BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/Nicole Stecho

Atemnot und Angstzustände, Konzentrations- und Schlafstörungen. Die Folgen einer Covid-19-Erkrankung sind vielfältig. Nun soll ein bayernweit einmaliges Nachsorgezentrum helfen.

32
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Kampf mit den Corona-Folgen: Wie eine Klinik den Menschen hilft

Atemnot und Angstzustände, Konzentrations- und Schlafstörungen: Die Folgen einer Covid-19-Erkrankung sind vielfältig. Nun soll ein bayernweit einmaliges Nachsorgezentrum helfen. Der Ansatz dort: Psychosomatik, die Behandlung von Körper und Geist.

32
Per Mail sharen
Von
  • Sebastian Grosser

Michael Wurm liegt auf einer Matte in der Lungenfachklinik Donaustauf (Lkr. Regensburg) und versucht seinen Körper nach oben zu stemmen. Seine Arme zittern, er schnauft schwer. Nach dem dritten Liegestütz kann der 37-Jährige nicht mehr. "Früher war ich sportlich. Durch die Erkrankung hat alles nachgelassen", sagt der Mann aus dem Landkreis Weiden. "Es ist eine riesengroße Belastung für Körper und Geist. Es zieht Depressionen nach sich."

Post-Covid-Syndrom: Krankheit nach der Krankheit

Michael Wurm leidet an dem Post-Covid-Syndrom, sprich an den körperlichen und psychischen Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Nun lässt er sich an der Lungenfachklinik in Donaustauf behandeln. Seit 1. März können sich hier Post-Covid-Patienten in einem neu gegründeten Nachsorgezentrum behandeln lassen. "Wir haben viele Patienten, die zwischen 30 und 55 Jahre alt sind und die doch einen sehr langen Verlauf haben", erklärt Daniel Schmalenberger, Leiter des Nachsorgezentrums. "Viele sind über Monate arbeitsunfähig, können also gerade körperliche, anstrengende Arbeiten nicht ausüben und leiden natürlich auch psychisch darunter." Allein für den Raum Regensburg schätzt die Klinik die Zahl der Betroffenen auf etwa 10.000 Personen.

© BR/ Nicole Stecho
Bildrechte: BR/ Nicole Stecho

Thomas Loew, Professor für Psychosomatik an der Universität Regensburg, führt ein Behandlungsgespräch mit dem Patienten

Raum Regensburg: Über 10.000 Betroffene

Die Klinik setzt auf Psychosomatik, das heißt auf die Behandlung von Körper und Geist. Zuerst wird dazu ein Lungentest durchgeführt, um zu schauen, wie sehr die Atemorgane in Mitleidenschaft gezogen wurden. "Das ist wirklich tagesabhängig mit der Luft. Das kommt und geht", so die Eigendiagnose von Michael Wurm. "Jetzt kriegt man gut Luft. Und die nächsten fünf Minuten denkt man: Ich krieg keine Luft." Für den Mediziner Schmalenberger sind die Schwankungen typisch für die Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Zur Sicherheit empfiehlt der Arzt seinem Patienten einen stationären Aufenthalt in der Klinik.

Psychische Folgen

Die Behandlung der körperlichen Symptome ist aber nur ein Baustein. Der Kampf gegen das Post-Covid-Syndrom ist aber auch eine Kopfsache. Michael Wurm muss dazu den nächsten Test über sich ergehen lassen. Thomas Loew, Professor für Psychosomatik an der Universität Regensburg, die bei dem Nachsorgezentrum mit der Fachklinik in Donaustauf kooperiert, schließt den Mann an ein EKG an. Durch Fragen über seinen Gesundheits- und Gemütszustand will der Mediziner ermitteln, wie sehr die Erkrankung den Patienten belastet.

"Man hat nachts wirklich Angst beim Einschlafen; dass man wieder keine Luft kriegt. Oder dass die Atmung aufhört." Michael Wurm, Post-Covid-Patient.
© BR/Nicole Stecho
Bildrechte: BR/Nicole Stecho

Der am Post-Covid Syndrom leidende Michael Wurm beim Lungen-Belastungstest

Angstzustände sind für den Experten ein klassisches Post-Covid-Symptom. "Gerade eine schwere Erkrankung wie Covid-19 ist natürlich eine Belastung auch für die Psyche", sagt Loew. Bei schweren Verläufen samt Aufenthalt in der Intensivstation droht gar eine Posttraumatische Belastungsstörung. Mehr ist auf Grund der kurzen Zeit, seit die Krankheit besteht, nicht bekannt. "Aus anderen Erkrankungen wissen wir, dass es Sinn macht, sich bei Stress oder Ängsten es hilft, sich selbst zu regulieren."

"Man will wieder ein normales Leben"

Für den Mediziner Loew bringt Patient Michael Wurm gute Voraussetzungen mit, den Kampf gegen das Post-Covid-Symptom auch im Kopf zu gewinnen. Darauf hofft der 37-Jährige. Wegen seiner Schlafstörungen verbringt er noch viel Zeit zu Hause. "Schön langsam kommen die vier Wände auch nicht mehr sehen. Man will eigentlich schon wieder in die Arbeit rein. Und ein normales Leben wiederhaben."

© BR
Bildrechte: BR

Atemnot und Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen - das können Langfristfolgen einer Covid-19-Erkrankung sein.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!