.

Ganz ohne Hilfe geht es nicht

Trotzdem geht es nicht ohne Hilfe. Ben hat mit seinem Vater Peter Neumann ein System ausgeklügelt: Die beiden halten Kontakt über Funk. Über einen wasserdichten Knopf im Ohr bekommt Ben also ständig Informationen von seinem Vater: wo eine Stufe kommt, wo er sich anstellen muss, an welchem Platz in der Schlange er ist, dass er nachrücken kann. Und dann natürlich, wenn er wieder in die Welle starten kann.

Ein eingespieltes Team mit dem Vater

Ben Neumann und sein Vater Peter sind ein eingespieltes Team. Zusammen gehen sie zum Skifahren, zum Beispiel auf der Zugspitze. Im Sommer sind die beiden beim Mountainbiken mit dem Tandem. Und weil Ben von klein auf eine Wasserratte ist, hat er vor ziemlich genau drei Jahren zum Geburtstag einen Besuch in der Surfhalle bekommen. Daraus ist jetzt Bens Leidenschaft entstanden: Surfen, sagt er, ist für ihn mehr als nur ein Sport, vor allem im Alltag, wo ihn seine Blindheit natürlich vor viele Probleme stellt. "Und daher gibt es natürlich auch blöde Momente, auf der anderen Seite kann ich mich dann auch immer relativ schnell wieder dazu bringen, das zu sehen, was ich in meinem Umfeld habe, nämlich einfach nur Unterstützung und Motivation und Dinge, die einfach schön sind."

Sein größter Traum: Einmal Wellenreiten auf Hawai

Nächstes Ziel von Ben: eine Arena in der Schweiz, in der es anders als im Eisbach keine stationäre Welle gibt, sondern eine wie im Meer. Und da kann schon schon ahnen, wo Ben mal in weiter Zukunft hin will: sein ganz großer Traum ist natürlich Wellenreiten Hawai!

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Ben, der blinde Surfer an der Münchner Eisbachwelle.

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Ben, der blinde Surfer an der Münchner Eisbachwelle.

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