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Bildrechte: picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Auf 14.000 Höfen in Bayern stehen Kühe noch immer angebunden im Stall und haben kaum Auslauf. Nach dem Willen der Staatsregierung soll damit Schluss sein.

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Bayern will raus aus der Anbindehaltung bei Kühen

Mehr Tierwohl, mehr Nachhaltigkeit: Bayerns Agrarministerin Kaniber skizziert ihre Pläne für die Zukunft der Landwirtschaft. Dazu soll der Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung gehören. Grünen und SPD gehen die Vorschläge nicht weit genug.

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Von
  • Vera Cornette
  • Petr Jerabek

Angebunden im Stall stehen, nur einen kleinen Schritt vor und zurück machen, so sieht der Alltag vieler Kühe in Bayern aus. Mehr als 14.000 Anbindeställe gibt es noch in Bayern. Aus der ganzjährigen Anbindehaltung will der Freistaat jetzt schnellst möglich aussteigen, wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Landtag ankündigte.

Auf betroffene Betriebe solle zugegangen und mit finanzieller Förderung der Umbau der Ställe erreicht werden. Die Unterstützung der Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung solle von 30 auf 40 Prozent erhöht werden, kündigte die Ministerin an.

Ministerin: Mehr Tierwohl und Quinoa

Dass noch so viele Betriebe ihre Kühe angebunden halten, erstaune sie, denn "die staatliche Förderung für eine solche Haltung existiert seit drei Jahrzehnten nicht mehr", betonte die Ministerin. Auch bei der Haltung von Zuchtsauen soll es Investitionen für mehr Tierwohl geben. "Mehr Platz pro Tier, mehr Tiere auf Stroh, mehr Auslauf", nannte Kaniber das Motto für die neue Landwirtschaftspolitik.

Auch ein Ende von Tiertransporten in Drittstaaten, etwa nach Marokko oder Kasachstan, kündigte Kaniber an. Solche Transporte seien weder ethisch noch moralisch vertretbar.

Mit Blick auf den Klimawandel forderte die Landwirtschaftsministerin, den Feldbau klimaresistenter zu machen: Kulturen, die mit Trockenheit besser klarkommen – etwa Quinoa oder Amaranth – sollten auch in Bayern stärker erforscht und angebaut werden.

Grünen-Fraktionschef kritisiert CSU-Agrarpolitik

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann stimmte Kaniber zu, was den Umbau von Ställen und Ausbau von Bio in Bayern betrifft. Aber: "Wie es gerade läuft, ist weder nachhaltig noch fair oder smart, sondern rücksichtslos."

Aus Hartmanns Sicht verschweigt die Landwirtschaftsministerin, dass die aktuellen Probleme der Bauern aus der "Wachse oder Weiche"-Politik der CSU resultiert. Die Werte "nachhaltig und fair" seien in der CSU-Agrarpolitik "genauso selten zu finden wie der Feldhamster in den Fluren unseres Landes".

AfD warnt vor Höfe-Sterben

AfD-Fraktionschef Ingo Hahn warnte vor einem Höfe-Sterben in Bayern und einer "kleinbäuerlichen Existenzzerstörung". Die heimischen Bauern befänden sich aktuell in einem zerstörerischen Sturm – und "stoßen auf taube Ohren bei der Regierung und leider auch bei den Medien". Trotz intensiver Bemühungen, wirtschaftlich zu überleben, seien die Bauern in einem Teufelskreis, der ihnen immer weniger Luft zum Atmen gebe.

Hahn forderte mehr Vertrauen in die Kompetenz der Bauern und "weniger staatliche Lenkung". Nötig sei auch ein Bekenntnis zur modernen und konventionellen Landbewirtung

Freie Wähler: Anbindehaltung mit Weidegang muss bleiben

Freie-Wähler-Agrarexperte Leopold Herz fordert Fairness gegenüber den "jetzt noch konventionell arbeitenden Landwirten". Auch sie arbeiteten nach bestem Wissen und Gewissen. Die Landwirtschaft dürfe nicht in eine Zweiklassengesellschaft eingeteilt werden.

Herz betonte, die ganzjährige Haltung von Kühen und Rindern im Anbindestall sei zunehmend nicht mehr diskutabel. Zugleich dürfe aber die Anbindehaltung mit Weidegang nicht in Frage gestellt werden und müsse ein zukunftsfähiges Modell bleiben. Sonst bestehe die Gefahr, dass viele Landwirte aufgeben. "Das können wir nicht wollen."

FDP fordert fairen Wettbewerb in Europa

Mit Blick auf ökologische und konventionelle Landwirtschaft warnte auch der FDP-Landwirtschaftsexperte Christoph Skutella vor einer Spaltung der Branche. "Wir müssen alle nachhaltiger wirtschaften", betonte er.

Aus Sicht des FDP-Politikers müssten in erster Linie auf EU-Ebene einheitliche Regelungen geschaffen werden, beispielsweise zu Tiertransporten und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Nötig seien Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb in Europa. Die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union müsse "ihrem Namen wieder gerecht werden".

SPD: Tierwohl gibt's nicht zum Nulltarif

Die SPD-Abgeordnete Martina Fehlner betonte, immer mehr Menschen forderten höhere Standards beim Tierwohl. Sie verwies aber darauf, dass Tierwohl nicht zum Nulltarif zu haben sei. "Der Grundsatz sollte sein, die Ställe den Tieren anzupassen und nicht die Tiere den Ställen". Dafür bräuchten die Landwirte Unterstützung.

Zugleich wiederholte sie die Forderung nach einem verpflichtenden staatlichen Tierwohllabel. Freiwilligkeit bringe in dieser Frage nicht weiter.

Bauernverband: Anbindehaltung abschaffen ist übertrieben

Die Reaktion des Bayerischen Bauernverbands auf die Regierungserklärung der CSU-Landwirtschaftsministerin fällt eher verhalten aus. Das Einläuten des Endes der Anbindehaltung sei übertrieben, findet der BBV-Präsident Walter Heidl. Wer die Kühe das halbe Jahr auf die Weide lässt, sollte so weitermachen dürfen, fordert er.

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