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Söder und Seehofer
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Eva Lell
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Söder und Seehofer

"Damit Bayern stabil bleibt", mit diesem Slogan wirbt die CSU im Wahlkampfendspurt. Seit Jahrzehnten regiert die CSU in Bayern abgesehen von einer kurzen Unterbrechung mit absoluter Mehrheit. In Reden warnt Spitzenkandidat Markus Söder nun vor "Berliner" Verhältnissen.

CSU ohne absolute Mehrheit? Experten erwarten kein Chaos

Steht Bayern ein Umbruch bevor, sollte die CSU ihre absolute Mehrheit verlieren? Der Politikwissenschaftler Michael Weigl sieht das anders: "Man könnte es auch schlicht als Fall der Normalisierung kennzeichnen, also Koalitionsregierungen sind das normalste von der Welt. Wir haben in anderen Ländern auch mal eine Dominanz von anderen Parteien gehabt. Aber so lange war Bayern im Grunde genommen der Ausnahmefall." Auch Bayerns oberster Heimatpfleger ist gelassen:

"Wir können davon ausgehen, dass auch nach der Wahl Bayern nicht untergehen wird und dass das gewohnte Bayern sein Selbstverständnis behalten wird. Wir Bayern wissen schon sehr lange, was wir voneinander haben. Diese kulturelle und soziale Selbstverständnis Bayerns, das ist etwas sehr Stabiles." Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e.V.

Der Begriff "Heimat" wird zunehmend politisiert

Bayern ist gleich CSU, diese Gleichung schien jahrzehntelang aufzugehen für die Christsozialen. Der abstrakte und in Teilen auch diffuse Begriff "Heimat" hat eine Rolle gespielt im Wahlkampf, auch die Grünen haben versucht, ein Heimatgefühl der Menschen anzusprechen. Den Heimatpfleger sollte diese Renaissance des Begriffs freuen. Tut sie aber nicht. Er verwahrt sich vor der politischen Vereinnahmung des Begriffs: "Wir sind schon lange nicht mehr die Gamsbartträger, die Bocksbeuteltrinker und die Kässpatzenesser allein. Heimat besteht auch aus den ganz harten Themen. Im Umgang mit der Landschaft, mit der Baukultur. Die Eindrücke, die man bei den Leuten findet, die sind so unterschiedlich und so vielfältig, dass sie sich nicht in ein Parteiprogramm, vor allem, wenn es sehr einseitig formuliert ist, pressen lassen."

Veränderte Bevölkerungsstruktur mit geringer Parteienbindung

Die Frage bleibt: Steht Bayern ein Umbruch bevor, wenn es möglicherweise eine Koalitionsregierung gibt und etliche neue Parteien in den Landtag einziehen? Oder spiegelt ein solches Wahlergebnis nicht eher wider, dass sich Bayern schon längst verändert hat? Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch analysiert, dass die Parteienbindung auch bei den bayerischen Wählern stark nachgelassen hat. Und die Bevölkerungsstruktur verändert sich im wirtschaftlich starken Freistaat:

"Hochqualifizierte Erwerbstätige aus verschiedenen Berufssparten und unterschiedlichen Regionen Deutschlands ziehen in bayerische Städte und Gemeinden und bringen natürlich noch ihre früheren Parteibindungen mit. Die haben diese alten Bindungen an bayerische Parteien nicht und überlegen sich das dann neu. Und da gibt’s auch keine Gefühle der Dankbarkeit gegenüber einer lange vorherrschenden Partei. Also all das verändert sich." Ursula Münch, Akademie für politische Bildung Tutzing

Stark fragmentierte Opposition als Problem

Die politische Arbeit im Landtag würde sich durchaus verändern, meint Münch. Auch die der Opposition: "Eine fragmentierte Opposition, wo unterschiedliche Pole vertreten sind, macht insgesamt eine Kontrolle der Staatsregierung schwieriger. Und das ist ja die Hauptaufgabe der Opposition, die Regierung und die Regierungsarbeit zu kontrollieren."

Auch die Große Koalition in Berlin dürfte ihren Anteil daran haben, dass zumindest nach den Umfragen, CSU und SPD in Bayern an Zustimmung verlieren. Es bleibt eine Aufgabe für die großen Parteien, ein breites Wählerspektrum abzudecken in einer immer kleinteiliger werdenden Gesellschaft.