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In sogenannten "Beinhäusern" hat man im Mittelalter Gebeine und Schädel sorgfältig gestapelt und aufbewahrt. Im oberfränkischen Forchheim haben Archäologen unter einer Kirche so ein Beinhaus entdeckt.

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Beinhäuser: Im Mittelalter wurden dort Menschenknochen gestapelt

In sogenannten "Beinhäusern" hat man seit dem Mittelalter jahrhundertelang Gebeine und Schädel sorgfältig gestapelt und aufbewahrt. In Forchheim haben Archäologen unter einer Kirche so ein Beinhaus entdeckt.

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Von
  • Carlo Schindhelm

Der Archäologe Christian Peschke steigt eine Leiter hinunter und betritt ein freigelegtes Kellergewölbe. Neben Schutt liegen dort Teile von Schädelknochen, Beinknochen und Unterkiefern. Die Menschenknochen liegen verstreut, wie achtlos liegen gelassen. Christian Peschke gräbt weiter, entfernt vorsichtig mit einer Kelle eine Erdschicht nach der anderen und stößt auf weitere menschliche Knochen. Diesmal sortiert und übereinandergeschichtet. Ein sicherer Beweis, dass das Gewölbe unter der Sakristei einmal als Beinhaus genutzt wurde.

Beinhäuser als Aufbewahrungsstätte für menschliche Überreste

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit lagen die Friedhöfe meist in der Stadt, und es herrschte Platznot. Wenn ein Grab dann neu belegt wurde, stießen die Totengräber auf Knochen. Zur Lagerung der menschlichen Überreste dienten die Beinhäuser. Das Beinhaus unter der Spitalkirche in Forchheim wurde am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben, schätzen die Archäologen. Sie haben es bis auf wenige Reste ausgeräumt vorgefunden.

Auch heute stoßen Totengräber auf Knochen

Die Beinhäuser wurden aufgegeben, als die Friedhöfe an den Stadtrand zogen und sich mehr Platz bot. Allerdings stoßen Totengräber auch heute noch auf Knochen. Die einzelnen Knochenfunde werden dann nur versetzt und in der Erde belassen, sagt Nicole Schmittlutz vom Friedhofsamt in Forchheim. Anders ist es, wenn eine Gruft aufgelöst wird und sie wieder belegt wird. Da ist in den unterirdischen Räumen selbst nach einer Laufzeit von 60 Jahren noch viel erhalten. Die Skelette werden dann auf einem Gräberfeld innerhalb des Forchheimer Friedhofes anonym in der Erde beigesetzt.

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