Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Belastete Fische aus der Alz im Raum Altötting | BR24

© BR

Im Landkreis Altötting hat die Verunreinigung mit Chemikalien einen neuen Höhepunkt erreicht. Fische in der Alz, nahe dem Chemiepark Gendorf, sind so stark belastet, dass vor dem Verzehr gewarnt wird.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Belastete Fische aus der Alz im Raum Altötting

Im Landkreis Altötting hat die Verunreinigung mit Chemikalien einen neuen Höhepunkt erreicht. Fische in der Alz, nahe dem Chemiepark Gendorf, sind so stark belastet, dass vor dem Verzehr gewarnt wird. Jetzt ist die Verunsicherung groß.

Per Mail sharen
Teilen

Das Landratsamt Altötting hat beim Umgang mit möglicherweise krebserregenden Stoffen wie PFOA Ende Mai eine Kehrtwende gemacht. Bis dahin hatte die Behörde betont, es gebe keinen Grund, vom Verzehr belasteter Fische abzuraten. Nun aber tut sie genau das. Der Verzehr widerspreche dem sogenannten Minimierungsgebot nach Europäischem Recht, schreibt die Behörde: Demnach sind unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln möglichst niedrig zu halten.

„Vom häufigen Verzehr von Fischen aus der Alz wird vorsorglich abgeraten“, schrieb das Landratsamt Altötting vor etwa einer Woche.

Dabei war schon seit mindestens zwei Jahren bekannt, dass die Tiere nahe dem Chemiepark bei Burgkirchen stark mit Rückständen belastet sind. Warum erst jetzt die Warnung?

Fischzüchtern bleiben die Kunden weg

Neue Fischanalysen hätten neue Erkenntnisse gebracht, heißt es sinngemäß zur Begründung. Negative gesundheitliche Wirkungen könnten deshalb derzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Folgen: Verunsicherung bei Hobbyfischern. Fischzüchtern bleiben die Kunden weg, auch wenn sie beteuern, dass die Tiere gar nicht in der Alz, sondern in sauberem Quellwasser aufwachsen.

SPD-Verbraucherexperte von Brunn fordert mehr Richtwerte für Lebensmittelbelastung

Viele Menschen in der Region beklagen zudem, sie würden immer nur häppchenweise informiert. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn fordert mehr Richtwerte für die Belastung von Lebensmitteln, ähnlich wie es sie jetzt schon in Baden-Württemberg gebe. Verglichen damit waren einige Fische in der Alz übrigens 15-mal stärker belastet. Interviewanfragen des Bayerischen Rundfunks lehnten die zuständigen Behörden, Landratsamt und Landesamt für Gesundheit sowie das Umweltministerium, ab.

💡 Was ist PFOA?

PFOA steht als Abkürzung für "Perfluorooctanoic Acid", übersetzt Perfluoroctansäure. Wegen ihrer thermischen und chemischen Stabilität sowie ihrer Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Verwitterung gehört PFOA zu den langlebigen und schwer abbaubaren Stoffen. PFOA wurde ab Ende der 1960er-Jahre im Industriepark Gendorf, einem Ortsteil von Burgkirchen an der Alz, als Hilfsstoff zur Produktion von Fluorpolymeren verwendet. Das Problem: PFOA ist möglicherweise krebserregend und war über das Abwasser in die Alz gelangt. Zudem gelangte es über die Abluft in die Atmosphäre und wurde als Niederschlag im Boden abgelagert. Die Produktion von PFOA in Gendorf wurde zwischen 2003 und 2004 eingestellt; seit 2008 wird es dort gar nicht mehr verwendet. (Erklärt von Veronika Beer, BR24-Nachrichten)