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Bayerns Pfarrer: "Social Media ist auch Gemeindearbeit" | BR24

© dpa/Kim Zickenheiner

Gottes Wort auf dem Smartphone: Die "AndachtsApp" der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. (Archivbild)

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Bayerns Pfarrer: "Social Media ist auch Gemeindearbeit"

Sie heißen Onlinepfarrer Andreas, Anderstschön oder Rev.Stev – die Pfarrerinnen und Pfarrer auf Twitter, Youtube und Co. Immer mehr Theologen verbreiten ihre Botschaft auch in den sozialen Medien. Von der Kirche wünschen sie sich mehr Unterstützung.

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In ihrem Profil auf Twitter schreibt Sabrina Hoppe, sie sei "auf allen Hochzeiten. Und Beerdigungen. Und überhaupt". Obwohl die 33-jährige evangelische Pfarrerin aus Prien am Chiemsee jetzt im August eigentlich Urlaub hat, twittert sie mehrmals täglich und gibt so Einblick in ihr Leben. Daneben postet sie auch auf Instagram regelmäßig Fotos. Ein Link in ihrer Twitter-Biografie führt zu ihrem persönlichen Blog "Sinn und Geschmack", auf dem sie ihre Predigten einstellt – aber auch für mehr Sichtbarkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern im Netz sorgen will.

Über den Blog schreibt sie:

"Man müsste mal öfter über Sinn und Geschmack in der Kirche reden. Über den Sinn von Gottesdiensten, in denen nur zwei Bankreihen belegt sind. Über fehlenden Geschmack bei der Einrichtung des Gemeindehauses. Aber auch über den Sinn von Gesprächen zwischen Tür und Angel, in denen der Sinn des Lebens auf den Tisch kommt." Pfarrerin Sabrina Hoppe

"Christliche Botschaft wird viel nahbarer"

Die Sichtbarkeit von Kirche in den sozialen Medien – darum geht es immer mehr Pfarrerinnen und Pfarrern auch in Bayern. Unter den Hashtags #waspfarrersomachen und #wasvikaresomachen versammeln sich Selfies, Kirchenbilder und ganz Persönliches wie die Nahaufnahme von Neugeborenenfüßchen oder dem Maßkrug im Biergarten.

"Mir ist bei meinem Instagram-Account wichtig, dass es nicht nur darum geht, wie jetzt der Gottesdienst war", sagt der evangelische Pfarrer aus München, Steve Kennedy Henkel. Es gehe vielmehr darum zu zeigen, dass auch Pfarrer Menschen sind und ganz normale Sachen machen. "Dadurch wird die Botschaft, die wir haben, viel, viel nahbarer."

Theologen wollen ein erweitertes Verständnis von Gemeinde

Gleichzeitig üben die auf den Social Media aktiven Kirchenleute auf den Plattformen auch Kritik. Versehen mit dem Hashtag #digitalekirche versuchen sie als eine Art "Graswurzelbewegung" von unten das Selbstverständnis der Kirchen zu erweitern. Gemäß dem Motto: Zur Gemeinde zählen mehr als nur diejenigen, die den Sonntagsgottesdienst besuchen.

Größtenteils Seelsorge - und das ehrenamtlich

"Ich wünsche mir, dass die Kirche diese nie dagewesene Chance ergreift", sagt auch Martin Ludwig Jetschke. Der Würzburger ist nicht nur Theologiestudent und ehrenamtlicher Organist, sondern betreibt auch als "Lingualpfeife" einen eigenen Kanal auf Youtube. Mit knapp 15.000 Abonnenten gilt "Lingualpfeife" bereits als Influencer in diesem Bereich.

Seine Bekanntheit nützt der junge Katholik dazu, nicht nur sogenannte Tutorials für kirchliche Orgelstücke zu produzieren, sondern auch, um über Themen der katholischen Kirche wie etwa über den Zölibat zu sprechen. Auf Jetschkes Youtube-Kanal, den er 2014 ins Leben gerufen hat, geht es längst nicht mehr nur um Orgelmusik. "Ich mache größtenteils Seelsorge - manchmal bis zu 40 Stunden in der Woche. Und das ehrenamtlich", berichtet Jetschke. Vor allem im pastoralen Raum – also bei den Aufgaben von Pfarrern – müsse die Kirche die Möglichkeiten von Social Media nutzen, sagt Jetschke. "Und sich das auch was kosten lassen."

Grenzen zwischen echten und virtuellen Kontakten verschwimmen

Doch in diesem Punkt scheiden sich die kirchlichen Geister: Zwar gehen sowohl evangelische als auch katholische Kirche in die "Digital-Offensive", wie sie selbst sagen, veröffentlichen Social-Media-Codizes für kirchliche Mitarbeiter, schaffen Projektstellen für Digitalisierungsbeauftragte, machen Gelder locker für neue Online-Plattformen.

Doch die Stellenprofile der Gemeindepfarrer sehen nach wie vor keine Social-Media-Arbeit vor. "Was ich mir wünschen würde, wäre mehr Mut und Offenheit", sagt Steve Kennedy Henkel. Gerade in den Gemeinden, von Pfarrerskollegen und Kirchenvorständen. "Es verschwimmen die Grenzen. Mir haben auf Instagram auch schon Leute geschrieben: 'Das ist ja interessant, was du so machst. Da will ich sonntags mal vorbeikommen'", berichtet Henkel. "Social Media ist eben auch Gemeindearbeit."

Online-Pfarrer Andreas: Seelsorge vom Krankenbett aus

Auch Martin Ludwig Jetschke hat durch seine Arbeit auf Youtube bereits viele persönliche Kontakte geknüpft. Zuletzt etwa mit dem katholischen Pfarrer Andreas Demel aus dem Allgäu. "Onlinepfarrer-Andreas" postet täglich Fotos und twittert - seit Ende Juli hat er Zeit dafür. Allerdings aus keinem schönen Grund: Seitdem liegt er wegen eines Gehirntumors auf unbestimmte Zeit im Krankenhaus. Die Arbeit als Seelsorger dagegen nimmt täglich zu. Sein Hashtag #KlinikFoodBlog trendet bereits in den sozialen Medien.

© BR

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