Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Bayern will Lichtverschmutzung eindämmen | BR24

© BR

Die bayerische Staatsregierung plant einen Leitfaden zur Außenbeleuchtung. Ab 23 Uhr sollen Wahrzeichen nicht mehr angestrahlt werden.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bayern will Lichtverschmutzung eindämmen

Die bayerische Staatsregierung plant einen Leitfaden zur Außenbeleuchtung. Ab 23 Uhr sollen Wahrzeichen nicht mehr angestrahlt werden. Der Grund: Natur und Mensch leiden unter Lichtverschmutzung.

Per Mail sharen

Man muss weit hinausfahren, um in Bayern noch Orte zu finden, die nicht von Lichtverschmutzung betroffen sind. Einer davon ist der Sternenpark in der Rhön. Dort hat man noch einen natürlichen Blick auf den Nachthimmel, selbst die Milchstraße ist zu sehen.

Ein Anblick, den gerade Stadtbewohner nicht kennen dürften. Aus ihren Schlafzimmerfenstern sieht man in der Regel beleuchtete Fassaden, bunte Lichtinstallationen oder helle Straßenlaternen. Die schädlichen Folgen dieser Dauerbeleuchtung sind zwar bekannt, doch werden zu wenige ernst genommen. Gerade weil sich Lichtverschmutzung negativ auf die Menschen auswirkt, will Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem Lichtsmog den Kampf ansagen.

"Das stört die Nachtruhe, im Außenbereich wollen wir wirken und wir wollen eine geänderte Beleuchtung für öffentliche Einrichtungen: Kirchen, Museen und sonstige öffentliche Gebäude. Ab 23 Uhr soll dort die Lichtbestrahlung, die Beleuchtung abgeschaltet werden." Thorsten Glauber (Freie Wähler), bayerischer Umweltminister

Mediziner begrüßen die Initiative der Staatsregierung, ab 23 Uhr die Beleuchtung öffentlicher Gebäude zu reduzieren. Denn künstliches Licht in der Nacht kann den menschlichen Biorhythmus durcheinander bringen. Doch nicht nur Menschen sind betroffen. Auch die Natur leidet unter zu viel Licht, wie die Ornithologin Sophia Engel betont. Engel forscht das Verhalten von Vögeln und ist im Naturschutzbund München aktiv.

Auch Tiere von Lichtverschmutzung betroffen

Sophia Engel beobachtet das rasante Verschwinden von Insekten - und in Folge eine Abnahme von insektenfressenden Vögeln und Fledermäusen. Denn helle Lampen, die in alle Richtungen strahlen "verschmutzen" ihre Umgebung besonders stark.

Allein in München, so Engel, sorgen über 120.000 Straßenlaternen für helle Straßen und Bürgersteige - und werden für Millionen nachtaktive Insekten zur Falle. Denn geflügelte Insekten verlassen Wiesen, Parks und Wälder und Gewässer und fliegen zum Licht, wo sie den sicheren Tod finden. Die Stadtbeleuchtung ist teils 4.000 mal heller, als der natürliche Nachthimmel mit Sternen und Mondschein, erklärt die Expertin:

"Die Tiere werden von Licht stark irritiert, besonders Insekten wie Nachtfalter werden von Licht magnetisch angezogen. Sie müssen dorthin fliegen und umkreisen die Lampen, bis sie von Spinnen oder Fledermäusen gefressen werden oder entkräftet zu Boden sinken. Das ist wirklich ein großes Problem, wenn überall Licht ist, das gar nicht mehr ausgeht." Sophia Engel, Ornithologin und Umweltschützerin

Artenschutz durch Lichtverschmutzung gefährdet

So geht etwa die Zahl der Nachtfalter in Bayern dramatisch zurück, nachtaktive Insekten fehlen in ihrem Biotop der gesamten Nahrungskette: Nachtfalter bestäuben normalerweise Pflanzen sie stattdessen künstliche Lampenlicht umschwirren, vermehren sie sich nicht und auf Dauer fehlen auch ihre Larven den Vögeln, Fröschen, Fischen als Nahrung. Im schlimmsten Fall verhungert ihre Brut.

Bislang sind die negativen Folgen von Lichtverschmutzung, anders als etwa Lärmemissionen, wenig bekannt und im Bewusstsein der Bevölkerung kaum verankert. Dass der bayerische Umweltminister auch auf mehr Aufklärung der Bevölkerung setzen will, ist für Tierschützer ein erster wichtiger Schritt.

"Ich bin froh, dass Lichtverschmutzung jetzt auf der Agenda steht. Künftig erwarte ich mir dazu klare Ansagen, und hier und da auch mal eine Vorschrift, was zu geschehen hat." Sophia Engel, Ornithologin und Umweltschützerin

Weniger Licht - notfalls Zimmer abdunkeln

Menschen können sich mit einigen Tricks gegen direkte Einwirkung von Lichtverschmutzung schützen. Der Schlafexperte Jürgen Zulley betont, dass es wichtig sei, rechtzeitig Licht, Screens und das Handy auszuschalten, um die Dunkelheit der Nacht auch genießen zu können.

Notfalls müsse man das Zimmer gut abdunkeln. Dann, so Zulley, habe man gute Chancen auf erholsamen Schlaf, auch weit außerhalb eines Sternenparks.

© BR

Nicht nur Krach, auch Licht kann stressen, wenn man es nicht mehr schafft, sich ihm zu entziehen. Woran liegt das? #fragBR24