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Bayern sperrt auf: Bald öffnen Kinos, Freibäder, Fitnessstudios | BR24

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Mehr kulturelles Leben ab Mitte Juni, viele Tests im Pflegebereich und eine dauerhafte Notreserve an Masken und Schutzanzügen: Die Staatsregierung hat heute etliche Corona-Beschlüsse gefasst.

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Bayern sperrt auf: Bald öffnen Kinos, Freibäder, Fitnessstudios

Mehr kulturelles Leben ab Mitte Juni, viele Tests im Pflegebereich und eine dauerhafte Notreserve an Masken und Schutzanzügen: Die Staatsregierung hat heute etliche Coronabeschlüsse gefasst. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

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Lange mussten Kulturliebhaber in Bayern warten - nun gibt es auch für Theater, Kinos und Konzerte erste Lockerungen bei den Corona-bedingten Einschränkungen. Die Details und andere Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen hat das bayerische Kabinett heute in München beschlossen.

Kinos, Theater, Konzerte - wie und ab wann?

Die bayerischen Theater und Kinos dürfen ab 15. Juni wieder öffnen. Auch Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen sind dann laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wieder erlaubt - allerdings mit Einschränkungen. Nach Angaben von Kunstminister Bernd Sibler (CSU) sind für Kulturveranstaltungen im Freien zunächst 100 Besucher zugelassen, in geschlossenen Räumen liegt die Grenze demnach bei 50 Gästen. Als nächster Schritt sei eine Begrenzung auf 500 beziehungsweise 350 Menschen denkbar, dafür müsse man aber die ersten Erfahrungen abwarten.

Mundschutz im Theater, Plastik-"Shields" im Kino

Beim Theaterbesuch wird laut Sibler die ganze Zeit über eine Mundschutzpflicht und ein Abstandsgebot bestehen. Die Theater seien aktuell dabei, angepasste Konzepte für ihre Vorstellungen zu entwickeln - zum Beispiel Aufführungen ohne Pausen sowie kürzere Stücke. In den Kinos müssten ebenfalls Plätze freibleiben, um die Abstandsregeln zu garantieren. Statt einem Mundschutz könnten laut Sibler dort - "Stichwort Popcorn" - sogenannte Shields zum Einsatz kommen, also Visiere aus Plastik. (Hier lesen Sie wie sich Bayerns größtes Multiplex-Kino auf den Neustart vorbereitet - und warum die Hälfte der deutschen Kinos die Krise vielleicht nicht überlebt.)

Was ist mit den Schwimmbädern und Fitnessstudios?

Wie bereits Ende vergangener Woche angekündigt, dürfen Bayerns Freibäder nun auch ganz offiziell am 8. Juni wieder öffnen. Das gilt auch für Fitnessstudios, Tanzschulen und Reha-Einrichtungen.

Für Saunen, Wellness-Bereiche und Hallenbäder gibt es dagegen weiterhin keinen konkreten Zeitplan. Für einen Saunabesuch sei "noch nicht die Zeit", betonte Söder.

Material: Pläne für Notreserve

Mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle oder vergleichbare Szenarien will die Staatsregierung für eine Notreserve an benötigten Materialien sorgen. Laut Söder soll diese Notreserve für sechs Monate reichen. Insgesamt sollen 250 Millionen Schutzmasken, 500 Millionen Handschuhe und 50 bis 70 Millionen Schutzkittel verfügbar sein. Aktuell ist dieses Ziel noch nicht erreicht: Dem Ministerpräsidenten zufolge verfügt der Freistaat derzeit über rund 150 Millionen Schutzmasken.

Wie geht es an Schulen und Kitas weiter?

Ab 1. Juli sollen alle Kinder im Freistaat laut Söder teilweise wieder in ihre Betreuungseinrichtungen sowie ihre Schulen gehen können. Zugleich stellte er in Aussicht, dass nach den Sommerferien wieder der ganz normale Regelbetrieb aufgenommen werden könne - "vielleicht geben das die Infektionszahlen auch her". Falls nicht, müsse man allerdings weiterhin Maßnahmen ergreifen. Eine Prognose zum Start des neuen Schuljahres sei derzeit nicht möglich.

Gastro, VHS, Busse - die weiteren Beschlüsse

Wie bereits angekündigt dürfen Biergärten und andere gastronomische Angebote im Außenbereich vom 2. Juni an zwei Stunden länger als aktuell öffnen - also bis 22 Uhr. Auch für Volkshochschulen und ähnliche Anbieter von Erwachsenenbildung gibt es erfreuliche Nachrichten. Sie dürfen ab 30. Mai unter Auflagen wieder Präsenzangebote abhalten. Zusätzlich hat das Kabinett für die Einrichtungen der Erwachsenenbildung und dort tätige Solo-Selbstständige einen Rettungsschirm über 30 Millionen Euro bewilligt.

Ebenfalls am 30. Mai dürfen Reisebusunternehmen unter strengen Hygiene-Vorschriften wieder ihren Betrieb aufnehmen. Laut Staatskanzlei darf es sich aber nicht um Gruppenreisen handeln. "Es dürfen nur Individualbuchungen erfolgen", heißt es im Kabinettsbericht.

Neue Pläne für Corona-Tests

Wer in Bayern Corona-Symptome hat, soll künftig nach dem Willen der Staatsregierung innerhalb von 24 Stunden getestet werden. Weitere 24 Stunden später soll das Ergebnis vorliegen. Ohne Symptome soll der Test innerhalb von 48 Stunden stattfinden, das Ergebnis soll innerhalb einer Woche klar sein. Bezahlen sollen diese Tests laut Ministerpräsident Söder der Bund und die Kassen. Erneut kündigte er umfangreiche Tests in Kliniken, Pflege- und Altenheimen, Kindergärten und Schulen an - auf freiwilliger Basis.

Was die Opposition zum Test-Ausbau sagt

Die Landtags-Grünen begrüßen die angekündigten Reihentests für Menschen in Sozialberufen grundsätzlich. Sie fordern allerdings für Kita-Mitarbeiter die Möglichkeit, sich einmal die Woche kostenlos testen zu lassen. Das sorge für die Sicherheit der Fachkräfte, baue bei den Eltern Vertrauen auf und gebe den Kindern ein Stück Normalität zurück. Zudem drängen die Grünen weiter darauf, die bayerischen Kitas bereits ab 15. Juni wieder für alle Kinder zu öffnen.

Die SPD-Gesundheitsexpertin Ruth Waldmann sprach von einer "wenig nützlichen" Absichtserklärung Söders: "Es geht doch nicht um Wünsche, sondern um die Umsetzung." Die SPD-Politikerin kritisierte: "Erst wird die Öffnung der Schulen und Kitas verkündet und dann fängt die Staatsregierung an, sich Konzepte fürs Testen zu überlegen? Ich bin wirklich baff." Waldmann forderte die Staatsregierung auf, umgehend die Tests zur Verfügung zu stellen und die Finanzierung zu übernehmen, bis eine Regelung auf Bundesebene wirksam werde: "Es kann nicht sein, dass Tests zurückgehalten werden, bis die Finanzierungszusage vom Bund beziehungsweise den Kassen kommt. Die Tests werden doch nicht erst dann gebraucht, wenn ein anderer zahlt, sondern sofort und schon lange!"

Die aktuelle Corona-Lage in Bayern:

Die Corona-Zahlen in Bayern sind laut Ministerpräsident Söder derzeit stabil. Diese Stabilität wolle man nicht gefährden, betonte er. Aktuell gibt es laut dem Ministerpräsidenten in Bayern offiziell 2.230 Corona-Infizierte. Das entspreche einem Bevölkerungsanteil von 0,017 Prozent. Allerdings zeigten jüngste Fälle in Niedersachsen und Hessen, "wie schnell Corona explodieren kann". Bayern wolle daher bei den Lockerungen nichts überstürzen. Söder bekräftigte seine Kritik am Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der für sein Bundesland deutliche Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen angekündigt hatte.

Die ganze Pressekonferenz zum Nachschauen:

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Nach der Sitzung des Bayerischen Kabinetts informieren Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Wissenschaftsminister Bernd Sibler über die Ergebnisse.

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