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Dr. Jürgen Schott beim BR-Interview

Gesagt, getan! Denn auf 44.714 Einwohner kommen hier gerade mal 22 Ärzte, damit gilt die Region als klar unterversorgt.

Erste Station unseres BR-Busses: Weipoltshausen im Landkreis Schweinfurt. Und was wir da erlebt haben, hat uns wirklich nachdenklich gemacht. Denn einen Hausarzt gibt es hier schon lange nicht mehr. Bis zum nächsten Arzt müssen die Bewohner bis zu 25 Minuten mit dem Auto fahren. Für ältere Menschen ohne Auto ist das kaum machbar.

Ohne Auto ist der Arzt außer Reichweite

Ein Beispiel ist Rentner Winfried Spiegel. Er musste nach einem Herzinfarkt sein Auto abmelden. Noch fährt ihn sein Sohn zu den regelmäßigen Arztbesuchen, doch der wird bald umziehen. Der öffentliche Nahverkehr fährt zu selten und ist damit keine Alternative für den Rentner.

"Ich muss mein Auto wieder zulassen. Wenn ich kein Auto habe, bin ich aufgeschmissen!" Winfried Spiegel

Er fühle sich abgehängt, so Spiegel. Er fordere von den Politikern, sich um notwendige Dinge zu kümmern, etwa die fehlenden Hausärzte auf dem Land.

Zum Arzt des Vertrauens führt kein kurzer Weg

Aber auch für für die junge Mutter Larissa Schmitt ist die Situation nicht tragbar. Für ihren einjährigen Sohn fordert sie eine bessere Arztversorgung.

Denn sie hat bereits einen brenzligen Vorfall erlebt, der ihr zu denken gab: Ihr Sohn erlitt plötzlich einen krampfartigen Krupphustenanfall. Der Kinderarzt war zu weit weg, es blieb nur der Weg nach Schweinfurt ins Leopoldina-Krankenhaus. Schwierig, findet Larissa Schmidt, denn gerade bei Kindern sollte ein Arztbesuch doch immer behutsam und im Idealfall in vertrauter Umgebung erfolgen.

Daher fordert sie von der Politik, die ärztliche Unterversorgung anzugehen, "um auch direkt in der Gemeinde einen festen Ansprechpartner und eine Vertrauensperson zu haben".

Der Rund-um-die-Uhr-Doktor stirbt aus

Dr. Jürgen Schott kann diesen Wunsch der Patienten sehr gut nachvollziehen. Zusammen mit Kollegen betreibt er seit einigen Jahren das HausarztZentrum in Grafenrheinfeld.

Auch er wünscht sich mehr Engagement von Seiten der Politik in Sachen Ärztemangel. Dennoch ist für ihn der rund um die Uhr erreichbare Hausarzt ein aussterbendes Modell, da ein Arzt alleine diesem Bedürfnis nicht mehr nachkommen könne.

Nach Schotts Meinung wurde ein Trend verschlafen: Die Ärztekammer warnte schon frühzeitig, dass viele der "Landärzte" aus Altersgründen – ohne Nachfolger – ihre Praxen schließen würden. Und dass es zu wenige Studienplätze für angehende Mediziner gebe.

Hausarztzentren als Perspektive für einen schönen Beruf

Daher fordert er: "Es müssen Anreize geschaffen werden, damit sich auf dem Land noch mehr Hausarztzentren bilden." Denn der Vorteil dieser Zentren liege darin, dass sich mehrere Ärzte die Patienten, aber eben auch Nacht- und Wochenenddienste teilen. Auf diese Weise sollen sie wieder Hausarztbesuche anbieten können, um auch ein größeres Einzugsgebiet zu versorgen.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, sagt Dr. Jürgen Schott, "dann ist der Hausarztberuf wieder ein sehr schöner Beruf, ich kann's nur jedem raten!"

Autoren

Alexandra Rinschler
Christine Schlech

Sendung

Abendschau vom 18.09.2018 - 16:00 Uhr