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Die Landschaft des Bayerischen Waldes mit Blick auf den Großen Rachel

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    Bayern stellt 58.000 Hektar Wald unter Schutz

    Landwirtschaftsministerin Kaniber stellt zusätzliche staatliche Waldflächen dauerhaft unter Schutz. Teile davon werden allerdings auch jetzt schon nicht mehr bewirtschaftet. Naturschutzverbände begrüßen das, üben aber auch Kritik an den Details.

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    Von
    • Simon Plentinger

    Bereits im Frühjahr hatte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber angekündigt, fünf große Au- und Buchenmischwälder mit knapp 6.000 Hektar an Donau und Isar sowie bei Würzburg, im Steigerwald und bei Kelheim dauerhaft unter Schutz zu stellen. Nun ist eine Vielzahl weiterer Flächen dazugekommen. Die Staatsregierung erfüllt damit rechnerisch in etwa ein Ziel, das bereits im Koalitionsvertrag der schwarz-orangenen Regierung festgelegt wurde. Nämlich zehn Prozent der staatlichen Waldflächen als sogenannte Naturwälder unter Schutz zu stellen – ohne forstwirtschaftliche Nutzung, um die Biodiversität zu fördern. "Wir geben diese Hotspots der Artenvielfalt jetzt auf Dauer der Natur zurück, damit sie sich frei und ungestört entwickeln können", sagte Ministerin Kaniber.

    Zehn Prozent der staatlichen Wälder ohne Nutzung

    Das Ziel, zehn Prozent der Waldflächen nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen und der Natur zu überlassen, hatten Naturschutzverbände wie Greenpeace und der Bund Naturschutz bereits vor Jahren eingefordert. Die Reaktionen fallen dementsprechend zunächst positiv aus. "Wir freuen uns darüber, wir sind begeistert", sagt etwa Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) und spricht gar von einem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk, auch wenn es nicht die Lösung aller Probleme im Waldnaturschutz sei. Dennoch gehöre Bayern damit bundesweit zur Spitze. Der Bund Naturschutz in Bayern schreibt in einer gemeinsamen Mitteilung mit Greenpeace von einem wichtigen und überfälligen Schritt.

    Teile der Naturwälder werden auch jetzt schon nicht bewirtschaftet

    Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Richard Mergner, weist aber auch darauf hin, dass diverse der jetzt als Naturwälder ausgewiesenen Flächen auch bisher schon nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt wurden. Dabei handelt es sich um sogenannte staatliche Naturwaldreservate, die Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön und sogenannte Klasse-1-Wälder, in denen die Bayerischen Staatsforsten sich selbst bereits verpflichtet hatten, keine Bäume mehr zu fällen und das Holz wirtschaftlich zu nutzen. Und auch Latschenwälder am Übergang zwischen Bergwald und Fels in den Alpenregionen gehören zu den jetzt ausgewiesenen Naturwäldern. Sie sind ohnehin kaum wirtschaftlich nutzbar. Der LBV-Vorsitzende Schäffer freut sich jedoch auch darüber, dass es für den Schutz dieser Flächen nun eine rechtliche Grundlage gibt.

    Naturschützer wünschen sich größere zusammenhängende Flächen

    Doch beim genauen Blick auf die jetzt ausgewiesenen Waldflächen üben die Naturschutzverbände auch Kritik. Sowohl der LBV als auch der Bund Naturschutz würden sich mehr größere, zusammenhängende Flächen wünschen. Beim Blick auf die Karte mit den jetzt geschützten Wäldern spricht Mergner von "Schrotschussflächen". Es sind teils sehr kleinteilige Flecken Wald. Vor allem im Spessart und im Steigerwald hätte er sich mehr erhofft. Dort wurden jetzt zwar Flächen als Naturwälder ausgewiesen, doch Bund Naturschutz und Greenpeace sind diese nicht groß genug. Sie halten ohnehin an ihrer Forderung fest, im Steigerwald einen Nationalpark auszuweisen. Außerdem bemängelt der Bund Naturschutz, nicht am Prozess beteiligt worden zu sein und fordert, die jetzt bestehenden Schutzzonen noch weiter zu entwickeln.

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