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Bayern startet Impf-Marathon gegen Corona-Pandemie | BR24

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In Bayern hat heute das Impfen begonnen. Der Auftakt der Corona-Impfaktion fand in einer Seniorenresidenz in Germering statt.

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Bayern startet Impf-Marathon gegen Corona-Pandemie

Monatelang hat es gedauert - nun wird geimpft. In einer Seniorenresidenz im Landkreis Fürstenfeldbruck gaben Gesundheitsministerin Huml und Gesundheitsstaatssekretär Holetschek das Startsignal für den wichtigen Schritt im Kampf gegen Corona.

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  • BR24 Redaktion

Impfen live im Landkreis Fürstenfeldbruck: Der 83-jährigen Helga Klingseisen und ihrem 91-jährigen Ehemann Kurt wurde in der Seniorenresidenz in Germering vor Pressevertretern der Corona-Impfstoff injiziert. Ein symbolisches Startsignal.

Gesundheitsministerin Melanie Huml und Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (beide CSU) waren zum Auftakt der Impfungen in der Germeringer Seniorenresidenz.

Impfstoff bei Minus 70 Grad tiefgekühlt

Da für einen wirksamen Schutz zwei Mal im Abstand von etwa drei Wochen geimpft werden muss, wird jeweils die Hälfte der Impfstoffdosen zurückgestellt und in den zentralen Standorten zwischengelagert. Der Impfstoff, den die Firmen Biontech und Pfizer gegen das Coronavirus entwickelt haben, muss bei extremen Temperaturen um die Minus 70 Grad tiefgekühlt werden. In den örtlichen Impfzentren muss es dann schnell gehen: Dort lagern die Fläschchen in normalen Medizinkühlschränken und müssen binnen drei bis fünf Tagen verbraucht werden.

Kühlketten unterbrochen

In ganz Oberfranken außer Bamberg musste der Impfstart verschoben werden. Es waren Zweifel aufgekommen, ob die Kühlkette für den Impfstoff durchgehend eingehalten wurde. Nun muss geklärt werden, ob die Chargen dadurch beeinträchtigt worden sind. Auch in den schwäbischen Landkreisen Augsburg und Dillingen hatte es zunächst Probleme gegeben. Dort hat der Hersteller Biontech aber inzwischen grünes Licht gegeben.

Huml: Ein wichtiger Tag für Deutschland und Europa

Gesundheitsministerin Huml sprach von einem wichtigen Tag für Deutschland und Europa: "Es sollten zunächst vor allem die Menschen geschützt werden, "die besonders schwer von Corona betroffen sind. Für mich als Ärztin ist es wichtig, dass die Patientensicherheit an erster Stelle steht und wir sorgfältig mit dem Impfstoff umgehen."

Huml erinnerte daran, dass es ausreichend Impfstoff brauche. Weitere Impfstoffe würden gerade Zulassungsverfahren durchlaufen. Vertrauen in den Impfstoff sei wichtig. Gesundheitsstaatssekretär Holetschek sagte, der Freistaat sei eine gute Adresse, "um neue Produktionsstätten aufzubauen".

Söder: Nicht genügend Impfstoff vorhanden

Ministerpräsident Markus Söder hatte kurz vor dem Impfstart vor negativen Folgen durch Lieferengpässe gewarnt. "Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur. Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden. "Die Bestellungen des Bundes reichen wohl, aber die Produktion dauert. Daher ist es wichtig, alle Kapazitäten zur Herstellung des Impfstoffes zu erhöhen."

Impfstoff in Rekordzeit entwickelt

Am Sonntagmorgen waren die ersten mobilen Impfteams ausgerückt. Zunächst soll weitestgehend in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern geimpft werden: Neben Bewohnern und Mitarbeitern der Heime soll medizinisches Personal in Intensivstationen und Notaufnahmen zuerst die Immunisierung erhalten.

Der Impfstoff wurde in Rekordzeit entwickelt. Manchmal dauere das zehn Jahre oder sogar länger, sagte BR-Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski auf BR24Live. Im Fall des Corona-Impfstoffs habe Geld keine Rolle gespielt. Die Zulassungsbehörden hätten eng mit den Impfstoff-Forschern zusammengearbeitet. Studien seien von den Behörden engmaschig begleitet worden. Auf diese Weise sei das Verfahren enorm verkürzt worden.

An der aktuellen Situation werde sich aber trotz Impfungen vorerst wenig ändern. Eine Veränderung sei hoffentlich dann im Laufe des kommenden Jahres erkennbar. Eine sogenannte "Herdenimmunität" hält Turczynski in diesem Zeitraum für möglich.

Angst vor Nebenwirkungen

Groß ist die Sorge in der Bevölkerung vor Nebenwirkungen des Impfstoffs. Laut Turczynski gibt es Nebenwirkungen: Schmerzen an der Einstichstelle, Schwellungen, Kopfschmerzen, leichte Temperatur. Allerdings würden diese auch wieder verschwinden. Jüngere Menschen zeigten stärkere Nebenwirkungen als ältere Menschen.

Studie begleitet Corona-Impfungen

Die Corona-Impfungen werden in Bayern auch wissenschaftlich begleitet. Es gehe um die Sicherheit und Wirksamkeit der Sars-CoV-2-Impfung, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Ziel der Studie sei es unter anderem, mit Hilfe eines Covid-19 Impfregisters herauszufinden, wie wirksam die Impfung in verschiedenen Personen- und Risikogruppen sei. Impfwillige könnten die Studie unterstützen, indem sie bei der Impfung ihr Einverständnis zur Kontaktaufnahme durch die Wissenschaftler geben.

Die Studie werde von den sechs bayerischen Universitätskliniken in Erlangen, München, Würzburg, Regensburg und Augsburg sowie der Hochschule Hof in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchgeführt.

Erste Impfdosen am Samstag geliefert

Am Samstag waren die ersten 9.750 Impfdosen im Freistaat angekommen - aus Sorge vor Sabotage oder Anschlägen unter Polizeischutz. Von den zentralen Lagerorten Erlangen und München aus, wurde der Impfstoff regional auf die 99 Impfzentren verteilt. Für jede der 96 Kreisverwaltungsbehörden stehen jeweils etwa 100 Dosen bereit, lediglich in München sind es 250.

Bis zum Jahresende werden weitere rund 205.000 Impfdosen in ultratiefgekühlten Thermoversandbehältern im Freistaat erwartet. Im neuen Jahr soll es mit regelmäßigen Lieferungen weitergehen.

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Die ersten Menschen im Freistaat haben den Corona-Impfstoff erhalten. Gesundheitsministerin Melanie Huml kam zum Auftakt der Impfungen in eine Seniorenresidenz in Germering im Landkreis Fürstenfeldbruck.

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