BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

10.000 Matratzen und 90.000 Wischmopps - Aiwangers Not-Einkauf | BR24

© BR

10.000 Matratzen und 90.000 Wischmops - Aiwangers Not-Einkauf

66
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

10.000 Matratzen und 90.000 Wischmopps - Aiwangers Not-Einkauf

Die Staatsregierung hat tausende Matratzen, Bettzeug, Handtücher und Wischmopps angeschafft, um bis zu 10.000 Menschen in Notunterkünften isolieren zu können. Veröffentlicht hat Wirtschaftsminister Aiwanger den Plan erst Mittwochabend.

66
Per Mail sharen

Güter im Wert von mehreren Millionen Euro hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger seit Mitte März im Namen des Freistaats angeschafft, wie BR24 berichtete. Nach nochmaliger Nachfrage teilte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger dem BR mit, dass die Staatsregierung neben 10.000 Matratzen und Bettzeug, auch Handtücher, Waschlappen und 90.000 Wischmopps angeschafft hat. Aus damaliger und aus heutiger Sicht sei es dringend nötig gewesen, das zu organisieren.

Aiwanger rechtfertigt das mit Plänen, bis zu 10.000 Menschen in einem Notquartiert wie der Messe München unterzubringen. Es sei weniger um Notkrankenhäuser gegangen, als um Notquartiere für Kontaktpersonen, die hätten isoliert werden müssen.

Hotels seien damals noch nicht frei gewesen. Aber auch für die Unterbringung in Hotels sei Bettzeug nötig gewesen. Die Wischmopps waren gedacht, um in einem Notquartier die Fußböden mit Flächendesinfektionsmittel zu reinigen, so der Minister. Dass er diese Pläne für ein großes Notquartier erst jetzt öffentlich macht, rechtfertigt Aiwanger damit, dass er Mitte März keine Panik habe auslösen wollen.

Alles Wissenswerte zum Coronavirus bei BR24

Pragmatismus oder Aktionismus?

Zum Teil ist das beschaffte Material laut Wirtschaftsministerium an Landkreise weiterverteilt worden. Vieles wird nach wie vor zentral gelagert. Einzelne Minister kritisieren Aiwangers Einkäufe hinter vorgehaltener Hand im Gespräch mit dem BR. Von Aktionismus ist die Rede und davon, dass unklar ist, wo Matratzen und Wischmopps langfristig gelagert werden sollen. Aiwanger selbst teilt mit: "Sollte sich die Situation wieder verschärfen, dann können wir auf unserem Materiallager aufbauen."

Andere verteidigen Aiwanger: Mitte März sei die Lage unklar gewesen, Versorgungsengpässe, wie sie in anderen Ländern der Fall waren, wurden befürchtet. Da habe jeder getan, was er tun konnte.

Kritik an Vliesrollen für Landkreise

Allerdings gibt es weitere Kritik an Aiwangers Krisenmanagement. Mehrere Landräte beklagten ein Organisationschaos bei Vliesrollen, die Aiwanger den Landkreisen zur Maskenproduktion zur Verfügung gestellt hat. Lange sei unklar gewesen, für welche Bereiche diese Masken eingesetzt werden könnten. Deshalb sei der Stoff, der eigentlich FFP2-tauglich ist, also für sehr hochwertige, medizinische Masken zugelassen, zu ganz normalen Mund-Nasen-Schutz verarbeitet worden.

Auch das verteidigt Aiwanger im BR-Interview. Es gäbe keine Firma in Bayern, die zertifizierte FFP2-Masken produzieren könne. Damit, dass er hochwertiges Material an die Landkreise geliefert habe, habe er verhindern wollen, "dass aus minderwertigem Material, aus Tischdecken, aus Unterwäsche und so weiter, Masken geschneidert werden", so der Wirtschaftsminister im BR Interview.

Alle News zur Corona-Pandemie im BR24-Liveticker

"Irritationen" bei Desinfektionsmitteln

Die heimische Produktion von Desinfektionsmitteln, die Aiwanger organisiert hat, erntet ebenfalls Kritik. Zu spät seien die Desinfektionsmittel gekommen. Die Landkreise hätten sich größtenteils schon selbst geholfen und die Reinigungsmittel direkt gekauft. Zugleich sei ein Teil der vom Wirtschaftsministerium beschafften Desinfektionsmittel zurückgerufen worden.

Wirtschaftsminister Aiwanger erklärt das mit geänderten Vorgaben der Bundesregierung. Diese habe die Vorgaben für die Produktion von Desinfektionsmitteln aus Bioethanol kurz vor den Osterfeiertagen verändert. Der Anteil an Alkohol habe um ein paar Prozent erhöht werden müssen.

In der Folge durfte das Desinfektionsmittel mit weniger Alkoholgehalt nicht mehr im Patientenbereich von Krankenhäusern, sondern nur noch im Eingangsbereich verwendet werden. Außerdem rechnet Aiwanger damit, dass der Bedarf an Mitteln zur Flächendesinfektion mit der Öffnung von Hotels und Gaststätten steigen wird. Die Staatsregierung sei mit dem Vorrat darauf gut vorbereitet.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!