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Playmobil-Luther auf Schallplatte

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    Bela B, Kettensägen-Kunst und ein scratchender Luther

    Heute Abend eröffnet zum 19. Mal der Kulturpalast im Zirndorfer Ortsteil Anwanden mit Kunst, Kultur und Musik. Bis zum Sonntag steht das Festival unter dem Motto "Maschinen. Objekte. Obsessionen." Von Judith Dauwalter

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    Beim Kulturpalast gibt es unter anderem Konzerte, Kabarett, Fotografie und Objektkunst. Schauplatz ist das ehemalige Landgut Wolfgangshof mit drei großen Hallen in Klinker- und Fachwerk-Architektur, dazwischen ausreichend Fläche zum Flanieren und Essen.

    "Dieser Ort hat etwas Magisches. Wenn ich hierher komme, fühle ich mich entspannt."Klaus Radlmaier, Festivalleiter

    Und was nach Klaus Radlmaiers Worten als „Nachbarschaftshilfe, also Kultur vor der Haustür“ begonnen hat, zieht heute große Namen an: Ärzte-Schlagzeuger Bela B zum Beispiel präsentiert mit der Schwabacher Band Smokestack Lightnin' das neue gemeinsame Projekt. Kabarettfans dürfen sich auf die erste Bühnenbegegnung von Monika Gruber, Andreas Rebers und Musikern des Bayerischen Staatsorchesters freuen.

    Musik mit Maschinen

    Passend zum Motto "Maschinen. Objekte. Obsessionen."eröffnet das Festival der junge Ansbacher Beatboxer Ibeat mit Klängen, die sich nach einem Drumcomputer anhören. Er erzeugt sie aber nur mit seinen Lippen, Stimmbändern und Nasenflügeln. Echte Maschinen bringt Peter Hammer im Anschluss zum Klingen: Zum Beispiel ein Waschbrett, über das nach Knopfdruck vier Teelöffel streichen. Oder ein Spinnrad, an dem Glöckchen befestigt sind und das ebenfalls elektrisch betrieben wird. Zusammengenommen ergeben die Klänge ein melodisches Konzert.

    Fast schon obsessive Künstler

    Fast 50 bildende Künstler, vor allem aus der Region, haben sich ebenfalls vom diesjährigen Motto inspirieren lassen. Darunter auch Georg Dinkel aus Zirndorf.

    "Heuer liegen überall viele Kabel rum und Knöpfla, auf die man draufdrücken kann. Es gibt also a weng a Gwerch! Da werden die Leute ganz anders eingebunden." Georg Dinkel, Künstler aus Zirndorf

    Dinkel zeigt "Das jüngste Gericht" mit detailverliebten Fimo-Figuren, die in Schaukästen gebannt sind. Aber sichtbar wird das erst nach Münzeinwurf. "Dinkel muss da mit einer Engelsgeduld kneten, die an Obsession grenzt", beschreibt Festivalleiter Radlmaier die Arbeit des Künstlers.

    Kettensägen und Alterungsprozesse

    Der Schwabacher Figurkünstler Clemens Heinl lädt zu einem Kettensägen-Workshop – er zeigt, wie er mit der Maschine und Baumstämmen Kunst schafft. Indem Thomas Bischof verschieden belichtete Fotos übereinander legt und sie bearbeitet, macht er in seinen Bildern Alterungserscheinungen sichtbar. Zum Beispiel von einer Dampfmaschine oder dem Chor der Nürnberger Lorenzkirche.

    Luther auf der Schallplatte

    Und Ingenieur Klaus Weinbrenner hat elektronische Objekte aus seiner Kindheit installiert. So bilden unter anderem alte Rasierer, ein Telefon und ein Handrührgerät auf Knopfdruck ein rhythmisches Orchester. Der Clou: Auf Weinbrenners erstem Plattenspieler, der auch zum Ensemble gehört, dreht sich ein Playmobil-Luther, der den Part des scratchenden DJ übernimmt. Weinbrenner kommt aus Anwanden und außer Künstler ist er auch einer von 80 freiwilligen Helfern, ohne die das Festival nicht stattfinden könnte. Warum er von Anfang an dabei ist?

    "Es ist jedes Jahr eine Überraschung, wie vielfältig die Auswahl der Künstler ist. Außerdem bin ich gern am Wolfgangshof: Der hat ein wunderbares Ambiente." Klaus Weinbrenner, Ingenieur und Künstler aus Anwanden