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Bei Fahrradschnellwegen kann Bayern von Dänemark lernen | BR24

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Bayern plant seit Jahren so genannte Fahrradschnellwege in den Großräumen München und Nürnberg. Bisher sind sie jedoch über Machbarkeitsstudien kaum hinausgekommen. Von Dänemark könnte der Freistaat lernen, wie es schneller geht.

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Bei Fahrradschnellwegen kann Bayern von Dänemark lernen

Bayern plant seit Jahren so genannte Fahrradschnellwege in den Großräumen München und Nürnberg. Bisher sind sie jedoch über Machbarkeitsstudien kaum hinausgekommen. Von Dänemark könnte der Freistaat lernen, wie es schneller geht.

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In den Großräumen München und Nürnberg laufen seit einiger Zeit Planungen für Radschnellwege. Doch das dauert. Und gebaut ist noch kaum etwas. Bisher sind sie über Machbarkeitsstudien meist nicht hinausgekommen. Vom Rad-Eldorado Dänemark könnte der Freistaat lernen, wie es schneller geht.

Radschnellweg in Dänemark soll Autofahrer zum Umsatteln bewegen

Ein Radschnellweg soll Pendler auch über längere Entfernungen zum Umsteigen aufs Rad verführen – breit, direkt und möglichst stets mit Vorfahrt oder kreuzungsfrei. Während Bayern noch an den Radschnellwegen plant, hat Dänemark sie schon gebaut. Rund um die Hauptstadt Kopenhagen existieren bereits rund 170 Kilometer der so genannten Supercykelstier. Typischerweise entlang von Autobahnen – rechts und links, jeweils ohne Gegenverkehr – nicht idyllisch, aber sehr schnell.

"Es geht darum, das Radeln für die Menschen immer komfortabler zu machen. Wenn der Weg von zuhause in die Arbeit mit dem Rad einfach und bequem ist, steigen die Menschen auch um." James Thoem, Stadtplanungsagentur Copenhagenize

Radschnellwege bringen bis zu 60 Prozent mehr Radler

Wo ein Radschnellweg gebaut wird, fahren hinterher überall mehr Radler. Bis zu 60 Prozent mehr haben sie in der Region Kopenhagen gezählt. Durchschnittlich fahren die Radschnellweg-Pendler dort 15 Kilometer zur Arbeit.

Auch Bayern plant schon seit Jahren an Radschnellwegen in den Großräumen Nürnberg und München. Machbarkeitsstudien gibt es zwar, zwei Verbindungen in Franken und eine von München nach Garching werden konkret verfolgt. Aber: "Man würde sich wünschen, dass es schneller vorangeht", seufzt Matthias Dießl, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) und CSU-Landrat von Fürth.

Sand ins Getriebe streuen langwierige Grundstücksverhandlungen, aber auch die schwierige Abstimmung unter den beteiligten Kommunen. Hier kann Bayern von Dänemark lernen, findet Dießl: In der Region Kopenhagen geht es nur so schnell voran, weil ein Büro für die Supercykelstier die Zügel in der Hand hält und die 26 beteiligten Kommunen auf einen Nenner bringt.

Kommunen fordern ein Radschnellwege-Büro für Bayern

Dießl fordert im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk so ein neues Radschnellwege-Büro auch für Bayern:

"Ich glaube, es braucht einfach nochmal jemanden, der koordinierend dabei ist. Das könnte der ganzen Sache Beschleunigung geben und auch eine einheitliche Kommunikation.“ Matthias Dießl, Vorsitzender AGFK

So ein Radschnellwegebüro könnte beispielsweise bei der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen angesiedelt sein, das Geld soll nach Hoffnung der AGFK vom Freistaat kommen.

Für die 170 Kilometer Supercykelstier hat die Region Kopenhagen übrigens keinen Tunnel und keine einzige Fahrradbrücke neu gebaut. Würden wir gern, aber das ist zu teuer, sagt Diana Bern Skyum vom Sekretariatet for Supercykelstier. Meistens sind die dänischen Radschnellwege gar keine Neubauten, sondern basieren auf existierenden Radwegen, die verbreitert und besser verbunden werden.

"Es gibt in Dänemark schon viel Radinfrastruktur. Die verbessern wir zu Fahrradschnellwegen und verbinden sie zu einem Netzwerk über verschiedene Gemeinden hinweg." Diana Bern Skyum, Sekretariatet for Supercykelstier

Dänischer Pragmatismus statt deutscher Perfektionismus

Um einen Radschnellweg auszuweisen, reicht es den Dänen, wenn der angestrebte Standard zu 80 Prozent erreicht wird – Verbesserungen seien danach ja immer noch möglich. In Deutschland dagegen herrscht Perfektionismus. Wer für eine Radschnellverbindung Fördergeld vom Bund will, muss den Radweg durchgehend drei Meter breit bauen – oder vier Meter breit, wenn es Gegenverkehr gibt.

Der Fahrradclub ADFC Bayern könnte sich auch in Bayern mehr dänischen Pragmatismus vorstellen:

"Man kann auch einfach einmal mal anfangen. Und da, wo zum Beispiel die Breite nicht ganz reicht, etwas runtergehen von dem Standard. Dafür hat man dann aber auch einen Radweg, auf dem man zügig von A nach B kommt." Bernadette Felsch, ADFC Bayern

In der Region Kopenhagen wollen sie bis übernächstes Jahr schon 250 Kilometer Radschnellwege beisammenhaben. Bayern ist von solchen Zahlen noch weit entfernt.

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Bayern plant seit Jahren Radschnellwege in den Großräumen München und Nürnberg. Mehr als Machbarkeitsstudien ist noch nicht dabei herausgekommen. Von Dänemark könnte der Freistaat viel lernen.