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#BayernReise in Mittelfranken: Mit Gästen aus aller Welt leben | BR24

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2000 Kilometer durch die sieben Regierungsbezirke und immer den Fragen nach: Wo finden wir bei uns in Bayern Europa? Welche europäischen Themen brennen den Bayern unter den Nägeln? Mittelfranken: Gelebtes Multikulti und Touristenhochburg.

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#BayernReise in Mittelfranken: Mit Gästen aus aller Welt leben

Roadtrip durch die Heimat: Die #BayernReise vor der Europawahl macht Station im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber – einem Touristenmagnet, der die ganze Welt anzieht. Doch wo ist dort Europa zu finden?

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Zwölf Koreaner laufen einem roten Schirm hinterher. Alle haben ein Handy in der Hand. Sie fotografieren in jede Richtung. Obwohl die Reisesaison gerade erst anläuft, geht es in Rothenburg ob der Tauber bereits sehr international zu: Ob aus Korea, Frankreich, Italien oder Dänemark - aus aller Welt sind Touristen da. Die mittelalterliche Stadt ist eines der beliebtesten Reiseziele Deutschlands mit fast zwei Millionen Tagesgästen pro Jahr – bei nur 11.000 Einwohnern.

Am Marktplatz ist das Treiben am größten. Egal, wo wir stehen, wir sind bin grundsätzlich im Weg, stehen vor irgendeinem Fotomotiv und sind – zugegeben – schon bald etwas genervt. Robertina Schwarzkopf hingegen winkt lachend ab: "Das ist normal. Das ist Rothenburg." Die Touristenströme stören sie nicht. "Sie werden nie hören, dass ein Auto hupt und in Eile ist. Wir leben mit den Touristen."

"Hier und dort zu Hause"

Die Reiseführerin ist der Prototyp einer Europäerin: gebürtige Litauerin, ihr Mann Russlanddeutscher aus Kasachstan, ihre Kinder wachsen in Rothenburg viersprachig auf: "Ich hatte als Kind nie gedacht, dass ich irgendwann in Europa, in Deutschland leben werde, dass wir frei reisen werden. Das ist unglaublich - und als Kind für mich nicht vorstellbar gewesen."

Und sie fügt hinzu: "Natürlich finde ich das schön, dass meine Kinder viersprachig aufgewachsen sind, dass sie Deutschland genauso wie Litauen als Heimatland bezeichnen. Man fühlt sich hier und dort zu Hause." Liebenswert in ihrer Wahlheimat findet sie insbesondere die deutsche Korrektheit: "Die Ordnung, die Pünktlichkeit, das Geregelte, die Termine. Wir haben so ein Wort wie Termine in der litauischen Sprache nicht mal."

Begeisterung für Rothenburg vermitteln

Frei reisen, frei wählen, leben wo man will, arbeiten was man will: Bis sie 19 war, bis der Eiserne Vorhang fiel, blieb das für Robertina Schwarzkopf ein Traum. Europa bedeutet der Reiseführerin deshalb viel.

Nach Rothenburg kam sie erstmals vor 25 Jahren - und war auf Anhieb fasziniert. "Die Straßen sind schmal, die Häuser klein. Ich hatte das Gefühl, ich bin in einem anderen Zeitraum. Es war alles sehr schön." Sie sei regelrecht verliebt in Rothenburg, schwärmt Robertina Schwarzkopf. "Und meine Begeisterung möchte ich den Gästen rüberbringen."

Ein Ort der Begegnung

Die Reiseführerin empfiehlt uns einen Besuch im Café Lebenslust. Besitzer Horst Fechner hat seine langen grauen Haare zu einem Zopf gebunden, trägt ein buntes Hemd. Er ist in Rothenburg zuhause, hat aber schon überall auf der Welt gelebt. Mit dem Café hat er sich einen Lebenstraum verwirklicht: einen Ort der Begegnung zu schaffen – für Touristen und Einheimische.

"Für mich ist Offenheit ganz wichtig. Europa sehe ich gefährdet aufgrund der politischen Strömungen, die mit der Migrationspolitik zusammenhängen", sagt Fechner. "Wir müssen aber die Dinge annehmen, die auf uns zukommen. Wir haben Verantwortung als Deutschland, nicht nur für die Wirtschaft, auch für die Menschen.“

"Mit der ganzen Welt verbunden"

Die Welt darf ruhig bunt sein findet er. Ein grünes Oma-Sofa, bunte Bilder, Gitarren als Wandschmuck: In seinem Café hat alles Platz. Stammgäste und Mitarbeiter dürfen es mitgestalten – durch Reiseandenken oder Selbstgemachtes. Hier treffen Touristen auf Einheimische. So entsteht in seinem kleinen Reich ein Multikulti, das er sich auch im Großen wünschen würde. "Hier kommt die Welt zusammen. Ein Grund, weshalb wir diesen Ort gewählt haben."

Für die regionale, kulturelle Vielfalt und das gute Miteinander lohne es sich zu kämpfen, sagt der Café-Betreiber. So verschlafen Rothenburg ob der Tauber auch wirken mag - hier ist durchaus ein europäischer Geist und sehr viel Offenheit zu spüren. Denn hier leben die Einheimischen nicht nur von den Touristen, sondern mit ihnen.

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