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Bayern will mehr Corona-Tests für Urlauber und Erntehelfer | BR24

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Zum Start der Sommerferien in Bayern hat Ministerpräsident Söder weitere Corona-Tests für Reisende angekündigt. So soll es künftig an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den drei großen Autobahn-Grenzübergängen Testmöglichkeiten geben.

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Bayern will mehr Corona-Tests für Urlauber und Erntehelfer

Wer aus dem Urlaub nach Bayern zurückkehrt, sollte nach dem Willen der Staatsregierung einen Corona-Test machen. Für Auto- und Bahnreisende sind drei grenznahe Teststationen geplant - an den Flughäfen sollen Corona-Tests schon bald Pflicht sein.

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Mehr Corona-Tests bei Menschen, die aus dem Sommerurlaub zurückkehren - dafür will die Staatsregierung die nötigen Voraussetzungen schaffen. Die Details gaben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) heute in München bekannt. Dabei ging es auch um den massiven Corona-Ausbruch in einem niederbayerischen Erntebetrieb. Die wichtigsten Informationen zu den heutigen Beschlüssen und Ankündigungen.

Was ist mit Corona-Tests für Auto- und Bahnreisende?

Für Menschen, die mit dem Auto oder der Bahn aus dem Sommerurlaub zurückkehren, soll es in Bayern bald deutlich mehr Testmöglichkeiten geben. Demnach sollen am Walserberg, in Pocking und Kiefersfelden wohl noch in dieser Woche grenznahe Teststationen entstehen. Dort sollen Urlauber die Möglichkeit haben, sich freiwillig testen zu lassen. Damit sind allerdings längst nicht alle bayerischen Grenzübergänge zu Österreich und Tschechien abgedeckt.

Auch an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sind entsprechende Stationen für freiwillige Corona-Tests geplant. Das Angebot gilt laut Söder auch für Menschen aus anderen Bundesländern. Inwiefern die Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer per Zug oder Auto künftig verpflichtend sein können, wird laut Gesundheitsministerin Huml derzeit juristisch geprüft. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt angekündigt, sich für verpflichtende Tests für Rückkehrer aus dem Urlaub einzusetzen.

Was ist mit Corona-Tests an den Flughäfen?

Für Flugreisende hatte Söder bereits vor einigen Tagen verpflichtende Corona-Tests nach der Rückkehr am Flughafen gefordert. Diese Forderung bekräftigte er heute - verwies aber auch darauf, dass der Bund die nötige Rechtsgrundlage schaffen müsse. Bayern wolle alles vorbereiten, um sofort den "Start-Knopf" drücken zu können. Freiwillige und kostenlose Corona-Tests sind an den Flughäfen München und Nürnberg bereits möglich.

© BR/Susanne Baur

Für Auto- und Bahnreisende sind drei grenznahe Teststationen geplant - an den Flughäfen sollen Corona-Tests schon bald Pflicht sein.

Was fordert Bayern mit Blick auf die Risikogebiete?

Ministerpräsident Söder will sich dafür einsetzen, Corona-Risikogebiete künftig präziser auszuweisen. Die bisherige Struktur reiche nicht, erklärte Söder. Stattdessen sollten die vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiete "regionaler" und kleinteiliger überprüft werden. Söder und Huml äußerten zudem die Befürchtung, dass es verschiedene Urlaubsgebiete mit vielen Corona-Infektionen geben könnte, die bisher nicht offiziell bekannt sind. "Die Gefahr ist überall dort, wo es nicht erkennbar ist", sagte Söder.

Warum gibt es im niederbayerischen Mamming (noch) keinen Lockdown?

Durch die zahlreichen Corona-Infektionen auf einem Gemüsehof im niederbayerischen Mamming hat der Landkreis Dingolfing-Landau den Grenzwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage deutlich überschritten. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz beträgt laut Robert Koch-Institut 191. Anders als nach dem Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies im Landkreis Gütersloh gibt es in Mamming und dem Landkreis Dingolfing-Landau noch keinen Lockdown.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte dazu, das Infektionsgeschehen in dem Landkreis sei bisher "sehr klar abgrenzbar". Deswegen seien die Maßnahmen, die vor Ort getroffen worden seien, "adäquat und verhältnismäßig". In Mamming wurde der gesamte Erntebetrieb mit rund 500 Menschen unter Quarantäne gestellt. Söder erklärte: "Sollte es sich ausbreiten, müssen wir in den nächsten Tagen dann über weitere Maßnahmen diskutieren - aber es gibt im Moment noch Anlass zur Hoffnung, dass es anders ist."

Wie gehen die Behörden in Mamming vor?

Nach den ersten Corona-Fällen in dem Erntebetrieb in Mamming wurden laut Söder noch am Freitag alle Mitarbeiter getestet. "Die Reaktion war schnell und konsequent", betonte der Ministerpräsident. "Es gab einen kompletten Lockdown des Betriebs." Dieser stehe nun "mit Zaun und Sicherheitsdienst" unter Quarantäne - zum Schutz der Bevölkerung. Die Bürger in Mamming und dem ganzen Landkreis hätten jetzt die Möglichkeit, sich sicherheitshalber testen zu lassen. "Ebenso werden alle vergleichbaren Betriebe im Umkreis jetzt sofort getestet", betonte Söder.

Wer trägt die Verantwortung für die vielen Corona-Fälle in Mamming?

Die Staatsregierung macht den betroffenen Erntebetrieb für die Ausbreitung des Coronavirus unter den Mitarbeitern verantwortlich. Grundsätzlich gebe es für alle Betriebe im landwirtschaftlichen Bereich klare Hygienekonzepte, sagte Söder. In dem niederbayerischen Betrieb sei das Hygienekonzept auch kontrolliert worden, "es handelt sich aber offenkundig um Verstöße".

Die Opposition sieht dagegen eine Mitverantwortung der Staatsregierung. Die FDP-Arbeitsmarktexpertin im Landtag, Julika Sandt, kritisierte: "Beim arroganten Umgang der Bayerischen Staatsregierung mit dem Gesundheitsschutz von Erntehelfern war es nur eine Frage der Zeit, wann es wieder Corona-Herde in Bayern geben würde." Sowohl Sandt als auch der SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn bemängelten, die Staatsregierung habe Forderungen nach flächendeckenden Kontrollen von Saisonarbeitern und Landwirtschaftsbetrieben lange abgelehnt.

Gesundheitsministerin Huml wies die Kritik zurück. Bayern habe die Tests immer weiter ausgebaut. Ob in Schlachthöfen, Seniorenheimen oder Gemeinschaftsunterkünften – "wenn irgendwo etwas aufgetreten ist", sei sehr stark getestet worden. Auch in Erntebetrieben habe Bayern sehr schnell gehandelt, "wenn etwas auf- und vorgefallen ist". Außerdem seien viele Erntehelfer auch jetzt erst gekommen. "Wenn wir jetzt im Mai getestet hätten, wären die Gurken-Helfer noch gar nicht da gewesen."

Wie sollen ähnliche Corona-Ausbrüche in Erntebetrieben verhindert werden?

Den konkreten Fall in Mamming nimmt die Staatsregierung laut Söder zum Anlass zu verschärften Maßnahmen. So sollen während der gesamten Erntezeit alle Betreibe in noch kürzeren Intervallen auf ihre Hygienekonzepte geprüft werden. Geplant seien unangemeldete Kontrollen zu jeder Tages- und Nachtzeit durch gemischte Teams. Dazu gehören laut Söder Mitarbeiter von Gesundheitsamt, Gewerbeaufsicht und Landwirtschaftsverwaltung, "um bei einem Termin komplett alle Hygienemaßnahmen" zu überprüfen.

Zudem kündigte Söder an, dass alle Saisonarbeiter in Bayern verpflichtend "durchgetestet" würden. Darüber hinaus werde der Bußgeldrahmen für mögliche Verstöße von Betrieben gegen das Hygienekonzept von 5.000 Euro auf 25.000 Euro verfünffacht.

Was ist mit den jüngsten Corona-Fällen in der Region Hof?

Zuletzt gab es im Freistaat auch einen größeren Corona-Ausbruch im Landkreis Hof. Dort wurden 48 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Nach Angaben der Behörden sind von 42 der 48 Fälle mehrere Großfamilien betroffen. Landrat Oliver Bär und Rehaus Bürgermeister Michael Abraham (beide CSU) gaben am Sonntag Entwarnung: Die Infektionskette sei gestoppt worden. Bei der heutigen Pressekonferenz mit Söder und Huml waren die Corona-Infektionen im Landkreis Hof kein Thema.

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Pressekonferenz der Staatsregierung

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