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Bayerns neue Oberbürgermeister: 100 Tage Krisenmodus | BR24

© Richtie Herbert / picture alliance | Montage: BR

In ihren ersten Tagen hatten Christian Scharpf (SPD), Eva Weber (CSU) und Markus König (CSU) bereits einige Krisen zu meistern.

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    Bayerns neue Oberbürgermeister: 100 Tage Krisenmodus

    Die ersten 100 Tage im Amt waren für die neuen Oberbürgermeister in Ingolstadt, Augsburg und Nürnberg von der Corona-Krise überschattet. Allerorten mussten sie Stellenabbau verhindern und tiefe Löcher in den Kassen flicken. Ein Überblick:

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    Nürnberg: Karstadt-Rettung und 365-Euro-Ticket

    Nürnbergs neuer Oberbürgermeister Marcus König (CSU) hat von seinem siebenjährigen Sohn zum Amtsantritt einen kleinen Anti-Stress-Ball geschenkt bekommen. Den hat er dringend gebraucht, erzählt er, als die Meldung kam, dass die beiden Karstadt-Häuser in Nürnberg geschlossen werden sollten. Das war Königs größte Herausforderung in seinen ersten hundert Tagen. Der CSU-Politiker hat sofort den engen Schulterschluss mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften gesucht. Gemeinsam haben sie hart um den Erhalt der beiden Warenhäuser gerungen. Mit Erfolg, Karstadt bleibt in Nürnberg, keine Filiale wird geschlossen, Hunderte Arbeitsplätze sind gesichert.

    König meidet die Konfrontation und sucht den Konsens. Dabei schmiedet er für einen CSU-Mann auch schon mal ungewöhnlich Allianzen. Zum Beispiel, als er die Forderungen der Linken zu einem 365-Euro-Ticket für den Nahverkehr übernommen hat. Das günstige Ticket für jedermann wird spätestens in zwei Jahren eingeführt. Damit ist Nürnberg Vorreiter in ganz Deutschland. Das Ticket ist Teil der Mobilitätsoffensive, die König vor der Wahl in seinem 100-Tage-Programm versprochen hat. Bei den Nürnbergern kommt König bisher gut an. Auch wenn sein Vorgänger Ulrich Maly von der SPD die Messlatte sehr hoch gehängt hat.

    Augsburg: Leere Kassen und Kahlschlag in der Industrie

    In Augsburg musste Eva Weber (CSU) nach Überreichung der Amtskette gleich ins kalte Wasser springen: Städtische Vorhaben stehen wegen der plötzlich leeren Kassen auf der Kippe. Corona reißt ein 50-Millionen-Euro-Loch in den Haushalt. Zudem explodieren am Staatstheater in Augsburg die Kosten. Eine Diskussion um dessen Millionensanierung entbrannte. Eva Weber warb für ein Festhalten an der Sanierung. Der Stadtrat folgte ihr. Auch wenn die Sanierung am Ende über 300 Millionen Euro kosten könnte. Zudem werden andere Projekte verschoben, um den Haushalt zu entlasten.

    Druck erfährt Weber seit einem Monat auch von Klimaaktivisten von Fridays for Future, die direkt neben dem Rathaus ein Camp errichtet haben und die Einhaltung der Klimaziele von Paris fordern. Anfangs stand eine Räumung des Camps im Raum, wurde von einem Gericht aber untersagt. Aus ihrem Besprechungszimmer kann Eva Weber die Camper jeden Tag sehen.

    Zudem erreichen die ehemalige Wirtschaftsreferentin Eva Weber schlechte Nachrichten aus den ortsansässigen Unternehmen MAN Energy Solutions und Premium Aerotec. Der Motorenhersteller und die Airbustochter wollen zusammen rund 2.000 Stellen streichen. Im Herbst muss Weber nun versuchen, eine gute Lösung für die Beschäftigten zu finden.

    Ingolstadt: Förderung von Wirtschaft und Kultur

    In Ingolstadt hat Christian Scharpf (SPD) als OB seinen Traumjob gefunden. Das stand für den Juristen und erprobten Verwaltungsexperten schon vor der 100-Tage-Frist fest. Nach fast 50 Jahren ist Scharpf der erste rote Oberbürgermeister in Ingolstadt. Entsprechend lang ist die Liste seiner Änderungswünsche. Um Ingolstadts Wirtschaft breiter zu fördern, explizit auch den Mittelstand, hat Scharpf den Posten eines Wirtschaftsreferenten neu geschaffen und auch schon besetzt. Natürlich war er außerdem auch schon beim Audi-Vorstand. Obwohl der wichtigste Arbeitgeber der Region im ersten Halbjahr eine dreiviertel Milliarde tief ins Minus gerutscht ist, bleibt der OB optimistisch.

    Unverdrossen setzt Scharpf auch Akzente bei der Kultur, die er für unentbehrlich hält. Zum Beispiel hat unter ihm der Stadtrat endlich den Vorentwurf für den Bau der Kammerspiele genehmigt. Im einst so heillos zerstrittenen Stadtparlament bessert sich unter dem verbindlichen Scharpf zudem die Stimmung. Man redet wieder miteinander. Eine sozialdemokratische Note will Scharpf beim städtischen Klinikum setzen. Dort sollen die Mitarbeiter der Servicegesellschaft genauso viel verdienen wie die Stammbelegschaft. Für dieses Ziel braucht Scharpf allerdings noch mehr Zeit als 100 Tage.