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Nach der Kritik an der 2G-Regel auch für Kinder und Jugendliche gibt es eine Übergangsregel.

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Bayern reagiert auf Kritik: 2G-Übergangsregelung für Jugendliche

Nach der Kritik an der 2G-Regel auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf hat Bayerns Kabinett eine Übergangsregelung beschlossen: Bis Jahresende dürfen auch ungeimpfte Schüler laut Ministerpräsident Söder zum Sporttraining oder in die Theatergruppe.

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Petr JerabekPetr JerabekJulia KammlerJulia Kammler
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Ungeimpfte Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren dürfen in Bayern bei der Warnstufe Rot auch weiterhin nicht ins Fußballstadion oder ins Kino: Die Staatsregierung bleibt dabei, dass bei vielen Freizeit-, Kultur- und Sportangeboten weiterhin für alle ab zwölf 2G gilt - Zutritt haben also nur vollständig Geimpfte und Genesene. Für eine Übergangszeit soll minderjährigen Schülerinnen und Schülern aber zumindest die Teilnahme am Sporttraining, an Theater- oder Musikproben erlaubt werden, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Kabinettssitzung in München sagte. Dies werde bis zum Jahresende gelten.

Schülerinnen und Schüler, die sich in der Schule mehrfach in der Woche testen müssen, werden laut Staatskanzlei übergangsweise zu "sportlichen und musikalischen Eigenaktivitäten und Theatergruppen" zugelassen. Damit sollten sie Zeit bekommen, sich noch gegen Corona impfen zu lassen. Die neue Regelung soll am Donnerstag in Kraft treten. Söder stellte klar, für Clubs, Diskotheken, Stadien, Konzerte und Ähnliches gelte auch für 12- bis 17-Jährige grundsätzlich 2G "wie für alle anderen Besucher".

60 Prozent der 12- bis 17-Jährigen nicht geimpft

In Bayern sind seit heute verschärfte Corona-Beschränkungen in Kraft, weil die Krankenhausampel auf die höchste Warnstufe Rot gesprungen ist. Für viele Bereiche des öffentlichen Lebens gilt nun 2G. Eine Verschärfung, die gerade die Zwölf- bis 17-Jährigen überdurchschnittlich stark trifft. Denn in keiner Altersgruppe ist die Impfquote in Bayern so niedrig wie in dieser - laut Robert-Koch-Institut sind dort lediglich 40 Prozent vollständig geimpft. Das heißt: 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren müssen ab sofort vielerorts draußen bleiben.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Mitte August die Impfung auch für 12- bis 17-Jährige zwar grundsätzlich empfohlen, zugleich aber an die Politik appelliert: "Die Stiko spricht sich ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird."

Parteiübergreifende Kritik

Der Nachjustierung der bayerischen 2G-Regel war scharfe Kritik aus mehreren Parteien vorausgegangen. Der Freie-Wähler-Bildungsexperte im Landtag, Tobias Gotthardt, beklagte einen "neuen Freizeitlockdown" für Kinder und Jugendliche, die stellvertretende bayerische FDP-Fraktionsvorsitzende Julika Sandt eine "sportlichen, kulturelle und soziale Verarmung". Der AfD-Jugendsprecher Jan Schiffer sprach vom "bisherigen Gipfel der kinder- und jugendfeindlichen Politik der Regierung Söder".

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze forderte, dass bei Freizeitangeboten für Schülerinnen und Schüler weiter die 3G-plus-Regel gelten sollte. Der Generalsekretär der bayerischen SPD, Arif Tasdelen, twitterte: "Kinder und Jugendliche dürfen nicht wieder die Leidtragenden der Söder-Politik sein!"

FDP weiter unzufrieden

Der FDP-Fraktion geht die jetzt beschlossene vorübergehende Entschärfung nicht weit genug. FDP-Gesundheitsexperte Dominik Spitzer betonte in einem BR24live, gerade die Jugendlichen hätten sich in der Pandemie zurückgenommen, hätten ihr Leben "kasteit" und auf Präsenzunterricht verzichten müssen. Jetzt würden sie wieder bestraft - wenn auch in einigen Bereichen erst im neuen Jahr. Aber auch jetzt schon werde es ungeimpften 12- bis 17-Jährigen nicht möglich sein, bestimmte Veranstaltungen zu besuchen.

"Natürlich hätte man es anders regeln müssen", betonte der FDP-Politiker. Er sehe die Notwendigkeit für 2G für Jugendliche nicht. Er erneuerte die Forderung an die Staatsregierung, stattdessen PCR-Tests für alle Schulen einzuführen - bisher gibt es sie nur an Grund- und Förderschulen.

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FDP-Gesundheitsexperte Spitzer im BR24live

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