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Bayern-SPD - Der Weg in die Bedeutungslosigkeit? | BR24

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Gleich drei prominente Bayern-SPD-Politiker ziehen sich aus der Bundespolitik zurück. Natascha Kohnen, Florian Pronold und Martin Burkert geben ihre Ämter ab. Was steckt hinter dem Rückzug und wohin geht es jetzt mit der Bayern-SPD?

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Bayern-SPD - Der Weg in die Bedeutungslosigkeit?

Gleich drei prominente Bayern-SPD-Politiker ziehen sich aus der Bundespolitik zurück. Natascha Kohnen, Florian Pronold und Martin Burkert geben ihre Ämter ab. Was steckt hinter dem Rückzug und wohin geht es jetzt mit der Bayern-SPD?

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Diese Nachrichten überraschten viele bayerische Genossen. Natascha Kohnen, Florian Pronold und Martin Burkert geben ihre Ämter in der Bundes-SPD zurück. Pronold und Burkert hören sogar ganz mit der Politik auf.

Kohnen: Kompromisse gegen das Gewissen

Natascha Kohnen hat angekündigt, dass sie nicht mehr für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden in der Bundes-SPD kandidiert. Es seien zu viele Beschlüsse gefasst worden, die sie als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende nicht mittragen könne:

"Ich musste schon auch Kompromisse annehmen - 'demokratischerweise', - die meinem Gewissen echt Schwierigkeiten machen. Bei der Migrationspolitik gibt es ein Geordnete-Rückkehr-Gesetz, das kann ich auch von meiner Wertevorstellung, von meinem Wertekompass nicht teilen und das überschreitet auch das, was ich vertreten kann." Natascha Kohnen, Landesvorsitzende der Bayern-SPD

Burkert: "Tut weh natürlich"

Martin Burkert, Chef der bayerischen SPD-Abgeordneten im Bundestag, legt jetzt nach 15 Jahren sein Bundestagsmandat nieder. Er wird stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahngewerkschaft EVG:

"Ich bin damals in die Politik, als Gerhard Schröder noch einmal angetreten ist und knapp verloren hat - 2005. Seitdem haben wir Verluste, da hilft es ja nichts, wenn man als Einzelner zehn, zwölf Prozent über der Partei ist, man tut sein Möglichstes, man ist rund um die Uhr unterwegs, wie man sieht. Aber es tut natürlich weh." Martin Burkert, Chef der bayerischen SPD-Abgeordneten im Bundestag

Pronold: Bisschen Freude außerhalb der Politik

Und auch der bayerische SPD-Staatssekretär im Umweltministerium, Florian Pronold, geht. Er wird Gründungsdirektor einer Stiftung. Vor zehn Jahren war er zu einem der jüngsten Vorsitzenden eines SPD-Landesverbands gewählt worden, galt als Hoffnung der bayerischen Sozialdemokraten. Das ist längst vorbei. Pronold erklärt:

"Länger als 20 Jahre im Deutschen Bundestag zu bleiben, das wollte ich nicht. Ich will etwas Anderes machen. Jetzt höre ich ein bisschen früher auf als geplant, weil eben etwas Spannendes, etwas Tolles auf mich zukommt, was mir unheimlich Freude macht. Und ein bisschen Freude im Leben will ich außerhalb der Politik auch noch haben." Florian Pronold, bayerischer SPD-Staatssekretär im Umweltministerium

SPD-Basis: "Schade, dass die SPD so rumhängt"

Umfrage beim SPD-Ortsverein in Mering bei Augsburg. Dort feierte man am Samstag das 100-jährige Jubiläum des Ortsvereins. Die Stimmung ist feierlich aber durchaus auch nachdenklich: Ein Mann findet: "Die Bayern-SPD? Schade, dass die halt so rumhängt und so tief bewertet wird." Ein anderer ist der Meinung: "In Bayern hat die SPD schon immer Probleme gehabt, aber dass es so weit unter zehn Prozent runterfällt, ist schon sehr traurig." Und der Alt-Bürgermeister von Mering meint: "Wir hatten früher in Schwaben doppelt so viele Landtagsabgeordnete, jetzt haben wir noch zwei."

SPD-Ortsverein löst sich auf

Auflösungserscheinungen? Ein weiteres Beispiel, dieses Mal von der Basis: In Münsing am Starnberger See hat sich der SPD-Ortsverein nach 26 Jahren aufgelöst. Selbst die politische Konkurrenz spricht von einem Verlust. Der Münsinger Bürgermeister Michael Grasl von den Freien Wählern sagt:

"Wer mit Helmut Schmidt aufgewachsen ist, empfindet das schon als Wegfall einer Volkspartei, noch dazu auf der kommunalen Ebene. Es gibt auch wenig Bürgermeister von der SPD, bei uns im Landkreis keine, und das sehen wir schon als Veränderung und Einschnitt." Michael Grasl (Freie Wähler), Münsinger Bürgermeister

Beim Stammtisch des SPD-Ortsvereins in Grassau am Chiemsee bleibt man trotzdem optimistisch. Hier stellt die SPD seit 18 Jahren den Bürgermeister und man hofft, dass das auch nach den Kommunalwahlen im Frühjahr so bleibt, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Tobias Gasteiger:

"Wir sind sehr positiv gestimmt, und ich hoffe, dass einfach der Antrieb von unten wiederkommt, dass auch in Bayern und im Bund die Stimmung in der SPD wieder steigt." Tobias Gasteiger, SPD-Ortsvereinsvorsitzender

Raus aus der GroKo oder durchhalten?

Durchhalten? Bis die Kurve wieder nach oben zeigt. Hier in Grassau glauben viele, dass die SPD dazu einen Neuanfang braucht und aus der Großen Koalition raus muss. Nicht zuletzt deshalb schauen viele Genossen in Bayern nun gebannt auf den Parteitag der SPD nächste Woche.