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BayernReise in Mittelfranken: Weniger jammern, mehr machen | BR24

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15. März: Kommunalwahl in Bayern. Was erwarten und erhoffen sich engagierte Bürger von der Wahl? Los geht es in Mittelfranken.

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BayernReise in Mittelfranken: Weniger jammern, mehr machen

Kommunalwahl am 15. März in 2.056 bayerischen Städten, Märkten und Gemeinden. Dort engagieren sich viele Bürger für Bürger: Was erwarten und erhoffen sie sich von der Wahl? Zeit für eine BayernReise, die in Mittelfranken startet.

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Von
  • Alexandra Rinschler
  • Christine Schlech
  • BR24 Redaktion
© Bayerischer Rundfunk 2020

Kommunalwahl am 15. März in 2056 bayerischen Städten, Märkten und Gemeinden. Dort engagieren sich viele Bürger für Bürger - und die haben wir gefragt: Was erwarten und erhoffen sie sich von der Wahl. Heute sind wir in Mittelfranken unterwegs.

Immer weniger Bürgerinnen und Bürger wollen sich allein auf die Politik verlassen. Sie packen selbst mit an – während in den Rathäusern noch diskutiert wird. Ein Beispiel: Ulsenheim in Mittelfranken.

Die 400 Einwohner haben ihren Ort zu etwas ganz Besonderem in Bayern gemacht. Denn Ulsenheim ist mit seiner Energieversorgung komplett autark. Auf fast jedem Haus ist eine Solaranlage montiert, es gibt eine Photovoltaik-Anlage, eine Biogasanlage und eine Hackschnitzel-Anlage – so leben die Ulsenheimer nicht nur annähernd frei von fossilen Brennstoffen, sondern produzieren sogar fünfmal mehr Strom als sie verbrauchen.

Ein Gewächshaus gab den Anstoß

Seinen Anfang hat alles vor 20 Jahren mit Gerhard Geuder und seinem Gewächshaus genommen. Gerhard Geuder ist ein Visionär, der nur so vor Ideen strotzt. Er hat sich seinen Traum vom Süden mit einem Gewächshaus erfüllt – Orangenbäume inklusive. "Im Winter muss es schon beheizt werden, wenn es kalt ist. Am Anfang habe ich das auch mit Heizöl gemacht, aber das hat mich immer sehr gestört", berichtet Geuder von der ersten Zeit mit seinem Gewächshaus. Mit Gleichgesinnten suchte er also nach Alternativen für die Energieversorgung und war so der Energiepolitik schon früh weit voraus.

Ökonomisch wirtschaften und Eigenleistung einbringen

"Wir heizen ungefähr, wenn man es mit Heizöl vergleichen würde, zu einem Drittel des Preises", sagt Geuder stolz. Und die Umsetzung klingt kinderleicht: "Wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber wir haben ökonomisch gewirtschaftet und viel in Eigenleistung gemacht und dann zahlt sich das aus."

Forderung an Politik: Erneuerbare Energien fördern

Das mag auch daran liegen, dass es in Ulsenheim kaum Streit rund um gemeinschaftliche Projekte gibt, wie in anderen Gemeinden. Darüber ist Gerhard Geuder besonders glücklich: "Das ist sehr schön, dass wir eine gute Solidargemeinschaft haben und sich alle gegenseitig unterstützen." Geuders Wunsch für die Kommunalwahl: Erneuerbare Energien sollten weiterhin gefördert werden.

Ansässige Unternehmen profitieren ebenfalls

Auch die ansässigen Unternehmen profitieren vom Energiekonzept Ulsenheims, wie das Weingut Meier-Schmidt – eines der größten Familienweingüter Deutschlands. Wie der Ort ist auch das Weingut annähernd energieautark.

"Uns ist nachhaltiges Arbeiten unfassbar wichtig. Wir haben Photovoltaik auf dem Dach, um den Strom selber zu erzeugen. Die Wärme kommt über die Nahwärme, über die örtlichen Biogasanlagen. Somit sind wir auf keine fossilen Brennstoffe angewiesen", erklärt Lukas Schmidt.

Und auch beim Weinbau gehen sie in diesem Weingut eigene Wege. Der Familienbetrieb verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel, betreibt aktiven Artenschutz in den Reben und arbeitet momentan an seiner Biozertifizierung. "Grundsätzlich ist unser Ansatz immer, dass wir nicht schimpfen, dass andere etwas besser tun müssen, damit wir überhaupt etwas tun können. Ich denke, ganz viel können wir selber beeinflussen", findet Markus Meier. Die Konsumenten müssten die Konsequenzen dann aber auch mittragen, so Meier weiter. Von der Politik wünschen sich Lukas Schmidt und Markus Meier verlässliche Unterstützung bei den Risiken, die der Klimawandel für die Weinbauern mit sich bringt.