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Bayerns Wirtshäuser beklagen Personalmangel | BR24

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Viele Wirtshäuser in Bayern klagen über Personalmangel und müssen mehr Tage in der Woche schließen als eigentlich gewollt. Selbst in den Studentenstädten hält sich das Interesse am Kellnern mittlerweile in Grenzen.

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Bayerns Wirtshäuser beklagen Personalmangel

Der Tourismus in Bayern boomt. Doch immer mehr Gaststätten und Lokale klagen über massiven Personalmangel. Koch und Kellner verzweifelt gesucht - das gilt längst nicht mehr nur auf dem Land, sondern zunehmend auch in der Großstadt.

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Kurz nach 12 Uhr an einem normalen Werktag: Das Gasthaus Zwickl am Münchner Viktualienmarkt füllt sich zusehends. Doch in der Küche ist die Chefin Virginie Götz alleine. Der einzige Koch hat seinen freien Tag. "Also stehe ich hier seit 7 Uhr morgens", sagt sie mit einem Schulterzucken.

Ihr Mann Markus Götz ist für den Service zuständig, auch er ist alleine. Seit Monaten suchen die beiden einen Koch und einen Spüler - auf den einschlägigen Plattformen im Internet, bei Kollegen, über das Arbeitsamt. Doch die Erfahrungen sind frustrierend:

"Wir schalten Anzeigen, aber es kommt einfach keiner. Und die kommen, kommen aus dem falschen Grund. Die müssen sich vom Arbeitsamt vorstellen, brauchen aber nur einen Stempel für eine Maßnahme vom Arbeitsamt. Echte Bereitschaft zum Arbeiten ist da Fehlanzeige." Pächter Markus Götz

Mit diesen Problemen sind die Wirtsleute vom Zwickl nicht alleine. Fast jeder Betrieb hat Probleme, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Auf den bekanntesten Online-Plattformen werden allein in München und Umgebung derzeit rund 2.000 Mitarbeiter für Hotels und Gaststätten gesucht. Angesichts der De-facto-Vollbeschäftigung in vielen bayerischen Städten kann sich jeder, der Arbeit sucht, seinen Job aussuchen.

Kein guter Ruf: Arbeit in Gastronomie

Die Arbeit in der Gastronomie hat ganz offensichtlich nicht den besten Ruf: Wochenend-Schichten, Dienst an Feiertagen, Spätschichten. Die Arbeit ist oft anstrengend und hektisch, der Ton in der Küche nicht selten unfreundlich - und das alles bei bescheidener Bezahlung.

Im Service ist die Lage noch etwas besser. Kellnern als klassischer Studentenjob ist zumindest nicht völlig unpopulär. Für Jobs in der Küche dagegen ist es extrem schwierig geworden.

Studium statt Koch

Wenn man sich in der Branche umhört, fallen immer wieder die gleichen Sätze: Heute will jeder studieren, keiner will sich mehr die Hände schmutzig machen. "Da müsste die Gesellschaft wirklich mal umdenken", sagt Virginie Götz vom Gasthaus Zwickl. "Jeder will heute studieren und Karriere machen, das ist echt schade. Die Gastronomie bleibt da auf der Strecke."

Flexiblere Arbeitszeiten erwünscht ...

Beim Verband für das Hotel- und Gaststättengewerbe setzt man auf flexiblere Arbeitszeiten. "Unser Arbeitszeitgesetz stammt aus den 70er Jahren. Wir würden uns wünschen: weg von einer Tageshöchst-Arbeitszeit hin zu einer Wochenzeit. Wir wollen nicht mehr arbeiten, aber flexibler“, sagt Geschäftsführerin Susanne Droux.

Dadurch könnten die Mitarbeiter pro Schicht länger arbeiten, hätten aber auch mehr freie Tage. In der heutigen Freizeitgesellschaft würden die Jobs dadurch deutlich attraktiver. Auch die Arbeit am Wochenende könnte man dann sogar positiv verkaufen. "Am Wochenende ist es auf der Skipiste doch eh überfüllt. Wenn ich aber am Montag frei habe, komme ich wirklich zum Fahren", sagt Geschäftsführer Hermann Zimmerer vom Wirtshaus "Zum Straubinger" in München. Sein Lokal hat seit kurzem am Montag Ruhetag. "Die Kollegen können dann auch mal langfristig planen, weil sie wissen, dass sie diesen Tag fix frei haben. Ich hoffe, dass der Job damit wieder attraktiver wird", so Zimmerer.

... und mehr Geld

Natürlich wäre auch eine bessere Bezahlung hilfreich. Die Wirte hoffen auf einen reduzierten Mehrwertsteuersatz wie er in der Hotelbranche schon gilt, also sieben statt 19 Prozent. "Vielleicht würden wir dann jemanden finden", hofft Virginie Götz. Die Arbeit in der Küche sei nämlich viel besser als ihr Ruf. "Man hat mit Menschen zu tun, kann experimentieren, neue Dinge versuchen. Es macht wirklich Spaß. Nur leider will es keiner mehr machen."