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#BayernReise in der Oberpfalz: Verfolgungsjagd in Waidhaus | BR24

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2000 Kilometer durch die sieben Regierungsbezirke und immer den Fragen nach: Wo finden wir bei uns in Bayern Europa? Welche europäischen Themen brennen den Bayern unter den Nägeln? Oberpfalz: Schleierfahndung und die Freude über offene Grenzen.

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#BayernReise in der Oberpfalz: Verfolgungsjagd in Waidhaus

Roadtrip durch die Heimat: Die #BayernReise vor der Europawahl macht Station in der Oberpfalz an der Grenze zu Tschechien. Zwei Schleierfahnder zeigen ihren Alltag - und erklären, wie die EU-Erweiterung ihre Arbeit beeinflusst.

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Ein kleiner Ort in der Oberpfalz, direkt an der Grenze zu Tschechien. Nicht einmal 3.000 Leute wohnen in Waidhaus. Auf der Hauptstraße geht es aber zu wie in der Großstadt. Wer ohne Vignette nach Tschechien fahren will, kommt hier durch. Mittendrin im dichten Verkehr: Maria Bartmann mit ihrem Traktor. Ob sie zur Europawahl geht? "Ja, weil es ganz wichtig ist - besonders für uns Landwirte. Der offene Markt, das Miteinander mit denen Leuten. Keine Mauer mehr da. Die Welt ist offen für uns."

Dass das nicht immer so war, werden Rosalinde Hera-Mack und Helmut Federl nie vergessen. "Als Kind hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mal rüber darf. Meine Mutter hat immer gesagt: 'Geh ja nicht an den Grenzbach, die schießen auf dich.' Und jetzt sind sie in der EU wie wir. Das ist super", sagt Federl. Und Hera-Mack erinnert sich: "Wir waren so nah am Schlagbaum dran. Wir hatten eine Wiese direkt am Grenzbach. Da sind die Grenzpolizisten an der Grenze entlanggegangen mit Gewehr, mit MG. Und da hat man schon ein bisschen Angst gehabt. Aber Gott sei Dank ist das jetzt vorbei. Die Angst von früher ist weg."

Unterwegs mit Schleierfahndern

Ganz in der Nähe - an der A6 bei Waidhaus halten Thomas Dietz und Thomas Schneeberger von der Bundespolizei Ausschau nach einem auffälligen Fahrzeug. Seit dem Schengen-Abkommen, seitdem die Grenzen in Europa offen sind, sind die Schleierfahnder zivil unterwegs. Die beiden Fahnder sitzen in einem schwarzen Mercedes und beobachten den Verkehr, der von Tschechien nach Deutschland kommt.

Ein Kastenwagen mit bulgarischer Zulassung samt Anhänger mit Fahrzeug darauf weckt das Interesse der Fahnder. Oberkommissar Thomas Schneeberger gibt Gas, beschleunigt auf mehr als 200 km/h, setzt sich vor den Kleinlaster und lotst ihn mit Haltesignal auf den nächsten Autobahn-Parkplatz. In dem weißen Kastenwagen sitzen fünf Leute, zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind – mit viel Gepäck: kleine Taschen, große Tüten, Decken, Kartons.

"Ich schau mal kurz durch. Diese Tasche, wem gehört die? Machen Sie mal auf…." Thomas Dietz nimmt ein Deo-Spray heraus, schüttelt es. "Wenn es fest ist, dann ist oft fester Stoff drin, und dann sind die Drogen eingegossen. Okay, passt." Sein Kollege scannt währenddessen die Ausweise, jagt sie durch die Interpol-Datenbank. Liegt etwas gegen die Bulgaren vor, wissen die Polizisten das in wenigen Minuten. "Soweit ist alles gut. Im Fahrzeug haben wir auch nichts festgestellt. Also können die weiterreisen."

Suche nach Schleusern

Die Bundespolizisten fahren zu einem nahegelegenen Lkw-Parkplatz. Dort hätten sie schon mehrmals Schleuser aufgegriffen, erzählt Dietz, während die beiden aus dem Auto aussteigen. "Der Transport von Menschen ist menschenunwürdig. Man denkt immer: Das kann's nicht geben. In Zwischenräumen, dass da Personen drinliegen, ganz verschachtelt. Das hält man nicht für möglich."

Die beiden Polizisten gehen die Reihen zwischen den Lastwagen ab, halten die Ohren nach Klopfzeichen offen und werfen einen genauen Blick auf die einzelnen Laster: "Die haben Staufächer für Paletten - da kann man auch Menschen transportieren."

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Diesmal ist kein auffälliger Laster dabei. Doch gerade im vergangenen Jahr hat die Bundespolizei in Waidhaus wieder vermehrt Schleuser aufgegriffen. Da ist die Zusammenarbeit mit dem europäischen Nachbarn besonders wichtig, wie die Fahnder erklären. Die Absprachen, die gemeinsamen Datenbanken, die Kommunikation, das seien die Vorteile der EU, sagt Schneeberger: "Es ist schon ein angenehmeres Arbeiten als früher, wo man abgekapselt war. Es ist alles offen. Wir können auch relativ einfach nach Tschechien hinüberfahren. Wenn sich jemand der Kontrolle entzieht, dann fahre ich rüber."

Aber gibt’s nicht mehr Kriminalität durch die offenen Grenzen? Die Bundespolizisten schütteln den Kopf. Schließlich wurde früher auch nicht jedes Fahrzeug kontrolliert. Schengen wollen sie nicht missen - auch privat nicht: "Europa bedeutet, dass wir reisen können ohne aufgehalten zu werden, dass hier im Grenzbereich alles vielfältiger wird."

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Roadtrip durch die Heimat: Die #BayernReise vor der Europawahl macht Station in der Oberpfalz an der Grenze zu Tschechien. Zwei Schleierfahnder zeigen ihren Alltag - und erklären, wie die EU-Erweiterung ihre Arbeit beeinflusst.