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Belästigungen im Online-Unterricht - Wie kann das sein? | BR24

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Bildrechte: pa/Wedel/Kirchner-Media

Nachdem es an zwei niederbayerischen Schulen Störungen im Online-Unterricht gab, stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte.

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Belästigungen im Online-Unterricht - Wie kann das sein?

Nachdem es an zwei niederbayerischen Schulen Störungen im Online-Unterricht gab, stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Haben Lehrer keine Zugangsbarriere geschaffen oder Schüler Daten herausgegeben? Das Kultusministerium ist alarmiert.

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Von
  • Anne-Lena Schug
  • BR24 Redaktion

In Abensberg und Mainburg im Kreis Kelheim war es zu Übergriffen auf Lern-Chats im Homeschooling gekommen. Die Polizei ermittelt in diesen Fällen unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, denn einer Grundschülerin waren Nacktbilder auf den PC gespielt worden. Aber wie kann es überhaupt dazu kommen?

Mehr zum Thema Schule in Corona-Zeiten erfahren Sie hier

Nachlässigkeit der Lehrer oder Leck bei den Schülern?

Besonders einfach haben es Störer bei offenen Chats. Dort kann jeder hinein, der einen Zugangslink hat. Lehrkräfte können dies vermeiden, indem sie einen sogenannten digitalen Warteraum einrichten und dann die Schüler in den Chat mit aufnehmen. In diesem Fall sind die Lehrer dann sozusagen "Türsteher" und entscheiden, wer in den Chat darf und wer nicht.

Wobei es in so einem Fall trotzdem dazu kommen kann, dass jemand unerlaubt in einen Chat gelangt. Wenn etwa ein Schüler die Zugangsdaten und einen Namen eines Schülers, der tatsächlich in der Klasse sein könnte, weitergibt. Denn die Lehrkräfte sehen bei der digitalen "Anwesenheitskontrolle" nur die Namen. Und nicht, ob auch wirklich dieser Schüler vor dem Laptop sitzt. Denn die Schüler müssen die Kameras beim Video-Unterricht nicht anschalten.

Problem im Medienkompetenzzentrum bekannt

Im SIBS Medienkompetenzzentrum Stamsried im Kreis Cham sind solche Fälle bekannt. Birgit Zwicknagel erklärt das im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk so:

"Uns ist bekannt, dass viele Schüler diese Links oder Zugangsdaten zu den virtuellen Klassenräumen freiwillig herausgeben. Teilweise über bekannte soziale Medien. Direkt mit dem Hinweis 'Stört doch mal um 9.30 Uhr unseren Unterricht'. Die Kinder denken sich dabei nichts." SIBS Medienkompetenzzentrum Stamsried

Es sei wichtig, dass man ihnen klar mache, dass das kein Kavaliersdelikt sei. Denn die Eltern haben dafür unterschrieben, dass die Zugangsdaten nicht weitergegeben werden, so Zwicknagel. "Das heißt, die Eltern haften für ihre Kinder und ich glaube, das ist den Kindern nicht klar." Hier sollten Eltern das Gespräch suchen, dass Kinder sensibilisierter sind, rät die Expertin.

Ministerium gibt keine Empfehlungen zu Plattformen ab

Ein Sprecher des Kultursministeriums sagt, dass noch unklar sei, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Das Ministerium stellt den Schulen die Plattformen Mebis und MS Teams für weiterführende Schulen zur Verfügung. Es gibt aber keine Empfehlungen zu Plattformen ab. Die Wahl, welche Plattform genutzt wird, steht den Schulen in Absprache mit der jeweiligen Gemeinde oder Kommune frei. Da jede Schule andere Bedürfnisse habe. Die Plattform soll aber passwortgeschützt sein.

Für die Lehrerinnen und Lehrer bietet das Ministerium regelmäßig digitale Fortbildungen an. Diese würden laut Ministeriumssprecher auch stark genutzt. Außerdem stehen den Schulen und Lehrkräften mehrere sogenannte Berater für Digitale Bildung als Ansprechpartner zur Verfügung. Zudem habe jede Schule hat auch einen Datenschutzbeauftragten, der beim Thema Online-Unterricht weiterhelfen könne.

Übergriffe auf Lern-Chats in Niederbayern

Offiziell sind bisher zwei Fälle in Niederbayern bekannt - beide im Landkreis Kelheim. In Mainburg wurde eine achtjährige Schülerin während des Online-Unterrichts belästigt. Jemand hatte sich in das Chat-Programm eingewählt und ihr Bilder eines nackten Mannes geschickt. In Abensberg wurde laut Polizei der Online-Unterricht in diesen Fällen über sogenannte Open Source Plattform abgehalten. Die Lehrerinnen und Lehrer verschicken dabei einen Link und jeder der den Link hat, kann sich in den Unterricht einwählen. Ob ein sogenannter digitaler Warteraum eingerichtet war, ist unklar.

Die Schulen in Mainburg und Abensberg haben inzwischen reagiert. An der Schule in Abensberg sei, laut Schule, die Plattform mit einer Zugangsbeschränkung ausgestattet worden und in Mainburg hat die Grundschule nach dem Vorfall Sicherheitsupdates installiert, wie die Polizei mitteilt.

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