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Begrenzte Haltbarkeit: Gastronomie startet Getränke-Abverkauf | BR24

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Kundin steht am improvisierten To go-Verkaufstresen des "Salon Regina"

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Begrenzte Haltbarkeit: Gastronomie startet Getränke-Abverkauf

Szenecafés, Gaststätten, Getränkehändler – alle sitzen mit ihren Getränken auf finanziellen Zeitbomben: Bier, Saft und Limo sind bezahlt, laufen aber irgendwann ab. Wohin damit, wenn das Haltbarkeitsdatum bald endet?

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Von
  • Birgitt Rosshirt

An der Schaufensterscheibe des "Salon Regina" in Nürnberg hängt ein Schild: "Euer Trinken hilft uns …" Das Szenecafé im Stadtteil Gostenhof hat Anfang der Woche rund ein Dutzend Getränkekästen, gefüllt mit Flaschen, zum To go–Verkauf bereitgestellt. Bei Bier und Limonaden läuft das Mindesthaltbarkeitsdatum demnächst ab. Nun wird die Ware wenigstens zum Selbstkostenpreis an treue Stammkunden verkauft.

Getränkegroßhandel wirbt mit Rabatten

Eine ganz andere Dimension hat das Problem für Stefan Schlosser vom Getränkegroßhandel "Fruchtecke". Er schätzt, dass derzeit 40 Paletten Getränke dringend raus müssen. Nur wohin? Das Familienunternehmen macht sonst 95 Prozent seines Umsatzes mit der Gastronomie. Im Lockdown bleiben aber nur die Endverbraucher als Kunden. Diese sollen nun mit Sonderaktionen geworben werden. Derzeit gilt: einen Kasten zahlen, zwei mitnehmen. Und ans Nürnberger Klinikum hat das Unternehmen auch schon Getränke verschenkt, damit die Ware nicht im Abfluss landen muss.

Bierfässer sind Ladenhüter

Auf dem Gelände der nahe gelegenen "Schanzenbräu" lagern mehr als 70 Bierfässer mit einem Verkaufswert von rund 7.000 Euro. Für Stefan Stretz, dem Chef der kleinen Brauerei, eine finanzielle Katastrophe. "Ich musste bereits zwei Mitarbeiter entlassen", bedauert Stretz. Für die Bierfahrer war einfach keine Arbeit mehr da. Obwohl der Flaschenbierkonsum etwas gestiegen ist, nennt er für Januar ein Umsatzminus von 30 Prozent im Vergleich zum Januar 2020.

72 Bierfässer ohne Perspektive

Ein Umfüllen der Fässer in Flaschen ist aus finanziellen und hygienischen Gründen keine Alternative. Also muss Stretz sich überlegen, was er mit seinen 72 Bierfässern anfangen kann. Er steht bereits in Kontakt mit anderen Brauern, die das gleiche Problem haben. Gemeinsam versuchen sie nun, Ideen zu entwickeln. Stretz ist dabei noch halbwegs entspannt. Er braut Bier mit sechs Monaten Mindesthaltbarkeit. "Das ist lang", sagt er. Viele seiner Kollegen hätten nur drei Monate bis zum Ablaufdatum. Die gelagerten Fässer der "Schanze" halten noch bis April/Mai.

Kleinbrauereien hoffen auf Hilfe

Das sind keine Einzelfälle, sagt Stefan Stang von der Dachorganisation "Private Brauereien Bayern e.V.". Industrielles Bier der Großbrauereien ist generell deutlich länger haltbar. Die ungespundeten Biere der Kleinbrauereien aber enthielten noch viele Hefen, die nach einer gewissen Zeit den Biergeschmack verändern könnten. Neben der kürzen Haltbarkeit greifen viele Verbraucher, laut Stang, derzeit auch zu den günstigeren Bieren der Großbrauereien, weil sie weniger Geld in der Tasche haben. Zudem nehme der private Bierkonsum insgesamt ab. Jetzt hoffen die Kleinbrauereien auf mehr Unterstützung durch die Politik. Ansonsten könnten einige von ihnen die Coronakrise nicht überleben.

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Szenecafés, Gaststätten, Getränkehändler - alle sitzen mit ihren Getränken auf finanziellen Zeitbomben: Bier, Saft und Limo sind bezahlt, laufen aber irgendwann ab. Wohin damit, wenn das Haltbarkeitsdatum bald endet?

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