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Amberger Prügeltour: Mehr Opfer als bislang bekannt | BR24

© pa/dpa

Der Bahnhof von Amberg: Hier nahm die Prügeltour der jungen Asylbewerber im Dezember ihren Anfang.

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Amberger Prügeltour: Mehr Opfer als bislang bekannt

Drei Monate nach der Prügeltour von Asylbewerbern in Amberg haben die Ermittler neue Details zur Tat bekanntgegeben. Bei den wahllosen Angriffen der vier jungen Asylbewerber auf Passanten gab es demnach 15 Verletzte - drei mehr als bisher bekannt.

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Bei der Prügeltour von vier Asylbewerbern in Amberg im Dezember 2018 sind nach neusten Erkenntnissen 15 Menschen verletzt worden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft zum Abschluss der Ermittlungen bekannt. Bisher war man von zwölf verletzten Personen ausgegangen.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen drei Männer aus Afghanistan und einen Iraner. Sie sind zwischen 17 und 19 Jahre alt. Ihnen werden neben einfacher und gefährlicher Körperverletzung auch Beleidigung, Sachbeschädigung, Nötigung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.

Täter standen unter Alkohol und Drogen

Gegen einen weiteren aus Afghanistan stammenden, 18-jährigen Mann wird wegen Beleidigung ermittelt. Er war an den tätlichen Übergriffen aber nicht beteiligt. Die jungen Männer standen zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen, so die Polizei. Unter anderem wurde bei der Festnahme eine geringe Menge Cannabis sichergestellt.

Tat war laut Polizei nicht geplant

Die Polizei geht daher davon aus, dass die Tat nicht geplant war, zumal sich Opfer und Täter vorher nicht kannten. Staatsanwalt Oliver Wagner bezeichnete die Tat als jugendtypisches Verhalten: "Solche Taten sind selten, aber strukturell nicht ungewöhnlich. Sie sind eher daraus geschuldet, dass hier junge, männliche, alkoholisierte Täter in einem gruppendynamischen Geschehen zusammenkommen." Ein konkretes Motiv gebe es nicht. Man müsse vielmehr von Übermut gepaart mit Langeweile, Alkohol und Drogen ausgehen.

Fast 100 Zeugen wurden befragt

Dass sich die Prügeltour über drei Stunden ununterbrochen hingezogen hat, stimmt so nicht, stellt Gerhard Huf, Leiter der Kriminalpolizei Amberg, klar. Vielmehr erfolgte die Tat am 29. Dezember 2018 in mehreren Etappen, wie letztlich die Befragung von nahezu 100 Zeugen ergab.

Ausgangspunkt war der Bahnhof, wo sich die jungen Männer regelmäßig trafen. An dem Bahnsteig und in der Bahnhofshalle erfolgten die ersten unvermittelten Beleidigungen und Angriffe auf einen 13-jährigen Schüler.

Danach hielt sich die Gruppe am Stadtgraben auf, wo sie allerdings keine Straftaten begangen haben sollen. Nach einer eineinhalbstündigen Pause griffen die Tatverdächtigen dann eine Jugendgruppe vor einem Schnellrestaurant an. Danach zogen die jungen Männer weiter Richtung Bahnhofsstraße, wo weitere Angriffe auf Personen folgten.

Auch zur Hilfe eilende Passanten wurden zu Opfern der Gruppe. Im Schanzengässchen wurden die vier Männer letztlich festgenommen. Dabei beleidigten und griffen sie die Polizisten an.

Es geht um 25 Einzelstraftaten

Insgesamt werden der Gruppe 25 Einzelstraftaten vorgeworfen, bei denen 15 Menschen verletzt wurden, darunter vier Polizisten. Die Verletzungen reichen von Prellungen, Hämatomen über eine Gehirnerschütterung bis hin zu psychischen Folgeschäden.

Keine Abschiebung

Die Staatsanwaltschaft Amberg hat daher Anklage gegen die vier jungen Männer erhoben, vor allem wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung. Die Asylanträge der vier Angeschuldigten sind abgelehnt worden, bei mindestens einem liegt ein Abschiebebescheid vor. "Eine Zustimmung für eine Abschiebung werden wir allerdings nicht erteilen", sagt Joachim Diesch, leitender Oberstaatsanwalt. Dies würde einem geordneten Gerichtsverfahren entgegenstehen.

Bei einer Verurteilung könnte den vier Asylbewerbern eine Freiheitsstrafe von fünf bis zehn Jahren drohen, je nachdem, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt wird.

© BR

Drei Monate nach den wahllosen Angriffen von vier jungen Flüchtlingen auf Passanten in Amberg hat die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen.