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Bayerns Landwirtschaft spürt den Klimawandel | BR24

© dpa-Bildfunk / Armin Weigel

Bayern, Feldkirchen: Reifer Weizen wird auf einem Feld mit einem Mähdrescher abgeerntet.

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Bayerns Landwirtschaft spürt den Klimawandel

Nach der Dürre im vergangenen Jahr zieht der Bayerische Bauernverband für 2019 wieder eine durchschnittliche Erntebilanz. Für die Landwirte in Mittel- und Ostdeutschland sieht es hingegen schlechter aus.

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Der Bayerische Bauernverband (BBV) geht für 2019 von einer durchschnittlichen Getreideernte von 6,8 Millionen Tonnen aus. Im Vergleich zum langjährigen Mittel bedeutet dies eine geringe Ernteeinbuße von 3,6 Prozent. Es gebe jedoch massive regionale Unterschiede, zum Beispiel sei es in Franken zu trocken gewesen, so dass viele Tierhalter in Oberfranken nicht genügend Futter für ihre Tiere ernten können und Brachflächen nutzen mussten.

Dürreauswirkungen

Aktuelle Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik belegen diese Einschätzung. Die Erntemenge liege demnach voraussichtlich zwar um 9,4 Prozent über der des Vorjahres, jedoch sei die Erntemenge insgesamt im Jahr 2018 aufgrund der Dürreauswirkungen auf einem niedrigen Niveau gewesen.

"Die Dürre im letzten Jahr, Trockenperioden und Temperaturen von bis zu 40 Grad und zunehmende Wetterextreme zeigen, dass es ein Stückweit vorbei ist mit unserem eher gemäßigten Klima. Der Klimawandel ist auch hier in Bayern angekommen. Frequenz und Ausmaß von extremen Witterungsereignissen nehmen zu." Walter Heidl, Bayerischer Bauernpräsident

Gesamtdeutschland: Ernte leicht unterdurchschnittlich

Für Gesamtdeutschland zieht der Deutsche Bauernverband (DBV) hingegen eine leicht unterdurchschnittliche Erntebilanz. Der Ertrag lag bei 45 Millionen Tonnen, sechs Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017, wie der DBV am Freitag mitteilte. Bauernpräsident Joachim Rukwied wies in diesem Zusammenhang auch auf die Folgen des Klimawandels hin. Sorgen bereiteten den Bauern vor allem die Unvorhersehbarkeit der Abfolge von Regen, Dürre und Hitze.

"Es war der Regen"

Der Grund für den besseren Ernteertrag im Süden Deutschlands sei, wie Rukwied erläutert, ganz einfach: "Es war der Regen." Vor allem in Mittel- und Ostdeutschland hätten manche Betriebe erneut eine "miserable Ernte verkraften" müssen. Dies falle zusammen mit einem nicht zufriedenstellenden Preisniveau, bereits seit Monaten seien die Erzeugerpreise für Getreide rückläufig, so Rukwied. Die Aussicht auf eine Trendwende sei angesichts der komfortablen europäischen und weltweiten Versorgungslage gering.

Der Raps enttäuscht

Der Raps habe "enttäuscht" und sei "mittlerweile unser Sorgenkind", sagte Rukwied weiter. Für die Fruchtfolge sei der Rapsanbau allerdings enorm wichtig. Für die bevorstehende Rapsaussaat sei baldiger Regen dringend nötig. Die Erntemenge ist 2019 nach Schätzungen des DBV im Vergleich zum Fünfjahresmittel um 46,5 Prozent regelrecht eingebrochen.

Bei Winterraps sind laut Landesamt für Statistik auch in Bayern deutliche Ertragseinbußen zu erwarten. Die geschätzte Erntemenge belaufe sich auf 283.000 Tonnen und liege damit um gut ein Drittel unter dem Durchschnitt 2013-2018. Die geringe Anbaufläche und Erntemenge gehen auf die Trockenheit des vergangenen Jahres zurück.

Ein schwieriges Jahr für Obst und Gemüse

Auch für Obst und Gemüse sei 2019 "erneut ein schwieriges Jahr" gewesen, teilte der DBV mit, sprach aber von einer durchschnittlichen Erntebilanz. Die regionalen Wetterextreme nähmen weiter zu. Für den Wein sagte Rukwied erneut eine "sehr gute Qualität" voraus, wenngleich die Erntemenge nicht an die Rekordzahlen des vergangenen Jahres heranreichen werde.

Bei Äpfeln wird in Deutschland mit einer guten Ernte gerechnet. Der DBV geht von gut 912.000 Tonnen aus, nach der sehr großen Ernte von 1,2 Millionen Tonnen im Vorjahr, also rund ein Viertel weniger. Die Frühapfelernte sei bereits im vollen Gange, die Haupternte werde Ende August beginnen. Auf Bayern entfallen laut Landesamt knapp 35.000 Tonnen, der Hektarertrag liegt dort mit -4,6 Prozent etwas unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Gemüseernte begann früher

Beim Gemüse begann die Erntesaison 2019 bei fast allen Sorten früher als im vergangenen Jahr. Starke Niederschläge haben vielen Pflanzen auch in diesem Jahr wieder zugesetzt, ebenso haben die Hitzetage ihre Spuren im Gemüsebau hinterlassen, so der DBV.

Laut Bauernverband führte die Trockenheit im Obst- und Gemüsebau zu höheren Kosten durch die Bewässerung. Durchschnittlich sei allein von Bewässerungskosten in Höhe von zehn Prozent des Umsatzes auszugehen.

Das Witterungsrisiko liegt beim Landwirt

Da bisher das Witterungsrisiko beim jeweiligen Landwirt liege, wendet sich Rukwied schließlich mit einer Forderung nach neuen Sicherungssystemen an die Versicherungswirtschaft. Laut Rukwied sollte die Politik sollte dazu steuerliche Anreize schaffen, wie beispielsweise einen reduzierten Steuersatz für solche Produkte.

Auch der bayerische Bauernpräsident Heidl fordert "ergänzende Instrumente zum Risikomanagement". Um die Zukunft der bayerischen Höfe zu sichern, brauche es einfache steuerfreie Rücklagemöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe. "Die Rücklagenbildung in normalen Jahren für schwierige Zeiten zum Beispiel in Folge von Dürre oder Hitze muss attraktiv werden", so der BBV-Präsident.

© BR

Heute wurde in Berlin Erntebilanz gezogen. Die bayerischen Bauern können auf ein relativ gutes Jahr zurückblicken, allerdings nicht in allen Regionen. Dazu BBV-Präsident Heidl im Rundschau-Interview.