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#BayernReise in die Oberpfalz: zwischen "Kunst-Krampf" und Lkw | BR24

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Kommunalwahl am 15. März in 2056 bayerischen Städten, Märkten und Gemeinden. Dort engagieren sich viele Bürger für Bürger - und die haben wir gefragt: Was erwarten und erhoffen sie sich von der Wahl. Heute sind wir in der Oberpfalz unterwegs.

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#BayernReise in die Oberpfalz: zwischen "Kunst-Krampf" und Lkw

Die #BayernReise vor der Kommunalwahl führt uns diesmal ins oberpfälzischen Eschlkam. Auch hier gibt es wieder Beispiele für Ideen, die andere inspirieren können - aus einer Gemeinde, die nicht nur beim Naturschutz großen Städten einiges voraus hat.

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Das kleine Eschlkam mit seinen knapp 3.500 Einwohnern ist ein Vorreiter in Sachen Artenschutz - und war das schon lange vor dem einschlägigen Volksbegehren: mit Blühwiesen, wie Bürgermeister Sepp Kammermeier berichtet.

"Weil ich gehört hab, dass das Artensterben dermaßen große Ausnahme annimmt. Zwei Drittel sind ausgestorben seit 1989. Da hab ich mir gedacht, da muss man irgendwas tun. Und ich hab auch Mitstreiter gefunden beziehungsweise Mitstreiter haben mich gefunden." Sepp Kammermeier, noch amtierender Bürgermeister von Eschlkam

"Schon 100 Blühwiesen - das baut einen richtig auf"

100 solche Flächen gibt es mittlerweile schon: "Das ist schön, wenn man mit einer halben Bier im Garten sitzt und schaut sich das an, was sich da alles bewegt, weil da sind Tierarten dabei, die hat man vielleicht schon zehn Jahre nicht mehr gesehen. Baut auf!", findet Sepp Kammermeier. Eine kleine Maßnahme, aber schnell und überall umsetzbar und so effektiv.

"Kunst-Krampf" zum Selbermachen

Das nächste Gemeinschaftsprojekt am Ort: Die Eschlkamer tragen gerade alte Mistgabeln zusammen. Und daraus wird dann Kunst, für einen Platz am Rathaus:

"Da hat uns der Architekt vorgeschlagen, einen Skulpturengarten zu errichten und dann haben wir gesagt, was würde das kosten? Dann sind wir auf einen Betrag von 100.000 Euro gekommen. Dann haben wir gesagt, diesen Krampf brauchen wir nicht, diesen Krampf machen wir selber." Sepp Kammermeier

Der Künstler Alexander Costa arbeitet an dem "Krampf" sogar ehrenamtlich mit - in dieser Gemeinde läuft's!

"Ich wollte halt mit dem Kunstwerk auch, dass die ganze Bevölkerung da mitbeteiligt ist und jeder wird verewigt auf 'ner Tafel und da kann jeder ablesen, wo seine Tafel abgeblieben ist." Alexander Costa, Künstler

Der Spitzname der Eschlkamer ist nämlich "Schubkornburger" - Schubkarrenburger - und damit haben sie jetzt ihr ganz persönliches Kunstwerk. "Schöner geht es nicht, als wenn man viele Leute an einer gemeinsamen Idee beteiligt, das ist optimale Kommunalpolitik", meint Sepp Kammermeier.

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Eschlkam im Schnee: Nicht nur ein Idyll - für Bürgerengagement bietet sich mancher Anlass

Ein Ort im Sog des Transitverkehrs

Doch ein Problem gibt es noch: Die tschechisch-bayerische Transitstrecke. Durch Eschlkam führt nämlich eine Abkürzung für Lkw. Die Fahrer sparen sich so zehn Minuten bis zum Grenzübergang - und die Anwohner haben nie ihre Ruhe.

Man würde schon ein bisschen Panik kriegen durch den Sog der vorbeirasenden Laster, meint Kathrin Schreiner von der Bürgerinitiative gegen Transitverkehr Eschlkam: "Da muss man teilweise stehen bleiben, weil man sonst das Gefühl hat, der Lkw, der nimmt einen jetzt gleich mit."

Keine Angst vor hohen Hürden

Bis zu 600 Lkw donnern hier täglich vorbei, und ein Nachtfahrverbot gibt es auch nicht. Schon die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer für Lkw, an die sich offensichtlich nicht jeder hält, mussten sich die Eschlkamer hart erkämpfen. Denn die Transitstrecke fällt unter europäisches Recht. Damit sind Gemeinde und Landratsamt eigentlich nicht zuständig. Bis die Anwohner eine Bürgerinitiative gründeten und so richtig loslegten.

"Es waren enorm viele Leute, die sich vom ersten Tag an der Bürgerinitiative angeschlossen haben und die gesagt haben, wir müssen was tun dagegen." Stefanie Traurig, Bürgerinitiative gegen Transitverkehr Eschlkam

Ein großes Ziel bleibt noch

Und sie haben noch ein großes Ziel: "Dass die Scheiß-Lkw - Entschuldigung, ich sag das jetzt einfach mal so - bei uns durchs Dorf nicht mehr durchfahren", meint Kathrin Schreiner.

Also: Die Eschlkamer haben es echt drauf mit dem Bürger-Engagement. Nicht nur, dass sie beim Artenschutz ganz vorne mit dabei sind, nein, die haben es auch geschafft, europäische Hürden zu überwinden, und das mit einer kleinen Bürgerinitiative!

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