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Bayern: Schwierige Pressekonferenzen in Corona-Zeiten | BR24

© pa/dpa/Peter Kneffel

Keine Journalisten im Raum, Übertragung per Livestream: PK mit Ministerpräsident Söder (l.) und Regierungssprecher Wittl (r.) am 1.4.20

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    Bayern: Schwierige Pressekonferenzen in Corona-Zeiten

    Keine Journalisten im Raum, Fragen nur per Mail: Wegen Corona laufen die Pressekonferenzen der Staatsregierung aktuell anders als sonst. Der Chef der Landtagspresse spricht von einer "Notlösung" - und hofft auf eine baldige Rückkehr zur Normalität.

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    Wenn Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit oder ohne seine Minister in diesen Tagen in der Staatskanzlei vor die Presse tritt, ist streng genommen gar keine Presse anwesend. Denn wegen der Corona-Pandemie gelten derzeit auch in der bayerischen Staatskanzlei strikte Kontaktregeln - im Pressekonferenz-Raum selbst sind daher nur die unbedingt benötigten Kameraleute anwesend.

    Für die Journalisten heißt das: Sie müssen die Auftritte der Regierungsvertreter im Livestream verfolgen, übertragen unter anderem bei BR24 oder auf der Webseite der Staatskanzlei.

    Fragen nur per Mail möglich

    Weil die Pressefreiheit aber von kritischen Fragen an die Regierenden lebt, haben sich die Mitglieder der Landtagspresse mit der Staatskanzlei auf einen Übergangsmodus verständigt. Die Journalisten schicken ihre Fragen per Mail an die Regierungssprecher - und die Fragen werden Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) oder anderen Ministern dann zum Abschluss der Pressekonferenz von Regierungssprecher Wolfgang Wittl gestellt.

    Trost: "Hoffen, dass es bald wieder Live-PKs gibt"

    Von einer "Notlösung" spricht dpa-Journalist Christoph Trost, einer von zwei Vorsitzenden der Landtagspresse. Aktuell versuche man, eine Lösung zu finden, damit auch Nachfragen möglich sind. Derzeit ist das nämlich nicht der Fall - wenn eine Frage aus Sicht des Fragestellers nicht oder nicht ausreichend beantwortet wurde, kann man erstmal nichts ausrichten. Wie alle Kolleginnen und Kollegen setzt Trost daher auch auf eine baldige Rückkehr zur Normalität: "Wir hoffen natürlich, dass es bald wieder Live-PKs geben wird."

    BR-Landtagskorrespondent Julian von Löwis erlebt die Arbeitsbedingungen derzeit ebenfalls als besonders herausfordernd. "Das ist alles andere als optimal", sagt er. "Wenn wir Nachfragen haben, müssen wir bei den Pressestellen der Staatskanzlei oder der Ministerien nachhaken. Das darf natürlich kein Dauerzustand werden."

    Journalistenverband appelliert an Staatskanzlei

    Das sieht auch der Bayerische Journalistenverband (BJV) so. Auf BR-Anfrage erklärt der BJV-Vorsitzende Michael Busch, zwar begrüße man das von Staatskanzlei und Landtagspresse entwickelte E-Mail-Verfahren. Allerdings bringe es wegen der fehlenden Nachfrage-Möglichkeit "Einschränkungen mit sich, die auf das zeitlich absolut Notwendige eingegrenzt sein müssen.

    Busch betont: "Der BJV appelliert an die Staatskanzlei, eine Exit-Strategie für die Pressekonferenzen zu planen - und Journalisten so früh wie vertretbar mit entsprechenden Schutzmaßnahmen wieder persönlich teilnehmen zu lassen."

    Der bayerische Regierungssprecher Wittl wiederum teilt mit: "Von unserer Seite herrscht das größtmögliche Bemühen um Transparenz. Wir sind offen für jede gemeinsame Lösung mit der Landtagspresse." Das aktuelle Verfahren sei zudem "sicher nicht das, was wir alle wollen" - jeder habe den Wunsch, dass auch in dieser Frage wieder Normalität einkehre. Wittl betont aber auch: "Auch das bisherige Modell war so mit der Landtagspresse abgestimmt."

    Wie die BR-Reporter momentan von den Pressekonferenzen der Staatsregierung berichten, ist auch in dieser Story auf dem BR24-Instagram-Kanal zu sehen.

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