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Bayerns Justiz durchkämmt mit einer Art Google das Darknet | BR24

© dpa

Cybercrime-Verfahren steigen seit Jahren.

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    Bayerns Justiz durchkämmt mit einer Art Google das Darknet

    Waffen, Drogen oder Kinderpornographie: Cybercrime ist eine riesen Herausforderung für Ermittler. Um das Darkweb künftig besser zu durchleuchten, hat der Justizminister eine Kooperation mit einer niederländischen Forschungseinrichtung geschlossen.

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    Wie eine Suchmaschine für versteckte Teile des Internets funktioniert, zeigt der sogenannte Dark Web Monitor. Entwickelt hat das Programm die niederländische Forschungseinrichtung TNO, die vergleichbar mit dem deutschen Fraunhofer Institut ist. Bei der niederländischen Organisation befassen sich dem bayerischen Justizministerium zufolge 140 Mitarbeiter mit diesem Programm. Außerdem sei die Zusammenarbeit mit InterPol, der weltweiten kriminalpolizeilichen Organisation, sehr eng, begründete Justizminister Georg Eisenreich (CSU) die Wahl von TNO.

    Erleichterte Spurenauswertung

    Mit der neuen Technologie sollen Täter und Taten im Dark Web leichter aufgespürt werden. "Genauso wie ich im analogen Bereich Spuren finde, Fingerabdrücke, Fotos oder Zeugenaussagen, so hinterlässt der Täter auch im digitalen Bereich Spuren", sagte der Bamberger Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky.

    Diese zu finden und auszuwerten, das erleichtere der Dark Web Monitor. Laut Janovsky konnten bereits mittels der Dark Web Suchmaschine von TNO zwei Kriminelle aus dem Bereich Kinderpornographie ermittelt und verurteilt werden.

    Mehr Staatsanwälte für Cybercrime

    Das bayerische Justizministerium unterstützt TNO mit 100.000 Euro. Die Spezialstaatsanwaltschaft Cybercrime, die künftig die Software einsetzen soll, ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt. Derzeit befassen sich 15 Staatsanwälte und drei IT-Spezialisten mit der Verfolgung von Verbrechen im digitalen Raum. Künftig soll die Zahl der Staatsanwälte auf 18 erhöht werden, kündigte Justizminister Georg Eisenreich an.

    Im vergangenen Jahr bearbeitete die Zentralstelle Cybercrime Bayern knapp 15.000 Verfahren. Im Jahr der Gründung, 2015, waren es rund 500. Zusätzlich zu Personal und Technik geht es Justizminister Eisenreich zufolge auch darum, das Strafrecht fit zu machen für die digitale Welt: "Die Datendelikte werden aus meiner Sicht bagatellisiert. Wir brauchen hier angemessene Strafrahmen, auf der anderen Seite brauchen wir auch digitale Befugnisse für die digitale Welt."

    Mehr Möglichkeiten für Ermittler auch in der digitalen Welt

    Das Strafrecht dahingehend anzupassen, ist allerdings Sache des Bundes. Dass die Bundesjustizministerin ein Reformpaket zur Bekämpfungen von sexueller Gewalt gegen Kinder angekündigt hat, unterstützt Eisenreich. Neben härteren Strafen sei es aber auch wichtig den Verfolgungsdruck auf die Täter zu erhöhen.

    Zugelassen oder erweitert werden müssten nach Meinung des bayerischen Justizministers die Möglichkeiten für Telekommunikationsüberwachung, Online-Durchsuchung und Verkehrsdatenspeicherung.