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Bayerns umstrittenste Straße: A94 durchs Isental wird eröffnet | BR24

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Die umstrittene Isental-Autobahn wird am heutigen Nachmittag eröffnet. Umweltschützer hatten 40 Jahre lang gegen den Bau gekämpft. Der neue Teilabschnitt auf der A94 soll die Menschen und Orte an der viel befahrenen B12 entlasten.

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Bayerns umstrittenste Straße: A94 durchs Isental wird eröffnet

Die Isentalautobahn A94 gilt als eines der umstrittensten Straßenbauprojekte Deutschlands. Am Nachmittag wird das 33 Kilometer lange Teilstück zwischen Heldenstein und Pastetten bei einem Festakt bei Dorfen im Landkreis Erding eröffnet.

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Für die einen ist es ein Tag zum Feiern, für die anderen zum Trauern: Die umstrittene Autobahn durchs Isental wird heute Nachmittag bei Dorfen eröffnet. Hoher Besuch ist angekündigt. Erwartet werden unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und sein bayerischer Kollege Hans Reichhart (beide CSU). Sie sollen auf Höhe des Parkplatzes Fürtholz Nord bei Dorfen das symbolische Band durchschneiden.

Rund 800 Gäste sind zu diesem Festakt eingeladen. Zunächst war die Veranstaltung nur für geladene Gäste geplant. Vergangene Woche wurde von der Autobahndirektion Südbayern dann umgeschwenkt. Die Veranstaltung ist jetzt öffentlich.

Wie werden sich die Gegner verhalten?

Umweltschützer und Anwohner haben knapp 40 Jahre gegen die Autobahn gekämpft. Die Strecke führt von München durch das landschaftlich reizvolle Flusstal der Isen ins Chemiedreieck rund um Altötting. Vor allem der letzte Bauabschnitt der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein stand im Zentrum des jahrzehntelangen Streits. Vor dem Autobahnbau war das dünn besiedelte und weitgehend unberührte Isental berühmt für seine seltenen Pflanzen und Tiere.

Ob sich die Gegner, denen die Autobahn nach wie vor ein Dorn im Auge ist, bei dem Festakt sehen lassen, bleibt abzuwarten. Im Landkreis Erding wohnen in einem Ortsteil von Lengdorf Jörg Asperger und seine Frau - 130 Meter von der Isentaltraße entfernt. Sie waren auf den ganzen Demos dabei und wollen heute auf keinen Fall kommen:

"Wir müssen uns damit abfinden, es hilft alles nichts, es hilft jetzt nicht mehr zu lamentieren und rumzujammern. Wir müssen damit leben, wir können es nicht mehr ändern, die Betonmassen sind da in der Landschaft. Die Landschaft ist zerstört." Jörg Asperger, Anwohner und Gegner der A94

Die Gegner, die jahrzehntelang gegen die Autobahn gekämpft haben, wollen aber am Abend zu einem letzten Treffen in Dorfen zusammenkommen. Jörg Asperger wäre, wie die gesamte "Aktionsgemeinschaft gegen die A94", für die sogenannte Variante Haag gewesen. Dabei hätte man die bestehende B12 vierspurig ausgebaut. Letztendlich wurden aber die 33 Kilometer Autobahn durchs Isental gebaut und unberührte Landschaft zerschnitten.

"Ein Traum wird befahrbar"

Nicht alle sind gegen die Autobahn. Für die Befürworter ist die A94 die entscheidende Anbindung für die Menschen und die Industrie in der Region. Der Verein "Ja zur A94" kämpft seit den 1990er Jahren für die Isentalautobahn. Der Mühldorfer Altbürgermeister Günther Knoblauch ist der Vorstand. Für ihn ist es nach Jahrzehnten fast surreal, dass die Isentaltraße nun fertig ist.

"Wir haben ja Zeiten erlebt, wo wir das Vertrauen nicht mehr gehabt haben. Und plötzlich ist das Realität. Die Eröffnung ist ja festgelegt und es wird wirklich geschehen. Ein Traum wird Wirklichkeit, wird befahrbar und zwar in einer Dimension, wie du es eigentlich selten im Leben hast, so etwas Gewaltiges." Günther Knoblauch, Altbürgermeister Mühldorf

Der 33-Kilometer-Lückenschluss zwischen Heldenstein im Landkreis Mühldorf und Pastetten im Landkreis Erding hat mindestens 440 Millionen Euro gekostet. 56 neue Brücken und vier neue Anschlussstellen wurden gebaut. Jede Fahrtrichtung ist zweispurig befahrbar und zehn Meter breit.

Freie Fahrt von Marktl bis München erst am Dienstag

Trotz der heutigen Eröffnung wird der Abschnitt Pastetten–Heldenstein erst am Dienstag schrittweise für den Verkehr freigegeben. Dann kann man von Marktl bis München auf der A94 durchfahren. Immer noch einen Monat früher als geplant: Denn ursprünglich hätte die Autobahn erst Ende Oktober freigegeben werden sollen.

Auch viele Pendler sehen in der Autobahn eine Entlastung – sie mussten die Strecke nach München bisher auf der stark befahrenen B12 zurücklegen. Diese gilt durch die häufigen und schwerwiegenden Unfälle als eine der gefährlichsten Bundesstraßen in Deutschland.

Von Passau bis München

Die A94 soll am Ende einmal Passau und München verbinden. Wie lange die Fertigstellung noch dauern wird, kann derzeit aber noch nicht gesagt werden. Alleine die Planung für Simbach werde noch rund zehn Jahre dauern, so Günther Knoblauch, der vorsitzende des Vereins "ja zur A94", im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

© BR/Nadine Cibu

Sie gilt als eines der umstrittensten Straßenbauprojekte Deutschlands: Die Autobahn A94. Ab Dienstag ist sie von München bis nach Marktl im Landkreis Altötting durchgehend befahrbar. Die "Isentaltraße" war Gegenstand eines jahrzehntelangen Streits.