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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

In Bayern ist die Zahl der Erstanträge auf Asyl weiter zurückgegangen. Knapp 12.400 Anträge waren es 2020. Das sind rund 6.000 weniger als im Jahr zuvor. Coronabedingt gab es auch deutlich weniger Abschiebungen.

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Bayerns Asylbilanz 2020: Weniger Abschiebungen und Erstanträge

Corona hinterlässt auch in der Asylpolitik Spuren. So gab es in Bayern 2020 weniger Abschiebungen. Dass Menschen trotz Pandemie in ihre Herkunftsländer zurückgebracht wurden, stößt aber auch auf Kritik. Innenminister Herrmann stellte die Zahlen vor.

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Von
  • Lisa Weiß
  • BR24 Redaktion

Es war ein außergewöhnliches Jahr. Eines, das sich nur schwer mit anderen Jahren vergleichen lässt – das Coronavirus hat fast alles beeinflusst. Und so ist auch Innenminister Joachim Herrmann klar, dass es vor allem an der Pandemie liegen dürfte, dass weniger Migranten nach Bayern gekommen sind als in den Jahren zuvor.

Zufrieden ist er trotzdem: Die Migrationssteuerung sei trotz Corona gelungen. Auch die Herausforderungen bei der Betreuung und Unterbringung meistere Bayern erfolgreich.

Mehr Reisebeschränkungen, weniger Abschiebungen

Rund 1.500 Menschen sind nach Angaben des Innenministeriums 2020 abgeschoben worden, gut die Hälfte davon Straftäter. Etwa 8.000 Personen sind außerdem freiwillig ausgereist. Schaut man sich die Zahlen an, sind das deutlich weniger als im Jahr zuvor. Die Ursache dafür: Wieder einmal die Pandemie, sagt Herrmann.

"Zum einen coronabedingt erhebliche Beeinträchtigungen bei den Flügen, in manche Länder fanden überhaupt keine Flüge mehr statt. Zum anderen Einreisebeschränkungen in manchen Zielländern, coronabedingte. Und zum anderen gab es auch Schwierigkeiten bei der Passbeschaffung, weil die Konsulate zahlreicher Länder in unserem Land geschlossen waren." Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister

Wieder weniger Asylanträge

Aber auch die Zahl der Erstanträge auf Asyl ging weiter zurück. 2020 waren es laut Innenministerium 12.346 Anträge. Im Jahr davor hatte die Behörde noch 18.368 Anträge registriert. 2018 waren es rund 21.900.

Einen Schutzstatus erhielten knapp 6.500 Antragsteller, 11.581 Anträge wurden dagegen abgelehnt. "Wer einen Schutzstatus erhält, dem stehen alle Möglichkeiten offen. Das ist Humanität. Wer keinen Schutzstatus erhält, muss unser Land aber auch wieder verlassen. Das ist Ordnung," so der Innenminister.

Corona-Gefahr in den Unterkünften

Eine weitere Herausforderung durch die Pandemie: Die meisten Asylsuchenden leben nicht alleine in einer Wohnung, sondern in größeren Unterkünften. Um sie möglichst gut vor einer Infektion zu schützen, gebe es unter anderem hohe Hygienestandards und viele Coronatests, so der Innenminister. Die Belegung sei entzerrt worden, Risikogruppen würden getrennt untergebracht.

"Dieses Konzept und die hohe Kooperationsbereitschaft jedenfalls der allermeisten Bewohner zeigen auch ihre Wirkung. Insgesamt sind im Moment deutlich weniger als ein Prozent der 66.000 in den Asylbewerberunterkünften untergebrachten Personen mit dem Coronavirus infiziert." Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister.

Kritik vom Bayerischen Flüchtlingsrat

Der Bayerische Flüchtlingsrat sieht Bayerns Umgang mit der Pandemie nicht so positiv: Im bundesweiten Vergleich hätten sich im Freistaat in absoluten Zahlen am meisten Geflüchtete mit dem Coronavirus infiziert. Viele große Unterkünfte hätten wochenlang unter Quarantäne gestanden. Denn bei vielen Menschen auf engem Raum überträgt sich das Virus leicht, sagt Agnes Andrae vom Flüchtlingsrat.

"Was passieren müsste, ist auf jeden Fall ein Überdenken der Massenunterbringung in Geflüchtetenlagern. Es ist einfach ein Unding, dass man Leute gemeinsam unterbringt, die überhaupt nicht die Möglichkeit haben, Abstände zu halten. Aber das Allermindeste, was jetzt gemacht werden müsste, ist ein Abschiebemoratorium für die Zeit der Corona-Pandemie." Agnes Andrae, Bayericher Flüchtlingsrat

In Zeiten einer Pandemie Menschen in Länder zurückzuschicken, die deutlich schlimmer von der Corona-Pandemie betroffen sind als Deutschland – in Länder, deren Gesundheitssysteme kurz vor dem Kollaps stehen – das ist nach Ansicht des Flüchtlingsrats unmenschlich.

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