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Bayern verschärft Regeln für Tiertransporte ins Ausland | BR24

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Nicht nur Tierschützer schlagen Alarm, wenn Fälle von Tiertransporten bekannt werden, auf denen die in der EU geltenden Vorschriften nicht eingehalten wurden. Erneut hat das bayerische Umweltministerium die Regeln für Tiertransporte verschärft.

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Bayern verschärft Regeln für Tiertransporte ins Ausland

Von Mühldorf aus sind offenbar umstrittene Tiertransporte nach Zentralasien abgewickelt worden. In Bayern gelten schon Verbote, weil die Tiere oft extremer Belastung ausgesetzt sind. Das Umweltministerium hat die Vorschriften nun verschärft.

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Mit einem neuen Erlass will Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) Tiertransporte in 18 außereuropäische Drittstaaten endgültig unterbinden. Demnach dürfen Veterinärämter künftig auch Transporte ins EU-Ausland und innerhalb Deutschlands untersagen, wenn ein Weitertransport in ein sogenanntes Risikoland nicht ausgeschlossen ist.

Damit reagiert Glauber auf einen Fall aus Mühldorf am Inn, bei dem im Sommer 30 trächtige Rinder über den Bestimmungort Ungarn nach Usbekistan transportiert worden waren. Nur wegen eines Fehlers im Datenbanksystem hatte das Veterinäramt Mühldorf vom Weitertransport der Tiere erfahren.

Transportverbote gelten schon seit letztem Jahr

Dabei gilt bereits seit 2019 ein Erlass des bayerischen Umweltministeriums, wonach Transporte in 18 außereuropäische Staaten von Bayern aus verboten sind, darunter Länder in Zentralasien und Teile Nordafrikas. Der Grund: In der EU geltende Tierschutzregeln werden auf den Langstreckentransporten und in den Ankunftsstaaten nachweislich nicht eingehalten.

So ist es Pflicht, dass die Tiere nach 29 Stunden Fahrt für 24 Stunden in Versorgungsstationen abgeladen und versorgt werden. Diese Versorgungsstationen aber existieren oft gar nicht. Auch ist es in Zentralasien oder Nordafrika oft sehr heiß, weshalb die Transporte für die Tiere eine extreme Belastung darstellen.

Trotz Verbots: 16 Tiertransporte nach Zentralasien

Nach dem Zufallsfund im Sommer nahmen das Veterinäramt in Mühldorf und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Ermittlungen auf. Die ergaben, dass in insgesamt 16 Fällen Mühldorfer Rinder bis nach Zentralasien exportiert worden waren – mit Zwischenstopp in Ungarn.

Mit dem neuen Erlass will Umweltminister Glauber solche Schlupflöcher schließen. "Tierschutz endet nicht an Landesgrenzen", erklärte er auf Anfrage des BR. Man wolle mit dem neuen Erlass genau wissen, wo das Endziel des Tiertransportes ist. Damit soll verhindert werden, dass Transporte in andere EU-Staaten genehmigt werden, die dann aber tatsächlich in einem der Risikostaaten landen. Dies müssen Transportunternehmen den Veterinärämtern künftig zusichern. Bei Falschangaben drohe ein Entzug der Lizenz.

Grüne sehen auch Zuchtverbände in der Pflicht

Kritik kommt derweil von den Grünen. Rosi Steinberger, Sprecherin für Verbraucher- und Tierschutz der Grünen-Fraktion im Landtag, sagte dem BR, es genüge nicht, allein die Transportunternehmer in die Verantwortung zu nehmen. Bereits die Zuchtverbände selbst sollten sicherstellen, dass keine Tiere mehr in sogenannte Risikostaaten verkauft werden.

Der Zuchtverband in Mühldorf lehnt das ab. In einem Schreiben argumentiert dessen Vorsitzender Josef Frank, dass deutsche Rinderrassen zum Aufbau einer Zucht im Ausland sehr gefragt seien. Dies werde "als nachhaltiger Beitrag zum Zuchterfolg gesehen und macht den Transport lebender Tiere in diese Länder erforderlich".

Der Dachverband der Züchter habe im letzten Jahr bereits einen tierwohlgerechteren Standard für Langstreckentransporte entwickelt. Dieser beinhalte auch, dass die Transportdaten transparenter gemacht werden.

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