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Bayerns bekanntester Brachvogel "Schnepfingerin" doch nicht tot | BR24

© BR/Anne-Lena Schug
Bildrechte: Joachim Aschenbrenner, LBV

Ein toterklärter Brachvogel ist in seinem Brutgebiet bei Dingolfing-Landau wieder aufgetaucht. Vor einem Jahr war der besenderte Brachvogel namens "Schnepfingerin" während seines Rückfluges von Spanien in das beheimatete Brutgebiet verschollen.

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Bayerns bekanntester Brachvogel "Schnepfingerin" doch nicht tot

Ein toterklärter Brachvogel ist in seinem Brutgebiet bei Dingolfing-Landau wieder aufgetaucht. Vor einem Jahr war der besenderte Brachvogel namens "Schnepfingerin" während seines Rückfluges von Spanien in das beheimatete Brutgebiet verschollen.

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Von
  • Anne-Lena Schug

Es ist eine große Überraschung. Die "Schnepfingerin" ist doch nicht tot. Joachim Aschenbrenner, Vorstand der LBV-Kreisgruppe Dingolfing-Landau, hat sie entdeckt.

Das ganze Jahr über beobachtet er das Brutgebiet im Königsauer Moos. Er kennt die Stellen, an denen die vom Aussterben bedrohten Brachvögel brüten. Am 8. März 2021 fotografiert er zwei Brachvogelpaare.

Rote Markierung fällt auf

Am Bein eines Weibchens fällt ihm eine rote Markierung auf. Zuhause am Bildschirm zoomt er an diese Stelle und erkennt eine Nummer. Er meldet seine Entdeckung an Verena Auernhammer, LBV-Projektleiterin Brachvogel-Telemetrie. Sie stellt überrascht fest: Bei dem Weibchen handelt es sich, der Nummer nach, eindeutig um die "Schnepfingerin": Den wohl bekanntesten Brachvogel, der eigentlich für toterklärt wurde. Eine Sensation.

Für tot erklärt, weil Sender keine Bewegung mehr zeigt

Denn vor einem Jahr gab es eindeutige Indizien, dass der Brachvogel, der mit einem Sender ausgestattet war, während seines Rückfluges von Spanien in das beheimatete Brutgebiet gewildert wurde.

"Am 19. März 2020 hat der Vogel laut Senderdaten seine Flugroute abrupt verlassen. Die Bewegungen endeten am Rande eines kleinen spanischen Dorfes nahe der Pyrenäen. Von dort aus übermittelte der Sender weiter seine Daten, allerdings ohne sich zu bewegen", berichtet Verena Auernhammer.

Die Auswertung der Bewegungsmuster hatte ein völlig unnatürliches Verhalten in den letzten Stunden gezeigt, bevor der Sender zum Stillstand kam. Das LBV-Team sprach mit Naturschutzorganisationen vor Ort und versuchte an den Sender zu kommen. Doch der lang in einem umzäunten, privaten Grundstück, das nicht ohne Weiteres betreten werden konnte. Schließlich deutete für das Team alles daraufhin, dass der seltene Vogel abgeschossen wurde.

Die "Schnepfingerin" ist ein Star

Umso erfreuter ist das Team, dass die "Schnepfingerin" doch noch lebt. Die Süddeutsche Zeitung hatte den Vogel durch eine Reportage-Serie bekanntgemacht. Ihren Namen verdankt der Vogel einer Abstimmung unter SZ-Leserinnen und –Lesern, die den Weg des seltenen Vogels interessiert verfolgten und an ihrem Schicksal teilnahmen.

Unklar, was mit Sender passierte

Die Artenschützerinnen und –schützer können nicht eindeutig erklären, wie es zu dem Verschwinden des Senders kommen konnte. Vielleicht hat der Vogel den Sender im Flug oder bei einer Zwischenlandung verloren oder er wurde bei einem Kampf mit einem Greifvogel erbeutet. Doch nun geht es vor allem darum, dass die "Schnepfingerin" Ruhe bekommt.

"Schnepfingerin" und ihr Partner bemühen sich um Nachwuchs

Sie und ihr Partner, sowie die rund 30 bis 40 Brachvogel-Brutpaare im Königsauer Moos, bereiten sich nun auf die Brutsaison vor. Wie LBV-Sprecher Simon Weigl erklärt, hat die "Schnepfingerin" auf jeden Fall schon 2018 und 2019 in dem Gebiet gebrütet. Jedoch ist die Brut bei Brachvögeln häufig nicht erfolgreich, so Weigl. Die Vögel brüten in höheren Wiesen am Boden. Hier werden sie häufig von Spaziergängern oder Hunden gestört oder von Füchsen, Greifvögeln oder anderen Tieren erbeutet. Freiwillige des LBV stecken deshalb zum Schutz der Brachvögel häufig das Brutgebiet mit einem Elektrozaun ab. Doch nach der Brut fallen viele Jungvögel, die gerade flügge geworden sind, Brachvögelfressern zum Opfer.

So können Sie Brachvögel schützen

Spaziergänger können ihren Teil zum Erhalt der Wiesenbrüter beitragen, indem sie die Brutgebiete bis Juni nicht betreten, auf den öffentlichen Wegen bleiben, nur ausgewiesene Beobachtungsmöglichkeiten nutzen und vor allem Hunde an die Leine nehmen. "Jegliche Störung in den Brutgebieten ist zu vermeiden, damit die Erfolgsgeschichte der bedrohten Brachvögel weitergehen kann", so Verena Auernhammer.

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