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In der Rundschau analysiert Andreas Bachmann, Redaktionsleiter "Kontrovers", die Ergebnisse der Umfrage.
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In der Rundschau analysiert Andreas Bachmann, Redaktionsleiter "Kontrovers", die Ergebnisse der Umfrage.

Die Christsozialen springen in einer BayernTrend-Umfrage zum ersten Mal seit Mai 2018 wieder über die 40-Prozent-Marke, und die Sozialdemokraten sind zumindest nicht mehr einstellig - ihr Absturz scheint nicht ins Bodenlose weiterzugehen.

Für das CSU-Ergebnis könnten drei Faktoren ursächlich sein: Zum ersten scheint der europapolitische Kurswechsel von Parteichef Markus Söder & Co. erste Früchte zu tragen. Denn immerhin sagen auch 81 Prozent der CSU-Anhänger, sie fühlten sich stark beziehungsweise sehr stark mit Europa verbunden. Da kommt es gut an, wenn die CSU wieder mit einer Stimme über Europa spricht und das auch mit klar pro-europäischem Zungenschlag.

CSU punktet mit "Weber-Faktor"

Zum zweiten leben wir in spürbar unsicheren Zeiten. 75 Prozent der im BayernTrend befragten Menschen sehen der Zukunft Europas mit Unbehagen entgegen. Und in unsicheren Zeiten schart man sich eher um Regierende. Stabilität ist gefragt.

Drittens gibt es den "Weber-Faktor". Mit Manfred Weber stellt die CSU den europaweiten Spitzenkandidaten der Konservativen, mit Aussicht aufs Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Das darf man durchaus als historische Chance bezeichnen, und die zahlt ein auf das Konto der CSU.

BR-BayernTrend

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SPD setzte wohl auf richtige Themen

Bei der SPD scheint sich der bundespolitische Kurswechsel – Stichwort Grundrente oder Abkehr von Hartz IV – auszuzahlen. Auch wenn es bei der Wahl am 26. Mai ja eigentlich um Europa geht: 51 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Europa-Wahlentscheidung eher von der Bundes- als von der Europapolitik beeinflusst sehen. Und so wirkt sich Berlin für die SPD positiv auf diese Umfrage aus.

Grüne können sich durch Umweltschutz gute Chancen ausrechnen

Dass der grüne Höhenflug anhält, liegt sicher auch am Thema Umweltschutz, das auch bei der Europawahl eine wichtige Rolle spielt. Jeder dritte Befragte sieht darin die wichtigste Aufgabe der EU. Das Thema ist den Menschen genauso wichtig wie die Wirtschaftspolitik und sogar noch wichtiger als das Thema Sicherheit. Und so werden die Grünen von diesem Thema auch im EU-Wahlkampf getragen.

Kein Zugewinn für die AfD

Für die AfD wachsen die Bäume in Bayern nicht in den Himmel. Was sich bei den vorigen BayernTrend-Umfragen schon andeutete, setzt sich auch diesmal fort: Die AfD stagniert im Freistaat, selbst wenn es um eines ihrer Leib- und Magen-Themen geht: die Kritik an der EU.

Fokus der Freien Wähler liegt nicht auf Europa

Das maue Abschneiden der Freien Wähler zeigt, dass ihr Markenkern ganz klar in den Kommunen und in der Landespolitik liegt. Die Anhänger der FW haben das mit Abstand geringste Interesse an der Europawahl: nur 47 Prozent. Zum Vergleich: Bei den CSU-Wählern sind es 67 Prozent. Der Fokus der Freien-Wähler-Anhänger liegt schlicht nicht auf der EU.

Europawahl stößt bei der jungen Generation auf wenig Interesse

Apropos Interesse an der Europawahl: Was nachdenklich stimmt ist, dass nur 46 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 39 Jahren stark oder sehr stark an der Wahl interessiert sind. Bei den über 65-Jährigen sind es satte 71 Prozent. Diese Generation weiß, dass ein friedliches Europa keine Selbstverständlichkeit ist und dass es etwas zu verlieren gibt.

Die Jungen dagegen scheinen Europa als selbstverständlich zu nehmen. Ein fataler Irrtum, wie die Abstimmung über den Brexit gezeigt hat. Auch damals sind in England die Jüngeren nicht an die Urnen gegangen, das Ergebnis ist bekannt. Und hinterher war das Gejammer groß.