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Bildrechte: adpic/M. Baumann

Luftbilder von Bayern lagern im Landesluftbildarchiv

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    "Bayern von oben": Eine Million Bilder im Luftbildarchiv

    Jeder Fleck in Bayern wurde schon von oben fotografiert - so entstanden mehr als eine Million Bilder. Sie werden im Landesluftbildarchiv aufbewahrt. Festgehalten sind auch Ereignisse, wie der Bau des Forggensees oder eine Arktis-Expedition.

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    Von
    • Julia Demel

    In einer ehemaligen Brauerei in Neustadt a.d. Aisch befindet sich das neue Landesluftbildzentrum. 2018 wurde es im Rahmen der Behördenverlagerung von München hierher verlegt und beheimatet einen Schatz vor allem für Historiker und Geographen. Aber auch bei Planungen, wie dem Hochwasserschutz, Rechtsstreitigkeiten oder der Kampfmittelräumung kommen die Bilder zum Einsatz.

    Optimale Bedingungen für die Luftbilder

    Rund 115.000 analoge Bilder lagern schon in grauen Pappkartons in den neuen Archivräumen und es kommen immer weitere hinzu. Denn die Bilder, die mit einer Reihenmesskamera auf Rollfilmen aufgenommen wurden, werden gerade in München digitalisiert und dann hierher verlegt. Insgesamt sind es rund 900.000 analoge Bilder aus den Jahren 1941 bis 2009, danach begann die Digitalfotografie. Die Bedingungen in den neuen Archivräumen sind ideal - die Temperatur liegt konstant bei 18 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent. Archivarin Ann-Kathrin Johner erklärt: "Wir überwachen das Raumklima, um sicherzustellen, dass diese Kulturschätze lange erhalten bleiben."

    Zeitreisen in die Vergangenheit

    Einer der größten Schätze des Archives sind Fotoplatten von einer Arktis-Expedition aus dem Jahr 1931. Mit einem Zeppelin startete damals ein Forscherteam vom Bodensee aus zum Nordpol. Aus der Gondel fotografierten sie mit einer Panoramakamera die eisigen Welten. Zu einer Zeit, als die Luftbildfotografie noch in den Kinderschuhen steckte. Eine erste Hochzeit erlebte sie dann im 2. Weltkrieg, als die Alliierten sie für die Aufklärung nutzen und so Deutschland von oben festhielten.

    Grundlage für die Kampfmittelräumung

    Ein beträchtlicher Teil der Bilder, die heute noch wichtig sind, stammt deshalb aus den Kampfflugzeugen der Alliierten. Sie fotografierten zum Beispiel große Städte wie München und Nürnberg aus der Luft vor und nach der Zerstörung. Die Bilder sind so scharf, dass mit einer Vergrößerungslupe die Einschläge der Bomben genau zu erkennen sind. Bis heute können Bombenräumdienste anhand dieser Bilder beurteilen, ob eine Bombe detoniert ist oder es sich um einen Blindgänger handelt. Manche Zeitreihen hat das Landesluftbildarchiv aber auch für alle im Internet zugänglich gemacht.

    Bayern verändert sich

    Seit den 50er Jahren wurden auch präzise Luftbilder angefertigt von Landschaften, die sich gerade veränderten. So ist zum Beispiel der Bau des Forggensees im Allgäu aus der Luft festgehalten worden. Die ersten Bilder stammen von 1945, dann gibt es einige aus den frühen 50er Jahren, auf denen auch zu sehen ist, wie die Dörfer Forggen und Deutenhausen für den Bau des Stausees verschwinden und wie der See heute aussieht. Inzwischen werden solche Veränderungen für ganz Bayern festgehalten, denn seit 1987 finden regelmäßig sogenannte Befliegungen statt. Von jedem noch so kleinsten Fleck gibt es seither Aufnahmen, die das Landesluftbildarchiv verwahrt und bei Bedarf herausgibt.

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