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"Wahlurnen" der SPD stehen beim kleinen Parteitag der Bayern-SPD vor einer Tür
© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

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Tina Wenzel
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"Wahlurnen" der SPD stehen beim kleinen Parteitag der Bayern-SPD vor einer Tür

16 Genossen des SPD-Ortsvereins Nürnberg-Zabo sind im Gasthaus Heidekrug zusammengekommen. Es ist ihre Jahreshauptversammlung. Mehr als drei Monate sind mittlerweile seit der historischen Niederlage bei der Landtagswahl vergangen. An der Wahlschlappe haben sie noch immer zu kauen.

"Das ist sehr unerfreulich und in der ersten Wirkung auch ein Schock. – Man ist natürlich frustriert und enttäuscht, wenn man so ein Ergebnis hat. Und es ist klar, dass wir lieber Wahlpartys feiern, als solche Ergebnisse verdauen zu müssen." Umfrage unter SPD-Mitgliedern

Herber Schlag der Landtagswahl noch nicht überwunden

Die SPD stürzte bei der Landtagswahl in Bayern auf unter zehn Prozent ab. Bei den vorherigen Wahlen lag die SPD im Freistaat sonst bei rund 20 Prozent. Ein Tiefpunkt für die Partei. Nun soll es wieder nach oben gehen. Der erste Schritt: der Landesparteitag dieses Wochenende in Bad Windsheim. Einer der Genossen aus Nürnberg-Zabo wird dabei sein: Ulrich Blaschke – SPD-Stadtrat und Delegierter bei diesem Landesparteitag. 

"Der ist die Voraussetzung, dass wir mit dem neuen Mandat für den Vorstand auch in eine Phase gehen, in der wir dieses schlechte Wahlergebnis aufarbeiten. Wir müssen vor allem in die Zukunft gucken. Und da ist manches Gespräch mit dem Bürger viel wichtiger als ein Antrag auf dem Parteitag. Wir brauchen aber den Parteitag. Ich hoffe, dass wir geschlossen aus dem Parteitag herausgehen, dass wir nicht in eine Art gemeinsame Traurigkeit verfallen, sondern dass wir in die Zukunft schauen und die Dinge anpacken." Ulrich Blaschke, SPD-Stadtrat Nürnberg

Alles auf Null und mit neuen Kräften starten

Es geht um die vielbeschworene Erneuerung der Partei. An der Parteispitze wird sich aber in Bayern voraussichtlich nichts ändern. Zur Wahl steht der Posten des Parteichefs. Natascha Kohnen, die bislang die Bayern-SPD führt, tritt erneut an – wohl ohne Herausforderer. Das ruft gemischte Gefühle bei der SPD-Basis in Nürnberg hervor.

"Ich denke, Natascha Kohnen, das passt. Ich meine, es gibt auch ehrlich gesagt keine richtige Alternative. Das muss man deutlich sagen. Die Alternativen, die es gäbe, die wollen nicht. Das wäre unser Bürgermeister oder Bürgermeister Jung." Johannes Hoppe, stellvertretender Vorsitzender SPD-Ortsvereins Nürnberg
"Wenn jemand eine Wahl so krachend verliert, dann muss er gehen. Und: Dann muss er von selbst gehen. Nicht das er gedrängt wird, sondern wenn ich so ein Ergebnis bringe, dann muss ich gehen. Unter 10 Prozent." Manfred Hellmuth, Schriftführer SPD-Ortsverein Nürnberg

Es sind schwierige Zeiten für die SPD. Da sind positive Signale, die ein Landesparteitag ausstrahlen kann, wichtig. Aber bei weitem nicht genug, sagt Maximilian Bär, der Vorsitzende des Ortsvereins.

"Ich bin skeptisch, dass ein Parteitag der große Aufbruch zur Erneuerung der SPD wird. Das ist nicht möglich. Das ist ein Prozess und da muss jeder, der innerhalb der Partei ist, mitwirken. Wir müssen mit den Leuten wieder sprechen und ausstrahlen, dass wir gewinnen wollen und dass wir für die Lösung ihrer Probleme kämpfen und uns einsetzen." Maximilian Bär, Vorsitzende SPD-Ortsverein Nürnberg

SPD-Stärke liegt in den Städten

Nach der Europawahl im Mai stehen im kommenden Jahr die Kommunalwahlen an. Und die sind aus Sicht des Ortsvereins auch viel zentraler, betont Klaus Werthner. Denn hier ist es um die SPD ganz anders bestellt als auf Landes- oder Bundesebene.

"Die Kompetenz bei vielen Oberbürgermeistern und Bürgermeisterämtern in Bayern und anderen Bundesländern liegt deutlich bei der SPD. Und ich hoffe, dass sich das beim nächsten Wahlgang auch wieder zeigen wird." Klaus Werthner

Und Stadtrat Ulrich Blaschke ergänzt:

"Wir sind die, die in vielen Städten die Realität täglich prägen. Wir sind in Nürnberg die stärkste Kraft. Und mit dieser Kompetenz können wir werben." Ulrich Blaschke, SPD-Stadtrat Nürnberg

Gerade Franken ist eine SPD-Hochburg: Nürnberg, Erlangen, Fürth, Bamberg, Forchheim sind da nur ein paar Beispiele. Und auch München wird von einem SPD-Oberbürgermeister regiert. Bis auf kurze Zeitspannen, in denen die CSU das Ruder übernahm, ist sowohl in Nürnberg als auch in München die SPD seit Jahrzehnten am Zug. Auf kommunaler Ebene kann die Partei mit ihren Themen und vor allem mit ihren Kandidaten punkten.