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Bayerns Arbeitsagenturen-Chef: Plädoyer für längere Kurzarbeit | BR24

© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Ralf Holtzwart, sprach von einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen "in historischem Ausmaß".

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    Bayerns Arbeitsagenturen-Chef: Plädoyer für längere Kurzarbeit

    Die Corona-Krise schlägt auf dem Arbeitsmarkt voll zu: Bayerns Arbeitsagenturen-Chef sieht in den aktuellen Arbeitslosenzahlen einen Anstieg "in historischem Ausmaß". Die Kurzarbeit habe aber Schlimmeres verhindert – und sollte verlängert werden.

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    Seit dem Beginn der Coronakrise haben 141.289 Menschen in Bayern ihre Arbeit verloren und sind dadurch arbeitslos geworden. Allerdings fanden im gleichen Zeitraum (Mitte März bis Mitte Juli 2020) auch rund 95.000 Arbeitslose wieder einen Job.

    Anstieg "in historischem Ausmaß"

    Üblicherweise geht die Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum aber saisonbedingt deutlich zurück. Der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Ralf Holtzwart, der die Zahlen heute vorstellte, sprach deshalb von einem Anstieg "in historischem Ausmaß". Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im Freistaat bei 3,9 Prozent. Knapp 297.000 Menschen sind arbeitslos gemeldet. Am stärksten betroffen war Holtzwarts Angaben zufolge der Handel, wo knapp 20.000 Menschen entlassen wurden, gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe, wo 19.000 Jobs verloren gingen. Stark betroffen waren außerdem die Zeitarbeit mit einem Minus von knapp 16.000 und das Gastgewerbe mit gut 15.000 verlorenen Arbeitsplätzen.

    Oberbayern besonders betroffen

    Regional zeigten sich deutliche Unterschiede. Am stärksten von den Corona-Auswirkungen betroffen ist Oberbayern, wo die Zahl der Arbeitslosen um fast 39,2 Prozent zunahm. Am geringsten waren die Auswirkungen in Niederbayern und der Oberpfalz, wo die Zahl um 8,9 bzw. 11,6 zunahm. In beiden Regierungsbezirken ist der Anteil der Beschäftigten am Bau und in der Landwirtschaft sehr hoch. Dagegen spielen in Oberbayern exportabhängige Industrien und die Gastronomie eine große Rolle.

    Kurzarbeit hat Schlimmeres verhindert

    Dass die Arbeitslosigkeit nicht noch viel stärker angestiegen ist, führt die bayerische Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit fast ausschließlich auf das Instrument der Kurzarbeit zurück. Hierzu gibt es keine aktuellen Daten, weil die genaue Zahl der tatsächlich Kurzarbeitenden erst im Nachhinein über die Abrechnungen der Betriebe ermittelt wird. Im März und April waren es über 1,6 Millionen, im Mai laut einer Umfrage des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung noch etwa 1,2 Millionen Menschen in Bayern.

    Kurzarbeit wird stark genutzt

    "Die Hälfte von ihnen arbeiteten weniger als die Hälfte ihrer üblichen Arbeitszeit", berichtete Agenturchef Holtzwart. Es sei richtig, dass die Betriebe das Instrument so stark nutzten. "Die Kurzarbeit ist einfach großartig", bilanzierte Holtzwart und sprach sich dafür aus, die derzeit geltenden, vereinfachten Möglichkeiten zu verlängern. "Allerdings nur für Betriebe, die vor der Krise schwarze Zahlen hatten."

    Holtzwart wagt keine Prognose

    Eine belastbare Prognose, wie sich der Arbeitsmarkt nach den Sommerferien entwickeln werde, habe man nicht, gestand Holtzwart ein. Die Agenturen stellten sich auf eine Welle von Insolvenzen ein. In Bayern könnten etwa 6.000 Betriebe Pleite gehen, etwa dreimal so viele wie in einem üblichen Jahr. Zusammen mit dem saisonüblichen Winteranstieg könnte die Arbeitslosenquote in Bayern bis zum Februar auf einen Wert zwischen 4,4, und 4,9 Prozent steigen. Dies setze aber voraus, dass es keinen erneuten Lockdown gebe.

    Holtzwart: Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit

    Holtzwart appellierte erneut an noch nicht mit einem Ausbildungsplatz versorgte Jugendliche, sich auf Lehrstellen zu bewerben. Auch an die Eltern gewandt, mahnte er, sich nicht beirren zu lassen.

    "Lassen Sie sich nicht verunsichern! Fachkräfte werden gebraucht, und eine gute Ausbildung ist die beste Arbeitslosenversicherung." Ralf Holtzwart, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen

    Derzeit seien bei den Arbeitsagenturen noch rund 38.500 offene Ausbildungsplätze gemeldet. Rein rechnerisch kommen damit auf einen Bewerber zwei unbesetzte Lehrstellen.

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