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Bayerns Corona-Exit: Was ab wann erlaubt ist | BR24

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Seit dem 21. März ist das Leben in Bayern weitgehend lahmgelegt. Nun hat das Kabinett weitreichende Lockerungen der harten Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen.

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Bayerns Corona-Exit: Was ab wann erlaubt ist

In Bayern werden noch in diesem Monat zahlreiche Corona-Einschränkungen gelockert: Museen öffnen, Angehörige in Heimen dürfen besucht werden, die Gastronomie startet, weitere Kinder kehren an Schulen und Kitas zurück. Alle Beschlüsse im Überblick.

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Als zweites Bundesland nach Niedersachsen hat Bayern ein umfassendes Konzept beschlossen, wie die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie schrittweise gelockert werden sollen. Im Vergleich zu Niedersachsen setzt die Staatsregierung bei ihrem "Bayern-Plan" aber auf langsamere Öffnungen, wie Ministerpräsident Markus Söder am Mittag nach einer Kabinettssitzung erläuterte. Es sei ein Modell für "den umsichtigen, den vorsichtigen Weg". Trotzdem greifen erste Lockerungen schon am Mittwoch, weitere kommen nach und nach hinzu. Alle Beschlüsse gelten aber unter dem Vorbehalt, dass sich die Infektionszahlen weiter positiv entwickeln.

Kontakt- statt Ausgangsbeschränkung (ab 6. Mai)

Nach sechseinhalb Wochen entfällt am Mittwoch die Ausgangsbeschränkung in Bayern. Es gilt aber eine Kontaktbeschränkung und ein Distanzgebot: Zwar darf jeder in Bayern seine Wohnung wieder ohne triftigen Grund verlassen, sollte aber physische Kontakte zu Menschen aus anderen Haushalten weiterhin auf "ein absolut nötiges Minimum" reduzieren.

Erlaubt ist künftig, neben einer weiteren Person auch Angehörige der engeren Familie zu treffen oder zu besuchen ("Verwandte in gerader Linie"). Dabei gilt noch immer, dass ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden sollte. "Ansammlungen" im öffentlichen Raum bleiben verboten.

Spielplätze dürfen öffnen (6. Mai)

Bund und Länder hatten vergangene Woche schon grünes Licht gegeben, jetzt folgt die Umsetzung in Bayern: Am Mittwoch werden Spielplätze im Freistaat wieder geöffnet - das gilt allerdings nicht für Bolzplätze.

Besuche in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (9. Mai)

"Rechtzeitig zum Muttertag" an diesem Sonntag lockert Bayern dem Ministerpräsidenten zufolge das Besuchsverbot in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen, Altenheimen und Seniorenresidenzen sowie Behinderteneinrichtungen.

Besucher müssen sich allerdings an strenge Vorgaben halten: Ab Samstag (9. Mai) wird der Besuch einer festen, registrierten Kontaktperson oder eines Familienmitgliedes mit fester Besuchszeit möglich. Dabei gilt ein Mindestabstand zwischen dem Besucher und der besuchten Person sowie eine Maskenpflicht für beide. Die Besuche sollen laut Söder möglichst im Freien stattfinden.

800-Quadratmeter-Regel in Geschäften entfällt (11. Mai)

Nachdem in Bayern zunächst nur kleinere Geschäfte wieder öffnen durften und größere Läden ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzen mussten, entfällt diese Regelung am Montag: Somit dürfen laut Staatskanzlei alle Handels- und Dienstleistungsbetriebe unter Auflagen wie der Maskenpflicht öffnen - auch Kaufhäuser, Einkaufszentren und Wochenmärkte. Dabei gilt: Zwischen Kunden muss grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, und es darf sich maximal ein Kunde je 20 Quadratmeter Verkaufsfläche im Geschäft aufhalten. Ministerpräsident Söder sagte, auch Nagel- und Kosmetikstudios dürften wieder betrieben werden.

Bestimmte Sportarten werden wieder erlaubt (11. Mai)

Am Montag wieder zugelassen wird "kontaktfreier Individualsport mit Abstand" im Freien - beispielsweise Tennis, Leichtathletik, Golf, Segeln, Flugsport. Reiten darf man auch in der Halle.

Mannschaftssport bleibt laut Söder vorerst verboten. Die Staatskanzlei kündigt aber an, das Innenministerium werde in Zusammenarbeit mit den Sportfachverbänden und in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium ein Konzept für weitere Lockerungen im Sport erarbeiten.

Zoos, Bibliotheken, Museen, Fahr- und Musikschulen öffnen (11. Mai)

Unter Auflagen dürfen am Montag auch Tierparks und botanische Gärten wieder öffnen. Das gilt nur für Außenanlagen - Gastronomie und Streichelzoos müssen vorerst geschlossen bleiben.

Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten können ebenfalls ihre Pforten wieder öffnen. Ähnlich wie in Zoos gilt dort die Regel, dass nur ein Besucher pro 20 Quadratmeter zulässig ist und ein Mindestabstand eingehalten werden muss.

Für Fahrschulen gilt: Beim Theorieunterricht muss die Abstandsregel befolgt werden, bei Fahrstunden ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch Einzelunterricht an Musikschulen wird am Montag wieder erlaubt - bei Einhaltung des Mindestabstands.

Kinderbetreuung wird schrittweise ausgeweitet (ab 11. Mai)

Bei Kindergärten und Krippen bleibt laut Söder "Vorsicht" der Leitmaßstab, dennoch wird die Kinderbetreuung Schritt für Schritt wieder ausgeweitet. "Unser Ziel ist, dass bis Pfingsten rund 50 Prozent der Kinder wieder die Möglichkeit haben, die entsprechenden Einrichtungen zu besuchen", sagte der Ministerpräsident. Die andere Hälfte solle dann nach Pfingsten folgen.

Die geplanten Schritte: Ab Montag wird die Notfallbetreuung noch einmal ausgeweitet. Dann sollen auch Kinder mit Förder- oder mit besonderem erzieherischen Bedarf wieder in die Betreuungseinrichtungen dürfen. Ebenfalls ab Montag wird die Tagespflege teilweise wieder zugelassen. Dabei dürfen maximal fünf fremde Kinder gleichzeitig betreut werden. Darüber hinaus werden feste Familienbetreuungsgruppen - die maximal aus drei Familien bestehen - erlaubt. "Dies beides zusammen schafft eine große Erleichterung für viele viele Familien und Kinder", sagte Söder.

Ab dem 25. Mai kommen alle Vorschulkinder hinzu, außerdem dürfen Waldkindergärten öffnen.

Weitere Öffnung von Schulen in Stufen (ab 11. Mai)

Seit 27. April werden an den bayerischen Schulen die Abschlussklassen wieder unterrichtet, am Montag sollen laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) die "Vorabschlussklassen" der weiterführenden Schulen folgen: 11. Klassen an Gymnasien, 9. Realschul-Klassen und 8. Klassen der Mittelschulen. Auch Viertklässler kehren am Montag an die Schulen zurück.

Bis Pfingsten sollen rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen an die Schulen zurückkehren. Ab 18. beziehungsweise 25. Mai ist wieder Präsenzunterricht für Erstklässler an Grundschulen, die 5. Klassen an Mittelschulen sowie die 5. und 6. Klassen an Realschulen und Gymnasien geplant. Diese Schüler sollen nach Angaben von Piazolo wochenweise im Wechsel unterrichtet werden. Für Schüler der 2. und 3. Klassen werde ein "schmales Angebot" geprüft.

Schüler aller anderen Jahrgangsstufen sollen dann nach dem Pfingstferien ab 15. Juni zurück an die Schulen - auch hier ist ein "gestaffelter Unterrichtsbetrieb im wöchentlichen Wechsel der Gruppen" geplant, um das Abstandsgebot einhalten zu können. Der Schulstoff werde angesichts der aktuellen Lage reduziert, kündigte Minister Piazolo an. Söder betonte einmal mehr, keiner solle wegen Corona sitzenbleiben.

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Mitte Juni sollen alle bayerischen Schüler wieder in die Schule gehen können, sagte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo nach der Kabinettssitung in Bayern. Es solle geteilte Klassen und kleine Gruppen geben mit höchstens 15 Schülern.

Mund-Nasen-Schutz an Schulen: Neben der Teilung von Klassen, Abstandsregeln und täglicher Desinfektion in den Schulen wird auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu den Schutzmaßnahmen an Schulen gehören. "Wir machen keine Maskenpflicht im Unterricht", erläuterte Söder, "aber eine Maske in der Schule". Die Schutzmaske solle beispielsweise auf dem Pausenhof, in sanitären Einrichtungen oder auf den Gängen getragen werden, da es dort sehr schwierig sei, Abstand zu halten.

"Gelockerte Präsenzpflicht" bis Pfingsten an Schulen: Aus Rücksicht auf sehr besorgte Eltern gilt nach Angaben Söders bis Pfingsten eine "gelockerte Präsenzpflicht". Eltern, die nach eigener Einschätzung einer Risikogruppe angehören, müssen ihre Kinder bis Pfingsten nicht in die Schule schicken - sondern können weiter auf digitalen Unterricht und lernen zu Hause setzen. Auch Lehrer aus Risikogruppen müssen bis Pfingsten nicht in die Schulen.

Keine Verkürzung von Ferien: Obwohl der Unterricht an den Schulen über Wochen ausgefallen ist, wird an den Pfingst- und Sommerferien nach Angaben von Ministerpräsident Söder nicht gerüttelt. "Ferienzeiten bleiben, die werden nicht verkürzt", stellte er klar. Es solle aber eine Notbetreuung und "freiwilliges Nachlernen" ermöglicht werden.

Fahrplan für die Gastronomie (ab 18. Mai und 25. Mai)

Geplant ist eine schrittweise Öffnung der Gastronomie. Den Anfang machen am 18. Mai die Außenbereiche wie Biergärten, die dann bis 20.00 Uhr öffnen dürfen. Das sehe die Staatsregierung auch als "Probebetrieb" für die übrige Gastronomie, erläuterte Söder. Dabei sollen strenge Auflagen gelten: eine begrenzte Gästezahl, die Sicherstellung von Abstand, die Ausarbeitung von Hygiene-Konzepten durch die Betriebe, auch von einer Reservierungspflicht ist in der Mitteilung der Staatskanzlei die Rede.

Unter ähnlichen Auflagen sollen dann ab 25. Mai Speisegaststätten auch ihren Innenbereich öffnen dürfen - bis maximal 22.00 Uhr. Gäste müssen laut Söder am Tisch keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, aber beispielsweise bei Toilettengängen und beim Betreten des Lokals.

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Ab dem 18. Mai dürfen die Biergärten in Bayern unter Auflagen wieder öffnen - nun braucht es dazu laut Wirtschaftsminister Aiwanger noch das passende Biergartenwetter.

Hotellerie und Tourismus (ab 30. Mai)

Zum Start der Pfingstferien am 30. Mai soll der Tourismus wieder starten, Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen dürfen dann wieder betrieben werden. "Allerdings ohne Sauna, ohne Wellness, ohne Schwimmbäder - mit strengen hygienischen Konzepten", betonte Söder. Auch Schlösser und Freizeitparks sollen wieder öffnen, die Seenschifffahrt starten. Verpflegung ist laut Staatskanzlei "nur mit Abstand und begrenztem Einlass" möglich.

Keine Entscheidung zu Theatern

Zu Theatern wurde noch keine Entscheidung getroffen. "Da gibt es noch eine Reihe von Kulturgesprächen", sagte Söder. Die Staatskanzlei kündigte an, das Wissenschaftsministerium werde in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium ein Konzept für den weiteren Umgang mit Kultureinrichtungen erarbeiten.

Schwimmbäder und Fitnessstudios müssen warten

Einen Termin für die Öffnung von Freibädern gibt es nach Angaben des Ministerpräsidenten noch nicht. Fest steht aber: "Vor Juni gar nichts", betonte Söder. Die Infektionsgefahr sei einfach zu groß. Auch für Fitnessstudios gibt es vorerst noch keine Öffnungsperspektive. Diese wird laut Söder von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen abhängen.

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