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Bayerns Landtag wird noch männlicher - Frauenbund frustriert | BR24

© pa/dpa

Archivbild: Blick in den Plenarsaal

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    Bayerns Landtag wird noch männlicher - Frauenbund frustriert

    Durch die Landtagswahl sinkt der Frauenanteil im Maximilianeum auf den niedrigsten Stand seit der Legislaturperiode 1998 bis 2003. Nur etwas mehr als ein Viertel der Abgeordneten sind Frauen. Besonders FDP und AfD ziehen den Anteil in den Keller.

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    Der bayerischen CSU-Fraktionschef gibt sich zufrieden - schon am Tag nach der Wahl lobte Thomas Kreuzer die Zusammensetzung seiner neuen Landtagsfraktion als "gutes Spiegelbild" der bayerischen Gesellschaft. "Das unterstreicht unseren Anspruch als Volkspartei", so Kreuzer in einer Pressemitteilung - in der aber auch zu lesen ist, dass der Frauenanteil "konstant bei etwa 20 Prozent" liegt.

    18 der 85 bayerischen CSU-Landtagsabgeordneten sind Frauen: 21,2 Prozent. Damit liegt der Frauenanteil der CSU-Fraktion noch einmal mehr als fünf Prozentpunkte unter dem des gesamten Landtags (26,8 Prozent). Zwar sitzen im Maximilianeum künftig mit 55 Frauen vier mehr als in der vorigen Legislaturperiode, dafür gehören dem Landesparlament aber auch insgesamt 25 Parlamentarier mehr an als bisher.

    Zweiter Rückgang in Folge

    Die frühere CSU-Politikerin und Ex-Frauenministerin Emilia Müller, heute Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), bezeichnet den Rückgang als "desillusionierend". Das Wahlergebnis führe "leider wieder nicht dazu, dass das Parlament ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist", beklagt sie.

    Drei Jahrzehnte lang ging es nur aufwärts mit dem Frauenanteil im bayerischen Landtag: Er kletterte von 7,4 Prozent im Jahr 1978 auf immerhin 31,6 Prozent im Jahr 2008. Seither aber ist er wieder rückläufig. Nach der Landtagswahl 2013 betrug der Anteil der weiblichen Parlamentarier nur noch 28,3 Prozent, jetzt ist er mit 26,8 Prozent so niedrig wie seit der Legislaturperiode 1998 bis 2003 nicht mehr (24,5 Prozent).

    Allein unter Männern

    Besonders stark nach unten gezogen wird der Frauenanteil durch die beiden neuen Fraktionen im Landtag, die AfD und die FDP: Unter den elf Abgeordneten der Liberalen ist eine einzige Frau, unter den 22 der AfD nur zwei - das macht bei beiden einen Anteil von 9,1 Prozent. Die Freien Wähler sind mit 22,2 Prozent (6 von 27 Parlamentarier) in etwa auf CSU-Niveau.

    Die weibliche Exotin in der FDP-Fraktion ist Julika Sandt. Es sei schon eine Herausforderung - als einzige Frau unter lauter Männern, sagt sie dem BR. "Da denke ich, dass meine Aufgabe als Frau hier schon auch eine wichtige ist." Es hätten sie auch schon viele Frauen aus der FDP angeschrieben und gebeten, die Fahne der Frauen im Landtag hoch zu halten, betont Sandt. "Das sehe ich als meinen Auftrag an."

    "Der Wähler entscheidet"

    Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen versichert, dass er "gern mehr Frauen" im Landtag hätte. Auf der oberbayerischen FDP-Liste seien drei der ersten sechs Kandidaten Frauen gewesen. "Aber das Wahlsystem in Bayern ist, wie es ist. Da entscheidet am Ende der Wähler", so Hagen.

    Das Männer-Übergewicht in der CSU-Fraktion führt Ilse Aigner, bisher Bauministerin und künftig wohl Landtagspräsidentin, dagegen auf Besonderheiten bei ihrer Partei zurück: "Weil wir unsere Abgeordneten über Direktmandate bestimmen." In der Tat: Sämtliche CSU-Parlamentarier haben ein Direktmandat errungen, während bei den andren Parteien alle oder fast alle über die Bezirksliste ins Maximilianeum eingezogen sind. Und die Direktkandidaten würden vor Ort nominiert, erläutert Aigner, "sehr basisdemokratisch". Das könne die CSU von oben gar nicht beeinflussen,

    "Krass und bitter"

    Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze reagiert enttäuscht auf den niedrigeren Anteil weiblicher Abgeordneter. "Die Repräsentanz von Frauen wird in dieser Legislatur erneut schlecht sein. Das ist krass und bitter", schrieb sie am Dienstagabend auf Twitter. "Wir brauchen endlich Parité in den Parlamenten!" Dies erreichen zwar auch die Grünen nicht ganz, sind aber mit 44,7 Prozent (17 von 38 Abgeordneten) zumindest nah dran.

    Ausgeglichen bei der SPD

    Einzig bei der dezimierten SPD-Fraktion ist das Verhältnis ausgeglichen: elf Frauen und elf Männer. Simone Strohmayr, Vize-Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der bisherigen SPD-Fraktion, zeigt sich "traurig" darüber, dass der neue Landtag wieder ein Stück mehr von Männern dominiert wird. Gerade in diesem Jahr, in dem 100 Jahre Frauenwahlrecht in Bayern gefeiert werden, sei der Rückgang des Frauenanteils ein völlig falsches Zeichen: "Es müsste aufwärts gehen, nicht abwärts".

    Im Vergleich zu anderen Parlamenten schneidet der bayerischen Landtag eher schlecht ab. Nicht nur im Bundestag ist der Frauenanteil mit mehr als 30 Prozent deutlich höher, auch im Ranking der Parlamente der Bundesländer fällt der Freistaat weiter zurück: von Rang zehn auf Platz zwölf.