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Bayerns Wirtschaft leidet unter Mangel an IT-Experten | BR24

© Walter Kittel/BR

In bayerischen Firmen werden immer mehr Arbeits- und Produktionsschritte digitalisiert - doch qualifizierte Nachwuchskräfte fehlen. Mittlerweile sind im Freistaat fast 50.000 IT-Stellen unbesetzt. Für die Unternehmen ist das ein echtes Problem.

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Bayerns Wirtschaft leidet unter Mangel an IT-Experten

In bayerischen Firmen werden immer mehr Arbeits- und Produktionsschritte digitalisiert - doch qualifizierte Nachwuchskräfte fehlen. Mittlerweile sind im Freistaat fast 50.000 IT-Stellen unbesetzt. Für die Unternehmen ist das ein echtes Problem.

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Die gute Konjunktur und technologische Entwicklungen wie die Digitalisierung haben den Mangel an Informatik-Fachkräften in den letzten Jahren verschärft. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des bayerischen Industrie- und Handelskammertags, geht davon aus, dass derzeit rund 50.000 Fachleute aus der IT oder IT-nahen Berufen fehlen. Denn viele Unternehmen hätten die Vorteile der Digitalisierung erkannt und investieren hier vermehrt. Der Mangel an Fachleuten komme deshalb nicht ganz überraschend, sagt Gößl:

"Dadurch, dass alle Produkte und alle Prozesse mittlerweile digitalisiert angeboten werden, hat sich dieser Mangel drastisch verschärft in Bayern. Wir wissen jetzt, dass etwa ein Fünftel aller offenen Stellen aus dem IT Bereich herrühren." Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des bayerischen Industrie- und Handelskammertags

IT-Fachkräftemangel: Akademischer Nachwuchs fehlt

Vor allem die Wirtschaft braucht derzeit Experten, die in der Lage sind, komplexe IT-Aufgaben zu lösen - so etwa im Bereich der Softwareentwicklung und Programmierung. Seit Jahren schließen an den bayerischen Universitäten immer mehr Informatikerinnen und Informatiker erfolgreich ihr Studium ab. Die Einschreibungen an den Universitäten haben in den letzten drei Jahren um mehr als 10 Prozent auf rund 6.700 zugelegt.

Dennoch ist der Bedarf an Experten nach wie vor viel größer als das Angebot, erklärt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft:

"Wir haben vor kurzem eine Erhebung gemacht bei den Metall- und Elektroarbeitgebern und dort ist es so, dass die Informatikstellen zu 50 Prozent derzeit nicht besetzt werden können und zweitens, dass auch im nicht-akademischen Bereich etwa 30 Prozent nicht besetzt werden können. Die Gesamtsumme macht das Ganze extrem schwierig." Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Boom der IT-Branche in München

In München ist die Zahl der Mitarbeiter in der Informatik und anderen Berufen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) stark gewachsen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich zwischen März 2014 und März 2019 von knapp 21.000 auf fast 39.000 Experten an.

In der Digitalwirtschaft in Bayern wurden 2019 zudem deutlich mehr IKT-Experten mit ausländischem Pass beschäftigt als noch ein Jahr zuvor. Die Anwerbung von ausländischen Experten habe demnach an Fahrt aufgenommen, sagt Olga Saitz, Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit:

"Im März 2019 waren in Bayern 3.094 mehr Personen mit einem ausländischen Pass beschäftigt als vor einem Jahr - insgesamt 13.931 Personen. Das entspricht einem Anstieg von rund 29 Prozent. Der Anteil an allen hochqualifizierten beschäftigten Informatikern liegt insgesamt bei rund 17 Prozent." Olga Saitz, Bundesagentur für Arbeit

Fehlende IT-Experten: Folgen für die Wirtschaft

Trotz neuer Rekorde bei der Beschäftigung von Fachkräften führen unbesetzte Stellen in Unternehmen ganz unmittelbar zu wirtschaftlichen Nachteilen. Umsätze und Wachstumschancen bleiben unrealisiert, Projekte können nicht durchgeführt werden.

"Ein solcher Mangel bedeutet in der Praxis, dass schlichtweg Aufträge nicht abgearbeitet werden können. Dass es zu Verzögerungen kommt. Oder dass solche Leistungen dann leider auch aus dem Ausland erbracht werden müssen." Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des bayerischen Industrie- und Handelskammertags