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In Bayern gibt es in den nächsten Tagen und Wochen mehrere Corona-Erleichterungen - für vollständig Geimpfte und Genesene, für die Gastronomie, die Kultur, Schulen sowie die Tourismusbranche. Andere Branchen müssen sich noch gedulden.

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Gastro, Hotels, Schulen: Bayerns Fahrplan aus dem Lockdown

In Bayern gibt es in den nächsten Tagen und Wochen mehrere Corona-Erleichterungen - für vollständig Geimpfte und Genesene, für die Gastronomie, die Kultur, Schulen sowie die Tourismusbranche. Andere Branchen müssen sich noch gedulden. Ein Überblick.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Maximilian Heim

Mehr als sechs Monate nach dem Start des Teil-Lockdowns, der später verschärft und immer wieder verlängert wurde, hat das bayerische Kabinett einen Fahrplan für weitere Lockerungsschritte beschlossen. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits im Einzelhandel unter bestimmten Voraussetzungen Öffnungen möglich wurden, sollen nach und nach Erleichterungen für Gastronomie, Kultur, Sport und Tourismus folgen - allerdings nur in Regionen mit Corona-Zahlen unter dem Inzidenzwert 100.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in der "Rundschau" im BR Fernsehen, Bayern gehe "in Zeitachsen" vor. Nach den heute beschlossenen Öffnungsschritten werde es erst in vier Wochen weitere Verbesserungen geben - "sodass wir Schritt für Schritt gehen". Es seien "Erleichterungen mit gutem Gewissen".

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Rundschau-Gespräch.

Wie es in Bayern weitergeht - der Fahrplan aus dem Corona-Lockdown im Überblick:

Ab Donnerstag (6. Mai): Weitere Lockerungen für vollständig Geimpfte und Genesene

Menschen, die vollständig geimpft oder nachweislich von einer Covid-Erkrankung genesen sind, erhalten ab Donnerstag in Bayern weitere Freiheiten zurück. Für diese Gruppe gibt es Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen - vollständig Geimpfte und Genesene werden bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte nicht mehr mitgezählt. Auch die nächtliche Ausgangssperre gilt für Geimpfte und Genesene dann nicht mehr. Bereits jetzt sind sie von der Quarantänepflicht nach der Einreise sowie von der Testpflicht für den Einzelhandel befreit. Damit gelten die Freiheiten für Geimpfte und Genesene laut Söder in Bayern einige Tage früher als bundesweit angedacht.

Wichtig: Das alles gilt erst bei vollständigem Impfschutz, ab dem 15. Tag nach der verabreichten Zweitimpfung.

Ab Montag (10. Mai): Gastronomie, Kinos und Theater sowie Sport

Sie wurden schon vor Wochen in Aussicht gestellt, ab Montag sollen sie in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen wirklich möglich werden: Abstecher in den Biergarten sowie Kino-, Theater- und Konzertbesuche. Liegt in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 100, können dort - mit Erlaubnis des Gesundheitsministeriums - weitere Öffnungsschritte erfolgen.

So dürfen Restaurants und Cafés in ihren Außenbereichen sowie Biergärten bis 22 Uhr wieder Gäste bewirten - mit negativem Corona-Test, Terminbuchung und Maskenpflicht abseits des festen Sitzplatzes. Auch Konzert- und Opernhäuser und Kinos dürfen in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz unter 100 ab Montag wieder öffnen, "mit Abstand, mit Test, mit Maske", wie Ministerpräsident Söder erklärte. Der Betrieb von Autokinos ist in Bayern bereits jetzt unabhängig von der Inzidenz erlaubt, Museen und Gedenkstätten dürfen bei einem Wert unter 100 öffnen. Für Discotheken und Clubs gibt es auch nach mehr als einem Jahr noch keine Perspektive.

Auch Hobby- und Freizeitsportler in Kommunen mit niedrigen Corona-Zahlen können ab Montag wieder auf mehr Möglichkeiten hoffen: auf kontaktfreien Sport in Gebäuden sowie Kontaktsport unter freiem Himmel - verbunden mit einer Testpflicht.

Ab Montag (10. Mai): Grundschulen

Ab Montag dürfen wieder mehr junge Schülerinnen und Schüler in die bayerischen Schulen: Für die Grundschulklassen 1 bis 3 gibt es ab dann wechselweise Präsenz- und Distanzunterricht bis zu einem regionalen Inzidenzwert von 165. Bisher lag der Grenzwert im Freistaat bei 100, obwohl die sogenannte Bundes-Notbremse den höheren Grenzwert vorsieht. Die Anpassung in Bayern gilt auch für die 5. und 6. Klassen der Förderschulen.

Streng genommen ist für alle Klassen sogar täglicher Präsenzunterricht möglich, sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern garantiert werden kann. Weil das in den meisten Schulen nicht möglich ist, kommt es in der Regel aber zum Wechselunterricht mit geteilten Klassen.

Schon bisher waren Abschlussklassen sowie Elft- und Viertklässler auch bei einem Inzidenzwert über 100 im Wechselunterricht – dabei bleibt es auch künftig. Alle anderen Klassenstufen müssen bei höheren Corona-Zahlen vorerst weiter zu Hause lernen (siehe unten: 7. Juni).

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Bei den Schulen heißt es also: Bis zu den Pfingstferien Lockerungen nur für die Grundschulen. An den weiterführenden Schulen braucht's einen längeren Atem.

Ab Montag (10. Mai): Körpernahe Dienstleistungen

Sogenannte körpernahe Dienstleistungen sind ab Montag mit Testpflicht und gebuchtem Termin bei einem Inzidenzwert unter 100 in Bayern wieder erlaubt - unter anderem also Besuche von Kosmetikstudios. Das gleiche gilt auch für Hundeschulen. Zu den Auflagen gehören weiterhin auch eine FFP2-Maskenpflicht und ein Hygienekonzept.

Ab 21. Mai: Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze

Einen Tag vor dem Beginn der bayerischen Pfingstferien soll Urlaub in Bayern möglich werden: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von weniger als 100 sollen ab 21. Mai Hotels, Ferienwohnungen sowie Campingplätze wieder Gäste empfangen dürfen. Diese Öffnungen sollen laut Staatskanzlei mit strengen Auflagen verbunden sein - Terminvereinbarungen, Corona-Tests, Abstands- und Hygienemaßnahmen. Vollständige Geimpfte sollen ohne Testpflicht Urlaub machen können.

Möglicherweise werden bis 21. Mai auch noch weitere Lockerungen für die Tourismus- und Freizeitbranche auf den Weg gebracht. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach von Perspektiven für "den Bereich der Freizeiteinrichtungen, von der Seilbahn bis zum Reisebus". Beschlüsse dazu stehen aber noch aus.

Voraussichtlich ab 7. Juni: Ausgangssperre

An der nächtlichen Ausgangssperre in Kommunen mit einer Inzidenz über 100 soll sich bis Anfang Juni nichts ändern: Von 22 bis 5 Uhr darf die Wohnung nur aus wenigen, genau definierten Gründen verlassen werden. "Für die nächsten vier Wochen gilt noch mal ein strengerer Maßstab als danach", sagte Söder. Das gilt allerdings schon ab 6. Mai nicht mehr für vollständig Geimpfte und Covid-Genesene. Für die Zeit ab 7. Juni ist laut Söder vereinbart, die "Erleichterung des Bundes aufzunehmen". Das bedeutet: Spaziergänge oder Joggen wären dann bis 24 Uhr möglich.

Voraussichtlich ab 7. Juni: Weiterführende Schulen

Die meisten Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 müssen sich noch gedulden: Bis zu den Pfingstferien bleibt es für weiterführende Schulen in Bayern beim strengeren Inzidenzwert 100, ab dem alle mit Ausnahme von Elft- und Abschlussklassen zuhause lernen müssen. Nach den Ferien, also ab 7. Juni, dürfte sich das dann ändern. Ab dann soll auch für weiterführende Schulen der Grenzwert 165 gelten. Für viele Schüler in Bayern – etwa Fünft- oder Sechstklässler – wird das bedeuten, dass sie nach vielen Monaten zuhause erstmals wieder in die Schule dürfen.

Laienmusik und Amateurtheater

Einen Termin, wann Laien- und Amateurensembles wieder auf Proben oder gar Aufführungen hoffen dürfen, gibt es bisher zwar nicht. Bereits nächste Woche aber sollen Kunst- und Gesundheitsministerium dem Kabinett ein Konzept für Auftritts- und Probenmöglichkeiten in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz unter 100 vorlegen. "Wir setzen daher alles daran, wieder mehr Miteinander im Probenbetrieb zu ermöglichen", sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU).

Was ist mit Fitnessstudios?

Wer auf eine Rückkehr aufs Laufband oder die Trainingsband im Fitnessstudio hofft, muss sich noch gedulden. "Bei Fitnessstudios gibt es noch keine Bewegung", sagte Söder. Voraussetzungen für eine Öffnung hier sind weiter sinkende Corona-Zahlen: Es werde "alles, wenn es so weitergeht, seinen Gang gehen".

Das sagt die Opposition zu den Plänen

Die Landtags-SPD hält die Freiheiten für Geimpfte und Genesene für einen Schritt in die richtige Richtung. Fraktionschef Horst Arnold fordert von der Staatsregierung auch, die nun angekündigten Öffnungen schnell und unbürokratisch umzusetzen. Er betonte, dass die Ausgangssperre in Bayern weiterhin "nicht korrekt angeknüpft" an die bundesweite Regelung sei – gemeint ist die strengere Ausgangssperre ab 22 Uhr.

Die bayerische AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner befürchtet durch die Lockerungen für Geimpfte eine "Impfpflicht durch die Hintertür". Die von Söder in Aussicht gestellte "Rückgabe der Grundrechte" erfolge "auf Basis von Bedingungen, die nur ein Teil der Gesellschaft erfüllen kann oder will", sagt Ebner-Steiner. "Der andere Teil der Gesellschaft wird nach Söders verfassungswidriger Logik vom sozialen Leben, wie beispielsweise der Gastronomie, ausgeschlossen." Die AfD sei bestürzt über diesen "äußerst problematischen Umgang mit den Grund- und Freiheitsrechten".

FDP-Fraktionschef Martin Hagen findet es nach eigenen Angaben gut, dass sich Söder und die CSU in Richtung Lockerungen bewegen. Allerdings brauche es auch für die Schüler an weiterführenden Schulen endlich eine Perspektive. "Die sind jetzt seit Monaten im Distanzunterricht", betonte Hagen im BR Fernsehen. "Auch ein Fünft- oder Sechstklässler kann nicht alleine zu Hause sitzen und lernen." Die angekündigten Lockerungen für Hotels bieten laut Hagen zudem "keine verlässliche Perspektive für den Tourismus". Einige Hoteliers wüssten gar nicht, wie sie jetzt mit Reservierungen umgehen sollen – weil man nicht wisse, wie sich der Inzidenzwert in den kommenden Wochen entwickle.

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Gastro, Hotels, Schulen: Bayerns Fahrplan aus dem Lockdown

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