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Bayerns Polizei bekommt mehr Taser - Einsatz umstritten | BR24

© pa/dpa/Paul Zinken

Polizist mit Taser

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    Bayerns Polizei bekommt mehr Taser - Einsatz umstritten

    Bei Spezialeinsatzkommandos sind sie schon lange im Einsatz. Jetzt bekommen auch andere Einheiten in Bayern Elektroschocker. Mit sogenannten Tasern können Straftäter vorübergehend außer Gefecht gesetzt werden. Unumstritten sind die Waffen nicht.

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    Seit 2006 stehen SEK-Beamten im Freistaat Elektroschockpistolen zur Verfügung. Bis Ende vergangenen Jahres kamen sie laut Innenministerium rund 40 Mal zum Einsatz. Bereits seit Sommer läuft ein Pilotversuch, Taser auch bei Unterstützungskommandos (USK) sowie Einsatzzügen der Operativen Ergänzungsdienste (OED) in Aschaffenburg, Straubing, Regensburg und Kempten auszuweiten.

    Dazu wurden 37 Taser angeschafft, teilte das Innenministerium mit. Insgesamt 500 Beamte werden bis Juli 2019 im Umgang mit der Waffe geschult. Normale Wach- und Streifenbeamte sollen auch künftig nicht mit diesen Waffen arbeiten.

    50.000 Volt lähmen Muskulatur

    Taser verschießen zwei kleine Nadeln über eine Maximaldistanz von rund zehn Metern. Die Nadeln hängen an dünnen Drähten, über die Strom fließt. 50.000 Volt sollen die Muskulatur von Getroffenen kurzzeitig lähmen und sie so über eine sichere Entfernung außer Gefecht setzen. Mit den schmerzhaften Elektroschocks kann ein Mensch handlungsunfähig gemacht werden. Für wenige Sekunden haben Beamte dann die Möglichkeit, ihre Zielperson zu überwältigen.

    Damit schließen Taser aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) eine Lücke in der Bewaffnung von Polizeibeamten in Bayern. Bislang sind diese mit Pistolen, Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstet.

    Hemmschwelle könnte gesenkt werden

    Doch unumstritten sind Taser nicht. Zu den Kritikern zählt etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Sie warnt, dass Taser wegen ihrer vermeintlichen Ungefährlichkeit die Hemmschwelle von Beamten senken, überhaupt eine Waffe zu ziehen.

    Gefahr für Risikogruppen?

    Außerdem ist nicht abschließend geklärt, wie gefährlich die Waffe für Risikogruppen ist. Das Hessische Innenministerium, das die Waffen ebenfalls testet, hält lebensbedrohliche Verletzungen in Einzelfällen für möglich. Also Risikogruppe gelten Herzkranke, Schwangere, Kinder, Ältere und Personen mit Intoxikationen. Belastbare Erkenntnisse lägen aber nicht vor, so die Hessen.

    Ungeklärter Todesfall in Nürnberg

    In Bayern sei bisher kein Mensch durch einen Taser-Einsatz zu Tode gekommen, erklärte das Innenministerium in München. Doch es gibt einen ungeklärten Todesfall nach dem Einsatz einer Elektroschockpistole in Nürnberg vergangene Woche. Ein 43-jähriger Mann starb im Krankenhaus. Er soll unter Drogen gestanden haben. Bei der Obduktion war "keine fassbare Todesursache" festzustellen. Die Untersuchungen in diesem Fall dauern an.

    Sendung

    BAYERN 3 am Sonntag

    Autor
    • BR24 Redaktion
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