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Bayern will keine Urlaubsgäste aus Corona-Hotspots | BR24

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Bayerns Ministerpräsident Söder hat im ARD-Extra zu weiterer Vorsicht im Umgang mit dem Corona-Virus gemahnt. Im Hinblick auf den jüngsten Ausbruch in NRW stehe Bayern in gutem Kontakt mit Ministerpräsident Laschet.

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Bayern will keine Urlaubsgäste aus Corona-Hotspots

Bayern untersagt Hotels und Pensionen im Freistaat, Gäste aus Kreisen mit Corona-Hotspots zu beherbergen. Scharfe Kritik daran kommt aus der betroffenen Region Gütersloh. Ministerpräsident Söder rechtfertigt die Entscheidung im Interview.

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Wer aus einem Landkreis außerhalb Bayerns mit vergleichsweise vielen akuten Corona-Infektionen kommt und Urlaub im Freistaat machen möchte, dürfte künftig Schwierigkeiten haben. Das bayerische Kabinett verständigte sich heute darauf, Hotels und Pensionen die Beherbergung von Menschen zu untersagen, wenn diese aus Landkreisen mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den zurückliegenden sieben Tagen stammen.

Anlass ist der jüngste Corona-Ausbruch in der nordrhein-westfälischen Region Gütersloh, die vor allem auf die umstrittene Tönnies-Fleischfabrik zurückzuführen ist. Einwohner des NRW-Kreises können daher in Bayern erstmal kein Urlaub machen. Eine Ausnahme gibt es demnach nur für jene, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können.

Söder verteidigt Verbot

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder rechtfertigte die Entscheidung. Es gehe um die Sicherheit der Menschen in Bayern, aber auch um die von Touristen, sagte der CSU-Chef in einem ARD extra und fügte hinzu: "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste." Dass Nordrhein-Westfalen einen Lockdown über die Region Gütersloh verhängt habe, nannte Söder folgerichtig und konsequent.

Söder sieht die Vorgänge in Nordrhein-Westfalen aber auch in die steigenden Zahlen in Berlin als Indiz, dass die Gefahr der Pandemie noch nicht vorbei ist. "Fakt ist jedenfalls, dass das alles zeigt, wie zerbrechlich die neue Normalität ist und dass Corona eine große Herausforderung bleibt", so Söder im Ersten.

Scharfe Kritik aus Gütersloh

Der Landrat des Kreises Gütersloh reagierte empört auf das bayerische Beherbergungs-Verbot. "Das halte ich für eine ganz schlimme und stigmatisierende Behandlung der Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh, die ich so nicht toleriere", sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

Der bayerische Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) hatte nach der Kabinettsentscheidung betont, die Situation in Gütersloh gebe "Anlass zu größter Besorgnis". Das Beherbergungs-Verbot für Urlauber aus entsprechenden Landkreisen bezeichnete er als "Schutzmaßnahme, die wir wirklich für notwendig halten".

Dehoga: Klären, wer Stornokosten übernimmt

Für Hoteliers und andere Gastgeber bedeutet das, dass sie künftig bei jedem Gast wissen müssen, aus welchem Landkreis er kommt. Kurz vor der Anreise müssen die Gastgeber dann die aktuellen Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts abfragen - und gegebenenfalls den Gast nach einem negativen Corona-Test fragen oder ihn abweisen.

"Wir werden die Maßnahmen umsetzen", betonte der Landesgeschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststätten-Verbands (Dehoga), Thomas Geppert, auf BR-Anfrage. "Aber unabhängig davon muss geklärt werden, wer die Kosten für Stornierungen und Verdienstausfall übernimmt." Man warte nun noch auf die Verordnung mit den genauen Details.

Herrmann: "Es genügt ein Funke"

Der Freistaat verschärft die Regeln für Urlauber damit pünktlich zum nahenden Beginn der Sommerferien in einigen Bundesländern, auch in Nordrhein-Westfalen. "Das Problem ist die Verbringung des Virus kreuz und quer durchs Land", sagte Herrmann. Es dürften keinesfalls neue Corona-Hotspots in Bayern und anderswo entstehen. "Es genügt ein Funke, um das Infektionsgeschehen wieder aufleben zu lassen", betonte der CSU-Politiker.

Herrmann lobte zwar, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung um Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vorerst bis 30. Juni einen regionalen Lockdown für den Landkreis Gütersloh und den Nachbarkreis Warendorf verhängt hat. Allerdings wundert sich die Staatsregierung laut Herrmann, dass es dort keine Ausreisesperre gebe. Als Vergleichsgröße nannte er die Situation im bayerischen Landkreis Tirschenreuth vor einigen Monaten. Dort habe man damals bei insgesamt 1.134 Fällen auch die Ausreise untersagt - und im Kreis Gütersloh gebe es nun aktuell sogar 1.600 Corona-Fälle.

Regel gilt bereits in Mecklenburg-Vorpommern

Auf der Insel Usedom in der Ostsee waren Urlauber aus dem Kreis Gütersloh bereits am Montag aufgefordert worden, das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen. Dort gilt bereits die nun auch in Bayern beschlossene Regel, dass Urlauber aus einem Corona-Hotspot nicht einreisen und auch nicht beherbergt werden dürfen.

Im Freistaat soll die Regel laut Staatskanzlei-Chef Herrmann allerdings auf Urlaubsreisende beschränkt bleiben: Ein generelles Einreiseverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten soll es demnach nicht geben. Ob Reisende aus betroffenen Gebieten, die aktuell in Hotels oder anderen Unterkünften in Bayern übernachten, den Freistaat nun verlassen müssen, ist noch offen. Das müsse man noch sehen, erklärte Herrmann.

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Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, verkündet auf einer Pressekonferenz ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Hotspots.

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