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Bayern will die Arbeitszeiten flexibler gestalten - unter anderem zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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Bayern will tägliche Arbeitszeit über zehn Stunden ermöglichen

Bayern will sich für flexiblere Arbeitszeiten einsetzen: So soll es erlaubt sein, an einem Tag auch mehr als zehn Stunden zu arbeiten. Begründet wird dies mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber auch der Fachkräftemangel steckt dahinter.

Bayern will sich für flexiblere Arbeitszeiten einsetzen und eine tägliche Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden ermöglichen. "Wir müssen die Arbeitszeitgesetze endlich an die Realität der Lebenswelten der Menschen anpassen", sagte Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) gegenüber der "Rheinischen Post".

Angestellte könnten bei einem Wegfall der Zehn-Stunden-Grenze ihre Wochenarbeitszeit dann theoretisch flexibel einteilen - so etwa bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 24 Stunden diese auf zwei Tage verteilen.

Längere Arbeitstage: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die bayerische Familienministerin begründet den Bedarf für mehr Flexibilität mit einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das würde auch die Beschäftigungsquote steigern, sagte sie. "Ein erster wichtiger Schritt ist es, für einzelne Arbeitstage in der Woche auf freiwilliger Basis und unter Beachtung des Arbeitnehmerschutzes Arbeitszeiten von mehr als zehn Stunden zu ermöglichen", so Scharf.

Bislang höchstens zehn Stunden Arbeit am Tag erlaubt

Von diesem Mittwoch an beraten die Arbeits- und Sozialminister der Länder in Perl im Saarland. Seit Jahren gibt es immer wieder Forderungen von Unternehmen aber auch Parteien wie der FDP, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. Bisher sind täglich maximal zehn Stunden Arbeitszeit erlaubt.

Bayern begründet dem Bericht zufolge seine Forderung auch mit dem Fachkräftemangel in Tourismus, Gastronomie und am Bau. Firmen müssten das Personal flexibler einsetzen können, um Angebote noch aufrechterhalten zu können.

Verdi: "Kontraproduktiv und schädlich"

Die Arbeitsmedizin aber warnt: Nach Meinung vieler Ärztinnen und Ärzte sollten Beschäftigte nicht überfordert werden. Schon nach vier bis sechs Stunden lasse die Konzentration nach.

Diese Kritik griff auch die Landesbezirksleiterin von Verdi Bayern, Luise Klemens, auf. Aus arbeitsmedizinischer Sicht seien Arbeitszeiten jenseits von zehn Stunden schädlich, "sie fördern nachgewiesenermaßen Stress und Burn-Out – dass das eine Sozialministerin ignoriert, ist sehr befremdlich", sagte Klemens.

Man lehne eine Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit auf mehr als zehn Stunden kategorisch ab, erklärte die Landesbezirksleiterin. Der Vorschlag greife "fundamentale Schutzrechte" der Arbeitnehmer an und sei "auch in allen anderen Belangen kontraproduktiv und sogar schädlich".

Mit Informationen von dpa

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