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Audi Konzernzentrale in Ingolstadt

Bürgermeister Albert Wittmann ist einer der wenigen, der sich mit einer konkreten Zahl vor das Mikrofon wagt. Dabei ist der Abbau der Audi-Stammbelegschaft das Thema in Ingolstadt.

"Wir gehen von 5.000 Arbeitsplätzen aus, die wir in den nächsten Jahren weniger haben werden, abgebaut durch Fluktuation. Es gibt keine Entlassungen." Bürgermeister Albert Wittmann

Vor allem in der Produktion und auch in der Verwaltung sollen viele weniger anspruchsvolle Jobs wegfallen. Solche Stellen würden schlicht nicht mehr nach besetzt, versichern Insider. Gekündigt werde keinem Audianer, schließlich gilt die Jobgarantie bis 2025.

Audi wird schlanker und fit für Digitalisierung und E-Mobilität

Bis dahin will Audi längst fit sein für die Digitalisierung und die E-Mobilität. Wie genau diese Transformation der Mannschaft erfolgen soll, darüber verhandelt derzeit das Management mit dem Betriebsrat. Der will den Stellenabbau möglichst klein halten und setzt verstärkt auf Qualifizierung.

Audi-Umbau geht einher mit Qualifikationsangeboten

Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Audi-interne Jobagentur und noch ein dickes Weiterbildungs-Budget. Schon jetzt hat Audi zugesagt, bis 2025 eine halbe Milliarde Euro in die Qualifizierung zu stecken.  Der Betriebsrat fordert noch mehr. Zum Ausmaß des Stellenabbaus wollen sich beide Seiten aber derzeit nicht öffentlich äußern.

Wenn Audi weniger Menschen einstellt, hoffen andere Betriebe auf Fachkräfte

Laut Gedanken machen sich dagegen Politik und Wirtschaft. IHK-Geschäftsführerin Elke Christian betrachtet den Wandel bei Audi als Chance. Sie verweist zum Beispiel auf den Fachkräftemangel in der Region. Der Chef der Ingolstädter Arbeitsagentur Johannes Kolb betont, dass sich neben Audi auch die kleinen Unternehmen fit machen müssen für die Digitalisierung. Ihnen bietet er die Hilfe der Agentur an.

Ingolstadts Stadtspitze setzt weiter auf Investitionen

An der Stadtspitze macht sich Oberbürgermeister Christian Lösel Gedanken, wie sich die anstehenden Entwicklungen beim größten Gewerbesteuerzahler Ingolstadts auf die Stadtkasse auswirken werden. Noch ist hier vieles Spekulation. Für alle Fälle will der Rathauschef auch in den nächsten Jahren schuldenfreie Haushalte und trotzdem investieren:

"Wir fahren auf Sicht. Wir können nicht keine Straßen bauen, keine Kitas bauen, keine Straßen bauen, nur weil die Wirtschaft einen kleinen Einbruch hat." Christian Lösel, Oberbürgermeister

Und der krisenerprobte Finanz-Bürgermeister Albert Wittmann bewahrt gerade mit Blick auf die Vergangenheit Gelassenheit für die Zukunft.

"1990 waren es bei Audi 23.000 Arbeitnehmer, dann kam die Krise. Die Tendenz ist fallend, aber heute haben wir 45.000 Beschäftigte. Wir werden nicht Detroit. Auf keinen Fall." Albert Wittmann, Finanz-Bürgermeister

Worauf sich die Audianer im Zuge der Digitalisierung einstellen müssen, das wird Thema sein auf der kommenden Betriebsversammlung Ende des Monats.