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Ab Montag greifen in ganz Deutschland drastische Beschränkungen. Besonders hart trifft es Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Viele der Betroffenen haben wenig Verständnis für die Beschlüsse der Regierung.

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Kultur und Gastronomie: Unverständnis über teilweisen Lockdown

Ab Montag greifen in ganz Deutschland drastische Beschränkungen. Besonders hart trifft es Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Viele Betroffene in Bayern haben wenig Verständnis für die Beschlüsse der Regierung.

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Ab Montag ist ein teilweiser Lockdown in ganz Deutschland vorgesehen. Schulen und Kitas sollen geöffnet bleiben, aber Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen schließen, Reisen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein. In Bayern sind die Betreiber von Kultureinrichtungen und Gaststätten weitestgehend nicht einverstanden mit dem teilweisen Lockdown. Im Kulturbereich gilt ein vollständiger Lockdown. Die Gaststätten können lediglich noch Speisen zur Mitnahme anbieten.

Verluste und Existenzängste im Kulturbetrieb

Für Jochen Schölch vom Metropoltheater München bedeutet der erneute Lockdown einen Umsatzverlust von rund 70.000 Euro – und 40 Angestellte, die um ihre Existenz fürchten. Er versteht nicht, weshalb ausgerechnet die Kultureinrichtungen jetzt wieder schließen müssen: "Wir haben die strengsten Hygienekonzepte, und es ist kein Fall bekannt, weder bei den Salzburger Festspielen noch bei den Theatern hier im Land, dass jemals irgendetwas passiert wäre."

Christian Stückl: "Kunst ist systemrelevant!"

Christian Stückl, der Intendant des Münchner Volkstheaters, hat zwar grundsätzlich Verständnis für den Lockdown, beklagt aber, dass es an jeglicher Planungssicherheit fehle, wie es danach weitergehen könne. "Wir sollten uns alle zusammentun und überlegen, ob wir nicht gegen solche Entscheidungen klagen. Wir sind nicht nur Freizeitgestaltung, sondern die Kunst ist mehr, die Kunst ist systemrelevant!"

Zusätzlicher Druck auf die Kultur in Bamberg

In Bamberg kommt die Kultur finanziell noch zusätzlich unter Druck. Der Bamberger Stadtrat hat gestern beschlossen, die allgemeine Kulturförderung um 25 Prozent zu kürzen. Auch der Etat für Bücherei und Musikschule wird gekürzt, um 2,5 Prozent. Hintergrund ist ein Defizit von über 40 Millionen Euro in der Stadtkasse. Die Sparmaßnahmen seien kein "Wunschkonzert", sagte Finanzreferent Bertram Felix. Sondern eine Auflage der Regierung von Oberfranken, um den Haushalt für das nächste Jahr genehmigt zu bekommen. Voraussichtlich im Dezember wird der endgültige Haushalt beschlossen.

Fassungslosigkeit beim Gaststättenverband

"Kein Verständnis" für die Anti-Corona-Maßnahmen hat man beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Landesgeschäftsführer Thomas Geppert sieht das Problem eher bei privaten Feiern und nicht im organisierten Bereich. Die Gastronomie und Hotellerie habe in den vergangenen Monaten alles unternommen, um Hygienekonzepte aufzuerlegen, die auch nachweislich funktionierten. "Und jetzt will man uns wieder schließen", empört sich Geppert: "Ich bin einfach nur fassungslos und sprachlos."

"Schock" für Münchner Innenstadtwirte

Auch der Verein der Münchner Innenstadtwirte reagiert "fassungslos und bestürzt" auf den bevorstehenden einmonatigen Lockdown in der Gastronomie. Von einem "Schock" spricht der Vorsitzende Gregor Lemke, der nun vor der Gefahr eines "großen Wirtshausterbens" warnt. Viele Kollegen hätten schon aufgeben müssen, "wenn es so weitergeht, werden 30 bis 40 Prozent der Unternehmen pleite gehen." Deshalb müssten die versprochenen Finanzhilfen nun "schnell und effektiv erfolgen", fordert der Wirt vom Augustiner Klosterwirt. Die Entscheidung für die "Zwangsschließung" kann Lemke nicht nachvollziehen. Selbst das Robert-Koch-Institut schätze die Infektionsgefahr in der Gastronomie als gering ein: "Wir Gastronomen achten intensiv und mit großem Aufwand an Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen darauf, uns, unser Personal und unsere Gäste zu schützen."

Kritische Stimmen aus dem Bayerischen Wald

Die Tourismusbranche im Bayerischen Wald sieht die neuen Maßnahmen deutlich kritischer als die vom Frühjahr, wo trotz aller Kritik damals doch noch ein gewisses Verständnis für die Maßnahmen geherrscht hatte. Joli Haller (CSU), Bürgermeister von Bodenmais, findet , dass Hotellerie und Gastronomie zum "Sündenbock" gemacht würden, denn "es ist erwiesenermaßen in der Gastronomie, in den Wirtshäusern und in den Hotels sicher und diesen sicheren Bereich jetzt zu opfern ist für mich eigentlich ein no go," sagte Haller dem BR in Hinblick auf die funktionierenden Hygienekonzepte.

Bayerische Wirtschaft hofft auf schnelle Hilfsmaßnahmen

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hält die neuen Beschränkungen für notwendig. Angesichts der steigenden Infektionszahlen habe die Politik handeln müssen, auch wenn es einige Wirtschaftsbereiche besonders hart treffe, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: "Wir sind deswegen froh, dass entsprechende Hilfsmaßnahmen in großem Umfang angekündigt sind. Die müssen aber jetzt auch schnell kommen." Brossardt hofft darauf, dass zumindest das Weihnachtsgeschäft umgesetzt werden kann.

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