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Bedrohte Flussperlmuschel: Erste Nachzucht im Landkreis Hof | BR24

© picture-alliance/dpa

Bedrohte Flussperlmuschel: Erste Nachzucht im Landkreis Hof

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    Bedrohte Flussperlmuschel: Erste Nachzucht im Landkreis Hof

    Die größte Zuchtstation für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel im Landkreis Hof meldet einen ersten Erfolg. Die ersten 3.000 Jungmuscheln konnten nun geerntet werden. Im Frühsommer werden sie in Bächen ausgesetzt.

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    Im Raum Hof leben die letzten größeren Restbestände der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel. Die größte Zuchtstation Deutschlands in der Huschermühle bei Regnitzlosau im Landkreis Hof meldet nun den ersten Erfolg bei der Nachzucht: Die ersten 3.000 Jungmuscheln konnten geerntet werden.

    Flussperlmuscheln werden im Sommer in Bächen ausgesetzt

    Die winzig kleinen Tierchen sind in den Zuchtbecken der Station von den Kiemen der Bachforellen, ihren Wirtstieren, abgefallen. Das sagte Wolfgang Degelmann vom Bund Naturschutz in Hof dem Bayerischen Rundfunk. Die Jungmuscheln haben derzeit nur eine Größe von 0,1 Millimeter.

    "Die Jungmuscheln leben nun in Lochplatten in einem von Wasser durchfluteten Kanal in der Zuchtstation und werden drei bis sechs Monate lang gefüttert und gehätschelt. Im Frühsommer setzen wir sie dann in Bächen aus." Wolfgang Degelmann, Bund Naturschutz Hof

    Größte Zuchtstation Deutschlands im Landkreis Hof

    Die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz setzt sich zusammen mit anderen Experten, Landwirten und Behörden bereits seit Jahrzehnten für den Erhalt der Flussperlmuschel ein. Mit Zuschüssen von EU und Freistaat Bayern haben die Hofer Naturschützer die Huschermühle nun für 1,7 Millionen Euro zur größten Zuchtstation Deutschlands umgebaut.

    Verantwortung für die bedrohte Tierart

    "Wir haben hier in der Region Hof nationale, wenn nicht sogar internationale Verantwortung für die Flussperlmuschel", erklärte Degelmann. Die Nachzucht in der Zuchtstation ist wohl die letzte Chance für die vom Aussterben bedrohte Tierart.

    Flussperlmuschel hat Probleme mit Sand in den Bächen

    In den 1950er-Jahren hatten sich noch Millionen Flussperlmuscheln in den damals klaren Bächen getummelt. Heute leben nur noch knapp 35.000 bei Regnitzlosau. Das Problem ist der Sand in den Bachbetten. Dort könnten die empfindlichen Muscheln nicht überleben, so Degelmann.

    "Es hat sich schon ein bisschen gebessert, aber noch nicht genug. Deshalb züchten wir die Muscheln nach. So gewinnen wir Zeit, um die Bachbetten in den nächsten zehn bis 15 Jahren zu verbessern." Wolfgang Degelmann, Bund Naturschutz Hof

    Hintergrund: Flussperlmuschel

    Die Flussperlmuschel gehört zu den größten einheimischen Süßwassermuscheln. In Mitteleuropa kann sie bis zu 100 Jahre alt werden. Sie kann nur in sehr klaren, kühlen Gewässern überleben. Im 19. Jahrhundert waren die Bestände wegen der Perlen und des Perlmutts geplündert worden. Außerdem machen der Muschel Gülle und Düngemittel in den Gewässern zu Schaffen. Sie gilt weltweit als vom Aussterben bedroht.