BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Kiesel: Dramatische Situation in Behinderten-Einrichtungen | BR24

© Bayerische Staatsregierung

Behindertenbauftragter Holger Kiesel

1
Per Mail sharen
Teilen

    Kiesel: Dramatische Situation in Behinderten-Einrichtungen

    Die Betreuung von Menschen mit Behinderung hat sich in der Corona-Krise zusätzlich verschärft. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Holger Kiesel, schlägt vor, Menschen, die im Moment nicht arbeiten können oder dürfen, heranzuziehen.

    1
    Per Mail sharen
    Teilen

    Auch die Betreuung von Menschen mit Behinderung stößt durch die Corona-Krise an ihre Grenzen. Viele Werkstätten sind geschlossen, aber besonders in Wohngruppen fehlt Personal. Holger Kiesel, Behindertenbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung schlägt u.a. vor, Menschen, die derzeit nicht arbeiten können, unbürokratisch im sozialen Bereich aushelfen zu lassen.

    Wie ist die Situation in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung?

    Holger Kiesel: "Probleme haben im Moment ganz viele Einrichtungen. Ich möchte sagen: fast alle! In einigen ist die Personalsituation dramatisch. Wir müssen damit rechnen, dass sich die Krise weiter verschärft, und ein Problem, das tatsächliche alle haben, ist der eklatante Mangel an Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln."

    Gibt's denn da schon ein Signal, dass bald vielleicht was kommt?

    Holger Kiesel: "Die Verteilung hat in den letzten Tagen begonnen. Es geht vorwärts, aber es geht langsam vorwärts. Was auch damit zu tun hat, dass in diesem Verteilungsprozess die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung lange ein bisschen hinten runtergefallen sind, weil man vor allen Dingen an die Krankenhäuser und an die Ärzte gedacht hat. Erst in den letzten Tagen wird so richtig bewusst, dass wir hier eine Gruppe haben, die überwiegend zu den Risiko-Patienten gehört, auf die man ein besonderes Augenmerk richten muss."

    Wie sollen die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung denn jetzt reagieren?

    Holger Kiesel: "Der erste Schritt ist, dass man versucht, Mitarbeiter aus Teilen, die im Moment geschlossen sind, also zum Beispiel aus Werkstätten, in die Wohnbereiche rüberzubringen, um dort die ersten Lücken zu schließen. Aber darüber hinaus muss man sich natürlich weitere Modelle überlegen. Eine Idee wäre beispielsweise, aus den Einrichtungen anderer Träger Leute rüberzuholen, was aber natürlich im einen oder anderen Fall auch rechtliche Probleme gibt, weil oft nicht genau geklärt ist, wie das arbeitnehmerrechtlich funktionieren kann. Eine andere Idee wäre möglicherweise, aus anderen Berufsgruppen, die im Moment nicht arbeiten können oder dürfen, Leute in den sozialen Bereich reinzuholen, damit sie dort wenigstens übergangsweise aushelfen können."

    Birgt das nicht die Gefahr, dass dabei viel Zeit für die Einarbeitung draufgeht?

    Holger Kiesel: "Ja, das ist richtig, da steckt eine gewisse Gefahr drin. Aber ich glaube, wir stecken einfach in einer Ausnahmesituation und da müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um den Menschen mit Behinderung weiterhelfen zu können."

    Was sind die Hürden, um solch einen Arbeitskräfte-Tausch zwischen verschiedenen Trägern umsetzen zu können?

    Holger Kiesel: "Ich glaube, die sind vor allen Dingen rechtlicher Natur. Da gibt es arbeitnehmerrechtliche Hindernisse, Arbeitnehmer einfach von einem Träger zum anderen weiterzugeben. Wobei ich glaube, dass diese Hürden mit ein bisschen gutem Willen auf allen Seiten und vielleicht mit ein bisschen nachsteuern von Seiten der Politik möglich sind. Wir haben ja in den letzten Tagen gesehen, dass es durchaus möglich ist, Gesetze auch sehr schnell zu erlassen."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!