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Bayern will NS-Gedenkstätten sanieren und erweitern | BR24

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NS-Gedenkstätten wie in Dachau oder Flossenbürg werden da immer wichtiger, denn es gibt immer weniger Zeitzeugen. Viele dieser Erinnerungsorte in Bayern sollen jetzt umfassend saniert werden.

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Bayern will NS-Gedenkstätten sanieren und erweitern

Die Staatsregierung hat heute im Ministerrat ein "Gesamtkonzept zur Erinnerungskultur" beschlossen. Einige Erinnerungsorte an die Opfer des Nationalsozialismus sollen in den kommenden Jahren baulich erneuert und teilweise auch erweitert werden.

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In den nächsten zehn Jahren sollen sowohl sogenannte Täterorte wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg als auch Opferorte wie die KZ-Gedenkstätten in Flossenbürg oder Dachau baulich saniert und teilweise erweitert werden. Die Kosten für den Erhalt und die Erschließung der Erinnerungsorte an die Verbrechen des Nationalsozialismus werden rund 200 Millionen Euro betragen, schätzt Kultusminister Michael Piazolo. Die Staatsregierung hofft darauf, dass der Bund einen erheblichen Anteil davon übernimmt.

Jedes Jahr würden Millionen Menschen aus aller Welt, darunter viele Schulklassen, die Gedenkstätten besuchen. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass viele der Einrichtungen bauliche Mängel aufweisen. Einen konkreten Termin und einen genauen Kostenrahmen könne man jetzt allerdings noch nicht nennen.

Immer weniger Zeitzeugen: Neue pädagogische Konzepte notwendig

75 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur gibt es immer weniger Zeitzeugen. "Das ist traurig und es gilt zu überlegen, wie wir mit dieser Situation umgehen", sagt Kultusminister Michael Piazolo. Hand in Hand mit den baulichen Maßnahmen seien daher immer auch pädagogische Konzepte von Bedeutung.

Unter anderem will Bayern in der Jugendarbeit enger mit Israel, Tschechien, Frankreich oder auch Österreich zusammenarbeiten. Schließlich geht es bei der Erinnerungsarbeit vor allem darum, das Vergessen zu verhindern. Nachfolgende Generationen müssten weiterhin Lehren aus dem "beispiellosen Zivilisationsbruch" ziehen, so Piazolo. Demnächst soll es einen "weiteren Aufschlag" bezüglich der pädagogischen Erinnerungsarbeit geben, verspricht der Kultusminister.

Konzepte für die Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg

Einen Schwerpunkt legt das Konzept auf die KZ-Gedenkstätten Flossenbürg und Dachau – mit geschätzten Kosten von insgesamt 110 Millionen Euro. In Dachau sollen die Ausstellungen neu gestaltet, das Gelände baulich saniert und die Gedenkstätte mit bisher nicht berücksichtigten historischen Arealen erweitert werden. In Flossenbürg ist unter anderem ein Zentrum mit Übernachtungsmöglichkeit geplant.

Außerdem will der Freistaat an der Universität Regensburg ein neues Institut für vergleichende und angewandte Erinnerungskultur ermöglichen. Das neue Institut soll sich mit der empirischen Erforschung von Erinnerungsarbeit befassen, wie die Staatsregierung mitteilt.

Kritik von der Opposition: "Zu vage, zu sparsam"

Für die Grünen im Landtag kommt das Konzept zu spät. Die KZ-Gedenkstätten in Dachau, in Flossenbürg und die Außenlager in Mühldorf, Landsberg und Kaufering seien jahrelang vernachlässigt worden, sagt die Abgeordnete und Sprecherin für Erinnerungskultur, Gabriele Triebel. Die Pläne der Staatsregierung hält sie für zu vage: "Wir hatten dieses Konzept seit vier Jahren immer wieder eingefordert, hätten uns aber einen mutigeren Schritt und auch ein klares finanzielles Commitment zur besseren Planungssicherheit bei den Einrichtungen gewünscht." Nun befürchtet Triebel ein "Sparkonzept", das der Wertigkeit der Erinnerungsarbeit nicht entspreche.

Die SPD fordert auch die kleinen Erinnerungsorte in den Blick zu nehmen, anstatt vor allem die großen Gedenkstätten wie das KZ dachau zu fördern. "Gerade bei den Menschen vor Ort ist es wichtig, so die Erinnerung wachzuhalten", sagt die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Margit Wild. Ihre Fraktion hat einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht.

Stiftung Bayerische Gedenkstätten: "Epochaler Durchbruch"

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, lobt hingegen das Gesamtkonzept der Staatsregierung als "epochalen Durchbruch in der Erinnerungsarbeit" und stellt dabei insbesondere die Stärkung der Opferorte heraus.

Die Vorhaben im Einzelnen:

KZ-Gedenkstätte in Dachau:

In Dachau sind neben baulichen Sanierungen die Neugestaltung der Ausstellungen und eine Erweiterung „unter Einbezug bislang nicht berücksichtigter Teile des historischen Areals“ geplant.

KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg:

In Flossenbürg sollen bedeutende Teile des historischen Lagerbereichs wie der Steinbruch für die Gedenkstättenarbeit weiterentwickelt werden. Außerdem soll die Kooperation mit der Universität Regensburg ausgebaut werden. Konkret möchte der Freistaat an der Universität Regensburg ein neues Institut für vergleichende und angewandte Erinnerungskultur errichten, das sich mit der empirischen Erforschung von Erinnerungsarbeit befassen soll.

KZ-Außenlager Mühldorf, Landsberg/Kaufering:

Hier sollen bestehende Einrichtungen zur Erinnerungsarbeit weiter erschlossen werden.

Nürnberg:

Für Nürnberg sieht das Konzept eine Erneuerung des dortigen Dokumentationszentrums und Erhaltungsmaßnahmen an der Zeppelintribüne und auf dem Zeppelinfeld vor, finanziert von der Stadt Nürnberg, dem Freistaat und dem Bund. Auch für das Memorium Nürnberger Prozesse ist die erweiterte Überarbeitung der Dauerausstellung geplant. Künftig soll der historische Saal 600, in dem von 1945 bis 1949 Nürnberger NS-Prozesse stattfanden, vollständig für die Ausstellung genutzt werden.

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